Windelsbleicher Industrienostalgie

Ökotechnologiepark Windelsbleiche

Das Internet-Nachschlagewerk Wikipedia beschreibt in dürren Worten, wie es zum Bielefeld-Senner Ortsteil „Windelsbleiche“ kam, der ja nichts anderes bedeutet als „Windels Bleiche“:

Im Gebiet des Ortsteils, das seit jeher zur Gemeinde Senne I gehörte, existierten früher nur Einzelhöfe, aber kein eigentlicher Dorfkern. Der Kolon Heinrich Christoph Scherpel legte 1832 in der Nähe seines Hofes Bleichen an, deren Wassergräben vom Reiherbach gespeist wurden. 1851 verkaufte Scherpel seinen Bleichbetrieb an den Bielefelder Leinenkaufmann August Wilhelm Kisker, der 1872 die Bleichen wiederum an Hermann Windel verkaufte. Unter der Leitung von Hermann Windel und seinem Sohn Gustav Windel entwickelten sich die Bleichen zu einem bekannten Unternehmen der Textilveredlungsindustrie.

Als 1901 Senne I von der Bahnstrecke Bielefeld–Paderborn erreicht wurde, wurde wegen des hohen Güteraufkommens der Firma Windel in der Nähe der Windel- schen Bleichen ein Bahnhof errichtet. Um Verwechslungen mit anderen Bahn- höfen zu vermeiden, wurde der Bahnhof nicht nach der Gemeinde Senne I be- nannt, sondern erhielt den Namen Windelsbleiche. Der Name des Bahnhofs übertrug sich in der Folgezeit auf seine Umgebung und die dort entstehende Bebauung. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in aufgelockerter Bauweise Werkswohnungen der Firma Windel. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es mit der Ansiedlung des Metallwerks Windelsbleiche zu einer stärkeren Verdichtung des Ortsteils, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg weiter fortsetzte. Ein Zusammenwachsen mit den anderen Senner Ortsteilen wurde durch den Flugplatz im Norden und durch die Windelschen Rieselfelder im Süden von Windelsbleiche verhindert. Seit 1973 gehört Windelsbleiche als Teil des Stadtbezirks Senne zur Stadt Bielefeld.

Wahrzeichen von Windelsbleiche

Aus jenen Rieselfeldern, die das damalige Textilveredelungswerk der Familie Windel benötigte, entstand das größte private Naturschutzgebiet im Raum Bielefeld: Die „Rieselfelder Windel„.  Entstanden aus den Reiherbachwiesen, wo die Leinenstücke in einem aufwändigen Verfahren in großen Waschhäusern gebleicht wurden. Die „Stiftung Rieselfelder Windel“ schreibt darüber:

Die Leinenstücke wurden zunächst mit Aschenlauge gekocht, eingeseift, auf dem Bleichplan ausgelegt (dem Sonnenlicht ausgesetzt und dabei ständig mit dem Wasser des Reiherbaches feucht gehalten), mit saurer Milch (später mit Vitriol) behandelt (gesäuert) und zuletzt im Bachwasser gespült (ob dies danach immer noch „vorzüglich“ war?). Die Arbeitsgänge wurden je nach Witterung und dem gewünschten Weißegrad wiederholt.

Die heutigen Rieselfelder Windel sind ein stadtnahes Naturreservat, das sich die Natur mit menschlicher Unterstützung zurückerobert hat und viel für natur-kundliche Wanderungen genutzt wird.

Wohnen inmitten der Rieselfelder Windel

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