Laienspielschar Falkendiek: Olle kuiern platt

Montag Abend gegen 19 Uhr. Im Gemeindehaus der Christuskirche in Herford gehen die Lichter an. Hinein strömen die Akteure und Helfer zu einer der letzten Proben von „Müggensack suin Venus“, dem aktuellen plattdeutschen Theaterstück der Laienspielschar Falkendiek. Drinnen ist eine provisorische Kulisse aufgebaut mit altmodischem Tisch, Anrichte und Bügelbrett. Dagmar Hotfiel, die in diesem Stück die Haushälterin Grete Puhl darstellt, zieht sich einen Kittel an und schon geht es los mit der Probe. Am Küchentisch agierend spielt sie im schönsten Platt lautstark die Dialoge mit zweien ihrer männlichen Mitspieler durch.

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Regisseurin Karin Dreyer überwacht die Probe

Die Laienspielschar Falkendiek wird in diesem Jahr 63 Jahre alt. Das erste Stück nach dem Krieg wurde 1949 aufgeführt und hieß „Geoue Nobers“. Der Reinertrag des Abends kam damals der Linderung der Not der Vertriebenen zugute.

So begann es 1949: Die Truppe spielte "Geoue Nobers"

Seit dieser Zeit wird jedes Jahr ein Stück aufgeführt, seit 1989 im Stadttheater Herford.

Dagmar Hotfiel ist nicht nur Akteurin auf der Bühne. Sie trifft seit einigen Jahren auch die Vorauswahl der Stücke. „Ich lese mich einige Wochen lang durch verschiedene Texte, die vom Theaterverlag angefordert werden können. Es waren auch schon Stücke vom legendären Ohnsorg-Theater dabei. Wichtig ist, dass die Charaktere auf unsere Darsteller passen. Und natürlich möchten wir den Geschmack des Publikums treffen, das sich aus Alt und Jung zusammensetzt.“

Die Texte sind doch sicher zunächst hochdeutsch?

„Ja, aber unsere Karin Dreyer übersetzt die Stücke mit viel Geduld und Liebe zum Detail. Und da sie Regie führt, kann sie gut darauf achten, dass wir auch alles richtig aussprechen.“

Also sprechen nicht alle Schauspieler von Haus aus platt?

„Nein“, lacht Dagmar Hotfiel, „die meisten von uns müssen die Texte zunächst wie eine Fremdsprache lernen.“

Und die Zuschauer? Verstehen die denn alles?

„In der Regel ja. Wenn man sich ein paar Minuten eingehört und an die Mundart gewöhnt hat, ist alles gut verständlich. Man muss also nicht plattdeutsch beherrschen, um das Stück genießen zu können.“

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"Müggensack suin Venus". V. l. Beate Niemeier, Dagmar Hotfiel, Gerd Quest, Charleen Barth, Thorsten Ellersiek, Karsten Domas

„Nachwuchssorgen haben wir momentan übrigens nicht.  Unsere jungen Schauspieler sind zum Teil  Kinder oder bereits Enkel der Gründungsmitglieder, die schon im Kindertheater der Laienspielschar mitgespielt haben. Und weil sie bei den Aufführungen  natürlich ihre eigenen „Fanclubs“ haben, sind daher auch viele jüngere Zuschauer im Theater.“

Die Laienspielschar hat ca. 35 Mitglieder. Neben den diesjährigen sechs Akteuren gibt es aber mindestens doppelt so viele Helfer, die in altbewährter Weise dazu beitragen, dass Müggensack suin Venus überhaupt auf die Bühne kommt. So ist Seniormitglied Werner Bünger zusammen mit dem 80jährigen Werner Essling seit 50 Jahren für den Bau des Bühnenbildes zuständig. Souffleure, Requisiteure, Techniker, Kostümbildner und Regisseurin, Organisations- und Aufbauhelfer wirken professionell im Hintergrund.

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Die gut gelaunte Truppe bei der Probe

Das aktuelle Stück „Müggensack suin Venus“ wird noch am 25.02. um 19.00 Uhr und 26.02. um 15.00 Uhr im Stadttheater Herford aufgeführt. Der Reinerlös wird einer Förderschule für geistig behinderte Kinder und einer Kindertagesstätte des Vereins für soziale Arbeit und Beratung (VAB) in Herford gespendet.

Nach dem 26. Februar ist erstmal Pause. Schon bald aber wird sich Dagmar Hotfiel nach neuen Stücken umsehen. Wir sind gespannt, was in der 64. Saison zur Aufführung kommen wird. Living in OWL wird darüber berichten.

Termine:

Sonntag, 12.02.2012 – 15.00 Uhr
Samstag, 25.02.2012 – 19.00 Uhr
Sonntag, 26.02.2012 – 15.00 Uhr

Karten im Vorverkauf im Theateramt Stadt Herford, Telefon 05221/500 07 oder an der Abendkasse.

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