Zwiegespräch mit Widukind

Allgegenwärtig: Widukind - Quelle (Borgholzhausen)

Es hat seinen Grund, warum die Deutsche Märchenstraße am Teutoburger Wald entlangführt. Wenn es einen „sagenhaften“ Namen in unserer Gegend gibt, dann ist es Widukind. Wobei wir jetzt nicht das Mineralwasser aus Borgholzhausen oder andere Produkte mit jenem Namen des unsterblichen Helden, dem Sachsen-herzog Wittekind (auch Widukind), meinen. Wittekindland ist Herford, ist Bünde, ist Enger. Sogar die Quelle auf dem Kamm des Teutoburger Waldes kennt die Sage, wo Kaiser Karl der Große Widukind den Sachsenherzog zum Christentum bekehrte, indem er durch den Huf seines Pferdes Wasser aus dem Boden treten ließ.

Glockenturm der Stiftskirche in Enger

Hoch ragt der Glockenturm der mächtigen Stiftskirche (evangelisch) über der kleinen Stadt Enger auf. Hier ist der Mittelpunkt der Widukind-Verehrung. Auf Schritt und Tritt begegnen uns Erinnerungen an den Sachsenherzog, der ja eigentlich ein Verlierer war. Auf Resten einer alten Wehrburg wurde das Haus gebaut, in deren Backstube ein Bäcker seine leckerer Backwaren herstellt. Die Hauptstraße ruppelt durch die kleine Stadt, man muß langsam fahren. Was wiederum sinnvoll ist, denn wir wollen in der Stiftskirche ein Zwiegespräch mit dem sagenhaften Widukind halten. Ein steinerner Sarkophag steht hinter dem mit reichem Schnitzwerk verzierten Altar von 1525 des Meisters Hinrik Stavoer aus Braunschweig. Die Grabplatte aus dem 12. Jahrhundert zeigt  Widukind im Königsornat mit Lilien, Zepter und Spangenkrone. Die lange Zeit ihm zugeschriebenen Gebeine im Schrank dahinter stammen allerdings nicht von ihm.

Sarkophag mit der Grabplatte, die Widukind zeigt
Grabplatte mit Widukind-Plastik
Hier soll eine Wehrburg Widukinds gestanden haben

Wir verlassen den magischen Ort und schlendern ein wenig durch den alten Kern der Stadt, in der die Zeit still zu stehen scheint. Das Widukind-Museum ist leider geschlossen. Über 1200 Jahre her ist sie, die Zeit Widukinds und immer noch sehr lebendig.

Gerbereimuseum

Den Schlüssel, den wir durch die halbblinden Scheiben des Gerbereimuseums sehen ist aber nachweislich 1995 da liegengeblieben. Damals entschloß man sich, aus der historischen Gerberei Sasse (von der Bielefelder Straße stadtauswärts rechts rein) Deutschlands einziges Gerbereimuseum zu machen, das exakt so  stehenblieb, als ob jener Schlüssel grade erst abgezogen wurde.

Widukindmuseum Enger

Einheimische benutzen aber gerne jenen Satz, der hier geprägt wurde:

„Es ist nicht alles tot, was in Enger begraben ist“

Ein Gedanke zu &8222;Zwiegespräch mit Widukind&8220;

  1. Der ursprüngliche Satz lautet: Es ist nicht alles tot, was in Westfalen begraben ist. Widukind allerdings lebt noch in den Sagen und Erzählungen über ihn; vgl. Widukind – Sagen und Erzählungen, Berlin 2013. Doch kann man in Enger mit Widukind kein Zwiegespräch halten, denn er lebte einst in Wildeshausen; und ist dort wohl auch bestattet worden.

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