Als Nikolaus Diana anschob

Werbeanzeige für Dürkopps "Diana"-Fahrräder kurz vor der Jahrhundertwende um 1899

Nikolaus Dürkopp (andere Schreibweise Nicolaus Dürrkopf) gehört zu den Namen, die Bielefeld industriell mit am stärksten geprägt haben. Der 1842 in Herford geborene Mann mit der eklatanten Lese- und Schreibschwäche absolvierte nach der Volksschule  eine dreijährige Schlosserlehre bei Meister Köller in Herford. Hatte aber damals bereits großes Interesse an der Feinmechanik. Nach den damals üblichen Gesellenwanderjahren heuerte er beim Uhrmacher und Nähmaschinenhändler Böckelmann am Bielefelder Alter Markt an. Der Kontakt zur Nähmaschine in der Leinenstadt war also hergestellt. Die Näh- maschinentechnik lernte Dürkopp durch Carl Baer, den die von Böckelmann vertretene Berliner Nähmaschinenfabrik Beermann an die reizende Lutter (Bielefelder Flüsschen, das dort im Ortsteil Quelle entspringt) entsandte.  Zusammen mit seinem dort arbeitenden Mechanikerfreund Heinrich Koch gründete er eine kleine Nähmaschinenfabrik, aus der später die Kochs Adler AG hervorging. Nikolaus arbeitete dort zeitweise als Mechaniker. 1867 entschloß er sich ebenfalls zusammen mit Carl Schmidt (damals auch bei Baer & Koch tätig) eine Nähmaschinenfabrik zu gründen. Den Durchbruch zum Industriebetrieb schaffte die Firma Dürkopp aber erst, nachdem 1876 Ferdinand Kaselowsky, Direktor der Ravensberger Spinnerei und einer der reichsten Männer Bielefelds, sein Geschäftspartner geworden war. Carl Schmidt schied mit einer Abfindung in ansehnlicher Höhe aus. Davon gründete er eine eigene Nähmaschinenfabrik, die zur Keimzelle der späteren Ankerwerke wurde. Das Unternehmen entwickelte sich gut und diversifizierte seine Angebotspalette 1885 mit dem Bau von Fahrrädern. Später sollten sogar Motorräder, Autos und Motor-roller folgen. Der Name „Diana“ wurde zum rollenden Begriff Dürkoppscher Produkte. Privat sah das Dürkoppsche Leben des als „begnadeteter Techniker von außer- gewöhnlicher Sturrköpfigkeit und hemdsärmeligen Umfangsformen“ geschilderten Mannes allerdings wenig glücklich aus. Eine Verlobung platzte, die erste Ehe scheiterte und in der „besseren Gesellschaft“ der Leinenstadt erzählte man sich Geschichten über den Unternehmer:

In einem Gebäude Ecke Ulmenstraße/Kreutzstraße im Bielefelder Norden gab es eine Art Nachtklub, wo sich betuchte Herren in den besten Jahren – wie im Blauen Engel – entsprechend betreuen lassen konnten. Zu den Stammkunden der im ersten Stock untergebrachten „lebenslustigen Mädels“ soll auch Dürkopp gezählt haben.

Der nächste Skandal im engen Städtchen Bielefeld: Mit 70 heiratete er am 20. September 1912 die 34 Jahre jüngere Emilie Louisa Agnes Helene Jacke, Tochter des Bielefelder Lebensmittelkaufmanns Ludwig Jacke. Emilie Dürkopp schrieb ihren Vornahmen gewöhnlich als „Milliy“. Aus „steuerlichen Gründen“, so heißt es, verlegten die Dürkopps ihren Wohnsitz in das das lippische Bad Salzuflen wo Dürkopp nahe der Salinen am Roseneck eine neue schlossartige Villa errichten ließ. Die heute noch existierende „Villa Dürkopp“.

Am 25. Juni 1918 starb Nikolaus Dürkopp. Der Mann und das Unternehmen, das zeitweilig größte Nähmaschinenfabrik Deutschlands war, hat einen großen Teil zu den vielen hundert Patenten beigetragen, die von Bielefelder Nähmaschineningenieuren entwickelt wurden.

Pioniere: Heinrich Koch (links) und Nikolaus Dürkopp (rechts)

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