Liebesschlösser in OWL?

Gibt es in der Region eine Liebesschlossbrücke?

In Köln hängen an den Brücken so viele, daß die Brücken bersten: Liebesschlösser. In München gibt es an der St.Emmeransbrücke auch ein paar Schlösser. Wie sieht das bei uns aus? Ein paar heimlich beim Blick auf die Blitzerflut auf der Autobahn A 2 am Bielefelder Berg – den Kuß im Dunkeln abgegeben – Angekettete?

Bad Oeynhausen beeindruckt vielfältig

 

Aus jeder Sicht eindrucksvoll: Das ehemalige Kurhaus von Bad Oeynhausen

Neuankömmlinge in dieser Region haben immer ein paar Probleme, wenn es um die Aussprache des Namens dieses Staatsbades zwischen Bielefeld und Minden an der Autobahn A2 geht: [ba:t’ʔø:nhaʊzn]. Bad Oeynhausen. Im äußersten Süden des Kreises Minden-Lübbecke gelegen, beeindruckt die Stadt architektonisch mit ihren fast 50.000 Einwohnern vor allem mit dem Kaiserpalais im Kurpark, dem ehemaligen Kurhaus. Mit dem Herz- und Diabeteszentrum (zugeordnet der Universitätsklinik Bochum) und anderen klinischen Einrichtungen hat sich das Staatsbad  einen ausgezeichneten Ruf weit über die Bäderlandschaft Ostwestfalen-Lippes hinaus erworben.

Mit der Landesgartenschau Aqua Magica, die im Jahr 2000 als rund 20 ha großer Landschaftspark in Bad Oeynhausen und dem benachbarten Löhne entstand, schufen die französischen Landschaftsarchitekten Henri Bava und Olivier Philippe mit ihrer Neuanlage eines Parks ein auch heute noch viel besuchtes touristisches Ziel. Besonders beeindruckend ist der Wasserkrater. Eine begehbare, unterirdische Brunnenskulptur und  Station auf der Reise in das „Land des Staunens“. Seit 2009 gibt es auch einen Hochseilgarten, der an Wochenenden und in den Schulferien geöffnet ist.

 

Niveau ist keine Hautcreme

Die Bibel der Sprücheklopfer mit Niveau

Haben Sie mal mitgezählt, wo, wann und wie oft das OWL-Oberzentrum Bielefeld durch den Kakao gezogen wird? Sogar im Büchlein „Niveu ist keine Hautcreme“ von Günther Willen (bei Ullstein) findet sich auf der Seite 120 unter „Reise und Erholung“ der Spruch:

10. Bielefeld gibt es gar nicht.

Gibt es noch so viele Autofahrer, die auf der A 2 am „Bielefelder Berg“ ungeblitzt davonfahren konnten? Diese Stadt ist nämlich berühmt für ihre einmaligen „Autogramme“mit persönlichem Foto und verdient damit Millionen.

Als Bielefeld in den 50ern aus den Nähten platzte

Die erste deutsche Stadtneugründung nach 1945: Sennestadt

Hans-Bernhard Reichow heißt der Architekt, dem das heute zu Bielefeld gehörende Sennestadt seinen Beinamen „Stadtlandschaft“ verdankt. Geboren aus der Situation eines zu Beginn der 50er Jahre – trotz aller Wiederaufbauanstrengungen – aus allen Nähten  platzenden Bielefeld, das mit Baracken und Notunterkünften reichlich bedacht war. Die Vertriebenen, die Flüchtenden, die Heimkehrer und die Ausgebombten strömten in die Stadt unter der Sparrenburg. Bielefeld und der nahe Umkreis war zum bevökerungsreichsten Stadtkreis Nordrhein-Westfalens gewachsen. Die Innenstadt musste dringend entlastet werden. 1954 gab es einen Architekturwettbewerb, den besagter Hans-Bernhard Reichow mit dem Konzept „Stadtlandschaft“ gewann. Sozial verträglich sah es eine Mischung der unterschiedlichsten Wohn – und Gebäudeformen, Straßen und Fußgängerzonen, der Gewerbegebiete und Industrie vor. Nichts wurde dem Zufall überlassen und so entstand  im Südosten auf dem Grund der Gemeinde Senne II die Großwohnsiedlung Sennestadt. Ein Städtebauexperiment, das letztlich sogar internationale Anerkennung fand. Über 20.000 Bielefelder wohnen heute hier. 1973 wurde Sennestadt nach Bielefeld gegen großen Widerstand eingemeindet. Wer auf der Autobahn A2 nach Hannover oder umgekehrt Dortmund fährt, hat sie sicher schon oft bemerkt: Abfahrt Bielefeld Sennestadt.

