Sabine Christel – Frauennetzwerk

 

Allem voran, es gibt nicht wirklich viel, worum ich einen Mann beneide. Gut, dass im Stehen pinkeln ist sicherlich praktisch. Und auch der Part bei der Geburt, da hat es der Kindsvater doch etwas angenehmer. Aber sonst….?

Doch! Männer, ich beneide euch um euer Netzwerken. Der Kontakt von den Herren ist einfach einfacher. Man trifft sich im Verein, beim Bier oder auf dem Gang im Büro. Und so wird mal nebenbei die Welt erobert. Da werden Aufträge auf dem sehr kleinen – meist alkoholischen – Dienstweg vergeben oder sich gegenseitig unterstützt. Ein Mann würde doch nie fragen, WARUM sollte ich dem anderen helfen? Oder: WELCHEN Vorteil hat der andere dann? Ist das am Ende mein Nachteil?

Sieht er besser aus? Na ja, da um die Hüfte, da ist es aber schon sehr speckig. Und die Haare, scheint wohl kein Geld für den Frisör da zu sein. Und diese Arroganz, widerlich!!

Nein, denn das ist mehr so das Frauending. Frauen und sich gegenseitig ehrlich unterstützen, dass ist schon mal eine Sache, die schwer funktioniert.

Die Frau fragt sich als erstes, was sie davon hat. Und sie taxiert das Gegenüber. Ist das nicht eigentlich MEINE Idee gewesen? Da passiert viel auf der emotionalen Ebene. Frau vergleicht sich gern. Deshalb muss beim Gegenüber ein Makel gefunden werden. Unattraktive Frauen sind die liebsten Freundinnen. Und schaden nicht dem eigenen Ego. Die kann man herzen und drücken. Mit der kann man auch den Mann bekannt machen.

Ganz anders, wenn eine Frau einigermaßen gut ausschaut. Dann muss diese Frau demontiert werden. Frau sucht also beim Gegenüber nach Makeln. Findet sie einen, ist es gut. Findet sie erst mal nichts, dann wird auch nicht viel aus dem VERNETZEN. Dann bleibt es bei harmlosem Smalltalk.

Sich gegenseitig zu unterstützen… schwieriges Thema. Ich kenne Frauen, die lächeln. Eigentlich lächeln sie aber nicht, sie zeigen eher ihre Zähne und haben etwas in ihrem Blick, dass ich mit einem „Abwarten, auf den richtigen Moment“ bezeichnen würde. Sie fragen sich: Wie kannst Du mir nützlich sein UND brauche ich Dich eigentlich? Und danach richtet sich die weitere Vorgehensweise.

Auch der Kontakt wird erst dann intensiv, wenn man etwas in Erfahrung bringen möchte, wenn man selbst Hilfe benötigt oder wenn das Gegenüber als harmlos und „keine Konkurrenz“ eingestuft wird.

Dabei wäre es so wichtig, gut vernetzt zu sein. Vernetzt bedeutet, gute Kontakte zu haben, Menschen, die einem behilflich sein können. Ganz egal, ob man einen Babysitter sucht, einen Gärtner, einen Liebhaber oder jemanden, der einen beim Aufbau eines eigenen Geschäfts unterstützt. Wer weiß etwas, wer kann helfen? Das sind dringliche Fragen.

Sie stehen zum Beispiel zu Hause und die Spülmaschine ist kaputt. Ein Techniker ist teuer. Handwerklich sind sie unbegabt, einen Mann gibt es nicht, der helfen könnte. Was nun? Sie fragen im Freundeskreis herum, wer kennt sich aus, wer kann helfen?

Dann beginnt die Problematik. Natürlich gibt es technisch versierte Frauen. Man muss ja nicht gleich von sich auf andere schließen. Aber, es ist doch eher selten. Also muss ein Mann her. Problem eins: Er ist liiert. Dann vermutet dessen Frau hinter der Spülmaschinenreparatur eher einen Austausch von Körperflüssigkeiten und der Mann hat Stress. Den will er vermeiden, deshalb sagt er ab.

Problem zwei: Er ist Single. Aber nicht ihr Typ. Trotzdem, da sind Männer eher pragmatisch. Sobald Sie einigermaßen gut aussehen, macht er sich Hoffnungen. Auch, wenn es nur eine einmalige Sache ist. Sex gegen Reparatur. Sie lehnen dankend ab. Also fällt er auch weg.

Dann war es das. Wenn Sie Glück haben, finden Sie einen entspannten 80jährigen, der seine Manneskraft nicht mehr wahrnimmt und dafür gern bei Ihnen auf dem Boden herumliegt und einen Schlauch anschließt.

Das wäre der Glücksfall.

In einem Männernetzwerk funktioniert das ungefähr so (Whatsapp): „Hey, wie geht’s? Kommst Du nachher noch auf den Sportplatz? Walter kommt auch. Meine Spülmaschine leckt. Du weißt ja, nicht mein Ressort. Kannst Du nach dem Fußball mal kurz herumkommen? Bier ist noch da.“ Fertig.

