Bei den süssen Verführern

Ein Weihnachtsgruss von Auszubildenden

Wir wissen jetzt, wo die weiblichen und männlichen Nachwuchsengel der Konditorenzunft ihre Träume aus Marzipan, Schokolade, Zucker, Gewürzen, Mehl und weiteren natürlichen Zutaten backen, modellieren, verzieren: Im Handwerksbildungszentrum (HBZ) der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. Obwohl die Weihnachtsbäckerei da „schon durch“ ist, wie die „strenge“, von einem Münsterländer Bauernhof stammende Ausbilderin Rita Horstmann schmunzelnd betont, liegt immer noch ein Hauch Vanille, Mandelaroma und Zuckerduft in der Luft.
Fast wie früher: In der Konditorenwerkstatt des HBZ Fasanenstr./Kleiberweg

Nein, „wirklich streng“ ist Rita Horstmann zu ihren weiblichen und dem einen männlichen „Küken“ des ersten Lehrjahres nicht, obwohl sie schon darauf besteht, die typischen weißen Konditorenmützen mit „Schlag oben“ aufzusetzen. Schon tauchen wir ein in eine Szenerie, die wohl vor 100 Jahren auch nicht viel anders ausgesehen haben mag und uralte Wurzeln hat. „Handwerk im schönsten Sinne des Wortes, neben Kreativität viel künstlerisches Feingefühl und ganz ganz viel Wissen um die Produkte, aus denen die feinen Dinge der Konditoreien entstehen“, charakterisiert Rita Horstmann den Beruf des Konditors. Dabei beherrscht sie noch eine ganz andere, sehr seltene Kunst: „Zuckerartistik“, wie es die Schweizer nennen. Dort ging das junge Mädel mit dem unverwechselbaren Münsterland-Akzent auch hin und lernte bei Willi Funk, später bei dem heute weltberühmten Ewald Notter, wie man das so macht mit dem Konditorn und dem  Zucker. Wie man daraus Formen und Figuren bläst, feinziselierte Blätter entstehen läßt und in anspruchsvollen Konditoreien und Häusern dieser Welt wahre Kunstwerke aus Zucker bestaunen läßt.
Alles aus Zucker. Ein Meisterwerk

Natürlich belässt es Rita Horstmann nicht bei der Theorie und gibt den Eleven und uns eine kleine Einführung in das Zuckerziehen und -blasen. Es  beginnt mit einem bis auf über 70 Grad erwärmten Klumpen aus  zwei Anteilen Zucker, einem Anteil Wasser, dazu  Glukose und Lebensmittelfarbe. Dabei entsteht eine plastisch formbare Masse, vergleichbar mit Knetgummi. Nun muss es schnell gehen. Die Meisterin zieht an der rot gefärbtem Masse, formt sie, bläst mittels kleinem Blasebalg und Metallröhrchen Luft in eine kleine Kugel und bläst sie langsam auf, „1 Millimeter Wandstärke“ seien möglich, darunter springe der geblasene Zucker „wie Glas“.
Rita Horstmann inmitten lauter süsser Sachen

Der Schelm in Rita Horstmann, die in 22 Jahren Wirkens bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld Generationen von Konditoren hat kommen und erfolgreich gehen sehen,  ruht nicht, bis sie uns zeigt, wann eine geblasene Zuckerkugel zerspringt.
Der Sprung der geblasenen Zuckerkugel

Rita Horstmann, die aus Beruf Berufung, Engagement und Leidenschaft gemacht hat, ist ein gehöriger Anteil daran zuzuschreiben, dass Bielefeld heute neben Augsburg eine „Konditorenhochburg“ ist, die Landes- und Bundessieger und internationale Sieger hervorgebracht hat. Niedersachsen und „manchmal Schleswig-Holstein“ schicken ihre Auszubildenden an die Konditorenfachschule Bielefeld. Auch Austauschschüler aus vielen Ländern sind gerne in Heepen zu Besuch.
Um aber nicht „den Eindruck zu hinterlassen, es drehe sich am Bielefelder HBZ alles nur um Zucker“, dürfen wir Kostproben konditorischer Backkunst nebst Cappucino probieren: Französische Zitronentorte, Éclaires und eine Neukreation von Rita Horstmann: kleine Schokotörtchen ganz ohne Mehl, Glutenfrei. Aus 72% Zartbitterschokolade, gemahlenen Mandeln und Zucker. Ein lockerer Traum, den auch Allergiker mit Genuss verzehren dürfen.

„Éclaire“ nennt man übrigens in Deutschland „Liebesknochen“. Verlieben wir uns doch in den Gedanken, die Konditorenwerkstatt von Rita Horstmann wäre zum Nachmittags- mokka öffentlich zugänglich.
auswahl arbeiten konditorenwerkstatt

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