Die Detmolder

Die Detmolder 1
Winterlich kalte Detmolder. stadteinwärts. Links der Hornbach-Baumarkt

Es war einmal die wohl längste und schlaglöcherigste Straße des Oberzentrums. Man fährt von Detmold, Lage oder auf der Autobahn A2 von Hannover oder Dortmund kommend eine ziemlich lange Strecke, um in die Innenstadt zu gelangen. Oder sie zu verlassen. Jahrzehntelang prägten die Schlaglöcher das Bild der Stadt bei den Autofahrern. Der Zerfall mußte aufgehalten werden, setzte er sich doch von der durchlöcherten Fahrbahn bis in die Bebauung rechts und links der Fahrbahn fort. Heute noch prägen Leerstände und Brachflächen oft das Bild. Aber nach drei Jahren Bauzeit wurde die Detmolder dann fertig.

Leerfläche kann auch Raum für Kunstalternativen bedeuten

Aber jedem (Neu)anfang wohnt ja bekanntlich ein Zauber inne und die neue Detmolder zieht langsam aber sicher wieder Leben an. Das berühmt-berüchtigte „Sieker Loch“ an der Kreuzung mit der Otto-Brenner,-Straße, eine veritable Investitions- und Bauruine, hatte  man schon länger optisch attraktiv bebaut…

An der Kreuzung Sieker

An „Beit Tikwa“ (Haus der Hoffnung), die zur Synagoge umgebaute ehemalige evangelische Paul– Gerhardt-Kirche, hat man sich längst gewöhnt.  Der schlichte weiße Bau passt sich gut ein.

Jüdische Synagoge. Ehemals evangelische Paul-Gerhardt-Kirche

Und das Wohnhaus eines Gewinners des „Perfekten Dinner“ (VOX) gegenüber dem Amts-, Land- und Arbeitsgericht strahlt wieder in frischen Farben.

Das Wohnhaus eines "Perfektes Dinner"-Gewinners

Überhaupt hat die vereinigte Anwaltschaft, die sich unweit des WDR-Sendestudios Bielefeld unterhalb der Sparrenburg angesiedelt hat, doch eine Menge erprozessiertes Honorar in die Auffrischung ihrer Domizile gesteckt.

Aufgefrischte Anwaltskanzlei an der Detmolder

Verl. Die „jüngste Stadt“ Ostwestfalen-Lippes

Paderborner/Bielefelder Straße. Eine Allee

Wer sich Ostwestfalen-Lippes „jüngster Stadt“ Verl (das ist nicht demographisch gemeint, denn die Widukindstadt Enger hat einen Altersdurchnitt von grade mal 40 Jahren)  mit ihren rund 25.000 Einwohnern in fünf Ortsteilen nähert, wird sich auf eine Mecklen- burger Allee versetzt fühlen. Schnurgerade führt die Paderborner, dann Bielefelder Straße durch Wiesen und Weiden unter der Autobahn A2 Dortmund-Bielefeld-Hannover hindurch in den Ort nahe Gütersloh. Eine Umgehungsstraße fängt zwar seit noch nicht langer Zeit einen Teil des ziemlich starken Verkehrs Richtung Paderborn und Gütersloh ab, aber es geht immer noch lebhaft zu rund um die katholische Kirche St. Anna.

Altes Verl: St. Anna

Verl hat eine lebhafte Industrie zu bieten (Beckhoff-Automation, Bertelsmann arvato, Teckentrup, Kleinemas, heroal, Alulux). Die historische Altstadt mit ihren vielen guterhaltenen oder in Renovierung befindlichen Fachwerkhäusern lädt zum Bummeln ein. Die Infrastruktur der Geschäfte reicht vom Einkaufszentrum „Minipreis-Markt“ am alten Bahnhof bis zum modernen „Technik und Design Beckhoff“.

Einkaufszentrum nahe dem alten Bahnhof in Verl
Das moderne "Technik und Design" Beckhoff

Natürlich gibt es auch hier die einen oder anderen Geschäftsräume, die aufgegeben werden oder auf neue Mieter warten. Insgesamt aber stimmt der Branchenmix. Auch das angesagte Thema „Hochzeit“ wird im Schatten von St. Anna von Moden Kleinemas mit exquisiter Mode abgedeckt.

Hochzeitliche Spiegelungen in den Fenstern von Moden Kleinemas in der Sender Straße

Müde Beine, Lust auf Kaffee und ein Stück Kuchen? Dann einfach das Café Klüter in der  Bürmannstraße 10 ansteuern.

Café Klüter, Bürmannstraße 10 in Verl

Ribbecks Birnen, Haus Nottbeck und Oelde

Ribbecks Birnen

Also, das ist jetzt mal ein wenig weiter hergeholt. Aber wenn man über den Tellerrand von OWL schaut, ist das wohl erlaubt. Angrenzende Regionen haben sozusagen auch schöne Kinder, Orte und Ideen. So zum Beispiel der Kreis Warendorf, direkter Nachbar des Kreises Gütersloh und mannigfaltig verbunden und verbandelt. Doch zurück zu Theodor Fontanes „Ribbeckschen Birnen„, die wir im wilden Garten des Gutes Nottbeck (Musik- und Theaterwerkstatt, KulturCafé und Museum für Westfälische Literatur) fanden. Was wiederum den Kreis zum hiesigen Literatur- und Musikfestival schließt, dessen Station im Juni auch das wunderschön restaurierte Gut jenseits der Autobahn A2 war. Von Fontane gab es da ganz sicher schon was zu hören.

