Bielefeld, Woermann und die Kolonialzeit

Der Woermannsche Hof am Bielefelder Klosterplatz

An einen der berühmtesten Deutschen zur Kolonialzeit erinnert heute immer noch der Woermannsche Hof am Bielefelder Klosterplatz. Übrigens auch Bielefelds erstes Bankhaus, betrieben von einem gewissen Hugo von Hartmann (1848 – 1875). Aber wir wollten ja von Carl Woermann, 1813 geborener Sohn des Leinenfabrikanten Woermann erzählen. Nun hatte Bielefeld damals  wie heute keinen Zugang zum Meer und der Seefahrt. Geschweige denn Afrika. Wie also kam die Kolonialzeit in die Stadt am Teutoburger Wald?

1837 gründete also Bielefelds Carl in Hamburg ein Handelsunternehmen, das Leinen und Töpferwaren nach Südamerika und Westindindien verschiffte und Zucker sowie Kaffee importierte. „Eleonore“ hieß die Zweimastbrigg nach seiner Frau und Carl Woermann wurde zum hanseatischen Reeder. Ganz Kaufmann entdeckte er, welche Chancen der afrikanische Kontinent bot. 1849 liess er seinen Kutter „Constanze“ die westafrikanische Küste anlaufen und nahmen den Handel mit Liberia. Eine Handelsniederlassung in Afrika folgte und die Firma „C, Woermann“ baute das Geschäft aus. Der Bielefelder handelte mit Waffen, Kautschuk, Palmöl (Grundstoff für Margarine) und Branntwein sowie Kokos und Bananen. Als Carl 1880 starb, besaß die Firma zwölf große Segelschiffe und bekam 1878 das erste Dampfschiff. Der Zweitälteste  Sohn Adolph übernahm die Firma und gründete 18885 die „Afrikanische Dampfschiffahrts-Actiengesellschaft. Woermann-Linie“. Maß- geblich war er auch am Aufbau deutscher Kolonien in Afrika begleitet.

Nicht nur in Hamburg gibt es also Menschen und Relikte der Kolonialzeit. Seit 1894 ist im Woermannschen Hof am Klosterplatz die „Klosterschule“ untergebracht. Und Seefahrt hat hier auch wieder einen Anker: die Oetker-Reederei „Hamburg Süd“ spielt in der ersten Reihe der Schiffsorchester.

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