Schreiben Sie das mal als Frau.

Aber auch bei größeren Dingen ist ein Netzwerk hilfreich. Was denken Sie, wie viele Verträge tatsächlich auf dem Golfplatz oder am Stammtisch vereinbart werden? Oder glauben Sie ernsthaft, eine Horde Männer trifft sich einmal im Jahr zum Grünkohlessen, des Essens wegen? Da werden Freundschaften gegründet, da hilft man sich mal so nebenbei gegenseitig. Da werden Kontakte geknüpft und Telefonnummern ausgetauscht.

Du brauchst Hilfe? Iss Grünkohl!

Oder schauen Sie doch mal in den Facebookgruppen. Wie viele Männer fragen dort nach Hilfe, nach Unterstützung?

Deshalb geht man als Mann auch als Nicht-Fan zum Fußball. Oder spielt talentlos Tennis. Oder schlägt sich die Nächte am Stammtisch um die Ohren. Vernetzung, dass ist das Zauberwort.

Und so läuft das leider nicht so wirklich bei den Frauen.

Ja, es gibt Netzwerke. Und Stammtische. Es reicht aber nicht, sich darauf auszuruhen. Wie viel Vernetzung findet denn tatsächlich außerhalb der Veranstaltungen statt? Wie oft wird WIRKLICH geholfen, egal, ob Singlefrau, Singlemom oder Liierte. Wie oft schicken Sie Ihren Mann zur attraktiven Nachbarin zum Schlauchverlegen? Wie oft springen Sie ein, wenn Sie um Hilfe gebeten werden? Und vor allem: wie schnell beantworten Sie eine Nachricht mit so einer Anfrage?

Kommt da nicht der am meisten benutzte Satz: „Sorry, habe Deine Nachricht gerade erst gefunden“ zum Einsatz?

Ich frage mich, ob das Evolutionsbedingt so ist. Die Frau ist nur begrenzt fruchtbar, darüber hinaus dann nicht mehr länger attraktiv für das ebenso alternde Männchen und muss junge, hübsche, was- auch-immer, Konkurrenz fürchten? Setzen Sie sich in den Vergleich?

Natürlich, Sie werden jetzt selbstbewusst entgegnen, dass SIE das ja nicht tun, denn SIE haben ja kein Problem mit dem Selbstwert.

Dann sind Sie vielleicht die Ausnahme.

Das Gros der Damen ist – sofern liiert – doch zu oft besorgt, den einmal eroberten Partner zu verlieren. Deshalb wird alles vermieden, was ihn auf dumme Ideen bringen könnte. Eliminiere etwaige Feinde noch in der Entstehungsphase. Denn: Nicht der Mann ist schuld, sondern die andere Frau. Noch so ein Frauending!

Wie viele Herren sind eifersüchtig auf den Briefträger oder den Zalandomann? Oder den Tankwart, den Klassenlehrer, den Bankmenschen, den Versicherungsvertreter, den Kassierer, den Gärtner, den Bürgermeister, etc.?

Aber wie viele Frauen wittern umgekehrt im weiblichen Pendant eine Gefahr? Oder eine Konkurrenz?

Das Leben könnte einfacher sein. Wenn wir als Frauen :

  1. a) viel weniger denken.

Ich befürchte aber, das geht nicht. Genetisch haben wir sicherlich zu viele Synapsen, die miteinander verworren sind.

  1. b) genauer hinsehen. WARUM denken wir das? Und WER ist eigentlich derjenige, den wir im Auge behalten sollten?
  2. c) vertrauen in uns und in das weibliche (!) Gegenüber.
  3. d) den Sinn und Zweck einer guten Vernetzung erkennen. Nicht das Prosecco oder Kaffeetrinken ist die Vernetzung. Sondern, sich gegenseitig zu helfen. Frauen unterstützt euch! Nehmt euch zumindest in diesem Fall die Herren zum Vorbild.
  4. e) das eigene Ego – egal, ob klein oder groß, im Zaum halten. Und DA, liebe Frauen, könnten wir den Herren dann doch noch einiges voraus haben. Denn das klappt bei denen auch nur bedingt. Einer muss irgendwie immer der Oberindianer sein, der die Reden schwingt und sich wichtig nimmt. Aber egal. Wenn er sonst nicht nervt, soll er doch. Wir Frauen können das ja anders machen. Ohne unsere Weiblichkeit zu verleugnen oder nutzen zu müssen (oder darauf reduziert zu werden!).

Wie komme ich eigentlich darauf? Ach ja, meine Spülmaschine, also die hat da ein Problem….

Das neue Buch von Sabine Christel „Frauen sind anders, aber Mann gewöhnt sich daran“ ist im Buchhandel oder über Amazon erhältlich.

www.sabine-christel.de

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