Gut Nottbeck bei Oelde

Nicht jeder, der das graue Band der Autobahn A2 nach und von Dortmund ins OWLische befährt, weiß was jenseits des neuen Autohofes (Auffahrt Herzebrock) für eine wunderbar anregende Stille im weiten Hof herrscht. Und welch Geheimnis der verwunschene Garten mit seinen Birnen birgt.

Der neue Autohof bei Oelde an der A2

In Kürze – und jetzt schließt sich der Fontanesche Birnenkreis – werden wir von einer jungen Frau in Oelde erzählen, die aus der Mark Brandenburg stammt, Herrn von Ribbecks Birnen vielleicht sogar im Original kennt und an der Warendorfer Straße eine wundervolle Idee verwirklicht hat.

Ein bekannter Blick auf Bielefeld

Bielefeld. Von der Sparrenburg her gesehen

Wer Besuch von auswärts hat, der auf seinem Weg von und nach Hannover oder Hamburg auf der Autobahn die Abfahrt nach Bielefeld nicht verpasst hat, der hat durchaus Chancen, die Stadt, die es angeblich „nicht gibt“ (Bielefeld-Verschwörung) zu finden. Wenn ihn dann noch Einheimische vollends überzeugen wollen, nehmen sie ihn mit auf den steilen Weg hoch oben auf die Sparrenburg. Dann eröffnet sich der Blick auf die größte Stadt von OWL. Mit 320.000 Einwohnern das Oberzentrum der Region und die aktuelle Nummer 18 der deutschen Großstädte.

Schlossfest in Wendlinghausen

               Hinweise an der A2 auf beiden Seiten

Wer – was man ja immer und besonders am Blitzgewaltigen „Bielefelder Berg“ tun sollte – seine Augen auf der Autobahn nach und von Hannover offen hält, sieht sie, die Hinweisschilder:

Schlossfest in Wendlinghausen 11.06 – 13.06. 2011

Das architektonisch herrliche Weserrenaissanceschloss, (Am Schlosspark, 32694 Dörentrup) um 1616 von Hilmar von Münchhausen erbaut, befindet es sich seit fast dreihundert Jahren im Besitz der Familie von Reden. Diesmal lädt man zum „Pfingstfest“ im Schlosspark ein. Wer sich für Blumen, Pflanzen und das ganze Drumherum des schönen Gartens interessiert, bekommt hier eine Fülle von Anregungen. Wer sich mit einem Video informieren will, kann das hier.

Zeitreise: Porta Westfalica

Autobahn A2 Richtung Hannover, Ausfahrt „Porta Westfalica / Kaiser-Wilhelm“ – Denkmal. Die Straße schlängelt sich links und rechts recht steil abfallend langsam hoch zum Parkplatz an der „Denkmalsgaststätte“. Hoch über Minden und der Stadt Porta Westfalica grüßt eines jener ostwestfälisch-lippischen Monumente aus der Kaiserzeit, an denen die ehemals preußische Provinz reich ist. Tief unten durchbricht die Weser die nördliche Kette der Wesergebirge: Westfälische Pforte (Porta Westfalica). Der Wittekindsberg bildet den Abschluss des Wiehengebirges.

Hier steht es also, das fast 90 Meter hohe Kaiser-Wilhelm-Denkmal. 1896 am 18. Oktober zu Ehren Kaiser Wilhelm I. eingeweiht. Architekt war der Berliner Bruno Schmitz, das sieben Meter hohe Kaiserstandbild stammt von Bildhauer Kaspar von Zumbusch. Die Einweihung war ein Riesenereignis. Im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria sollen dem Festakt an die 20.000 Menschen beigewohnt haben.

Doppelstadt Rheda-Wiedenbrück

Die B64 von Paderborn über Rietberg ist endlos lang. Endlos schnurgerade. Die Schönheiten liegen eher rechts und links der Straße. Kurz vor Wiedenbrück, einem der beiden Ortsteile der Stadt Rheda-Wiedenbrück, macht die Bundesstraße einen kleinen Knick und plötzlich hat man sie vor sich: die verwunschene Fachwerkkulisse Wiedenbrücks.

21.000 Einwohner hat dieser Teil der 1970 zu Rheda-Wiedenbrück zusammenge- schlossenen Doppelstadt, die durch die Autobahn A 2 durchschnitten wird. Besonders die Altstadt mit der Langen Straße, historischem Rathaus und Marktplatz hat ein ge- schlossenes Ensemble sehr gut erhaltener Fachwerkbauten, vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert, zu bieten. 1988 fand in Rheda-Wiedenbrück die Landesgartenschau „Flora Westfalica“ statt. Sie hat mit ihrem verbindenden Charakter entscheidend dazu beige- tragen, die rund 2,5 Kilometer auseinander liegenden Stadtteile zu vereinen und ist immer einen Besuch wert.