Supermom

Meine Kinder sind totale Fans von Marvel. Oder Avengers? Oder DC? Jedenfalls geht es darin um Superman und Spiderman und was auch immer für Superhelden. Bei all der Schwärmerei finde ich, wo bleibt denn Supermom? Nun, die gibt es gar nicht. Es gibt Supergirl (natürlich, bestimmt so eine zwanzigjährige Blondi mit großer Oberweite und Wespentaille) und dann gibt es Wonderwoman. Schon klar, wenn eine Frau über Superkräfte verfügt, dass muss ja ein Wunder sein. Denn sonst sind das ja nur die Supermänner.

Wenn man sich dann noch die Kinogeschichten ansieht, sind Frauen meistens die geretteten hilflosen Weibchen, die grenzdebil in der Gegend herumstehen und immer einen Helden (männlich) benötigen, der ihr Chaos beseitigt. Oder wenn, dann sind sie maximal außergewöhnlich attraktiv, betören mit ihrem Lächeln und stürzen so den Mann ins Unglück.

Superkräfte beim Mann ist stets mit Kraft und Mut und Heldentum verbunden. Die der Frau in erster Linie mit ihrem Aussehen.

Dabei sind die Frauen, die hinter den Supermännern stehen und ihre Heldenumhänge waschen und bügeln, ihren Helden Essen kochen, das Klo putzen und ihre Socken stopfen, doch auch Superfrauen. Hat Wonderwoman einen Mann, der brav zu Hause auf sie wartet, während sie die Welt rettet?

Es ist wie bei Barbie und Ken – sie fährt schick aufgebrezelt mit dem Cabrio durch die Gegend und hütet die Kinderchen, während Ken den tollen Job hat und die Familie versorgt.

Was für ein klischeehaftes Rollenspiel. Und das wird auch heute, im Jahrzehnt der Gleichberechtigung und Emanzipation den nachfolgenden Generationen so suggeriert.

Der Held ist stets männlich. Die Frau sieht wenn, dann gut aus. Sonst taugt sie eher zum Kartoffelschälen und Heldenbewundern.

Tja, ich habe meinen Kindern gesagt, es gibt noch eine Figur. Sie heißt Supermom. Und das weiß ich deshalb so genau, denn das bin nämlich ich.

Oh ja. Ich gebe zu, ich habe lange Jahre gebraucht, bis ich den Supermomumhang gefunden habe. Lange Zeit hielt ich mich nämlich für eine überforderte stets müde Mama, die mit ihrem ewig schlechten Gewissen versucht, die Balance zu halten zwischen Kindererziehung, Haushalt und „wie-finanziere-ich-das-alles-alleine“ Jobs. Ich habe mich jahrelang nur wie die Hälfte eines Paares gefühlt. Mir fehlte eben der Supermann an meiner Seite, der, der die Kohlen aus dem Feuer holt, wenn es brenzlig wird. Und der einfach die Welt rettet, wenn es sein muss.

Leider gab es diesen Supermann aber nicht. Mir ist zumindest niemand begegnet, auf den das zutrifft. Vielleicht war das aber auch nur ein Überbleibsel aus der guten alten Zeit, als ich in meinen pubertären Träumen vom Ritter auf dem weißen Pferd geträumt habe, der mich auf sein Schloss führt und wir leben glücklich bis ans Ende aller Tage.

Stattdessen sah ich mich nach einer gescheiterten Ehe und der zerplatzten Familienidylle in der Rolle der Alleinerziehenden wieder. Wie das schon klingt. Allein-Erziehend. Wobei das „allein“ daran eigentlich das ist, was es so schwierig oder so besonders macht. Ich erziehe nicht nur allein, ich bin es auch. Obwohl ich mich gar nicht allein fühle! Denn ich bin ja stets umgeben von den kleinen Marvelfans und „allein“ ist in so einer Lebensplanung schon Luxus. Allein erziehen mache ich (leider) auch nicht. Gelegentlich taucht ein Exmann auf und mischt sich in die Erziehung ein, aber leider nur, wenn es für ihn von Vorteil ist oder er Ärger machen möchte. Außerdem mischen sich viele Leute, gern ungefragt, ein, wenn ich erziehe. Man bekommt ja gern Erziehungstipps von Menschen, die gar nicht wissen, wie mein Leben und mein Alltag so funktionieren. Aber bitte, auch damit kann ich mittlerweile umgehen. Ich gebe zu, mein Supermomumhang hat mir da sehr geholfen.

Wenn man sich irgendwann bewusst macht, was man als Frau so alles allein schafft. Trotz Rückschlägen und Anfeindungen, trotz schlafloser Nächte und Geldsorgen, trotz des Druckes, stets funktionieren zu müssen, denn ein Ausfallen kann ich mir nicht erlauben, wenn man sich das also alles einmal bewusst macht, dann ist das schon der Anfang eines neuen „Bewusst-seins“.

Wer mir dumm kommt, den frage ich: Wer zahlt meine Rechnungen? Wer versorgt die Kinder? Wer ist Experte für das Befinden selbiger? Und wer steckt in meinen Schuhen? Das bin ja wohl ich. Und wer nicht „ich“ ist, hat mal ganz gepflegt den vorlauten Schnabel zu halten und seine neugierige Nase in die eigenen Angelegenheiten zu stecken.

Und ich lasse mir auch nicht mehr vorschreiben, was ich alles – im Vergleich zu anderen Eltern – zu schaffen habe. Ich habe mein eigenes Tempo, mein eigenes System und wenn ich mal ein bisschen angeben darf: Es funktioniert!

Ja, ja, nicht immer gut und manchmal ist es auch schwer, aufzustehen und die Krone zu richten und manchmal frage ich mich auch, wie ich DAS nun wieder schaffen soll. Aber – am Ende hab ich es irgendwie hinbekommen.

Von daher – ja, ich halte mich durchaus für Supermom! Die „eierlegende Wollmilchsau“, die Frau, die das Wort flexibel, spontan und alltagserprobt auf der Stirn getackert trägt. Und von dieser Supermom gibt es so viele weltweit. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Verhältnissen, sprechen viele Sprachen und sehen alle anders aus. Aber sie eint eine Sache: Sie sind Mütter, die ihr Leben allein meistern. Und ich sage es mal so, natürlich trage ich den Umhang nicht immer. Manchmal bin ich auch an einem Punkt, an dem ich mich nur schwer daran erinnern kann, dass ich ihn habe. Aber, dass werden Viele in anderen Lebenslagen ebenfalls fühlen; dass man manchmal nicht weiß, wo der Weg langgeht oder wie man alles schaffen soll. Und doch, zu wissen, dass man vieles schon bewältigt hat, mobilisiert oftmals neue Kraftreserven.

Wichtig ist nur, sich das bewusst zu machen. Frau neigt ja gern dazu, rückblickend nur das negative zu betrachten. Dabei sollten wir uns vielmehr mit den positiven Dingen beschäftigten, mit den gelungenen Aufgaben, mit den Erfolgen, mit den persönlichen Siegen über unsere Sorgen und Ängste.

Und vielleicht haben Sie ja auch einen „Super-was-auch-immer-Umgang“ im Schrank…

Es grüßt, die Supermom

PS: Warum gibt es darüber eigentlich gar keinen Film??

Das neue Buch von Sabine Christel „Frauen sind anders, aber Mann gewöhnt sich daran“ ist im Buchhandel oder über Amazon erhältlich.

www.sabine-christel.de

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