Herford ehrt Pöppelmann. Seinen größten Sohn

Ganz nah dem Herforder Pöppelmann-Haus

Der Herforder Kunstverein und das Städtische Museum widmen dem herausragenden Barockbaumeister anlässlich seines 350. Geburtstages eine Doppelausstellung. Von der gestrigen Eröffung bis zum 10. Juni präsentieren sie die „Dresden-Phantasien“ des Grafikers Jochen Stücke und das Kupferstichwerk zum Dresdner Zwinger im Daniel-Pöppelmann-Haus.

Matthäus Daniel Pöppelmann, Oberlandbaumeister und Architekt des Königs, wurde am 3. Mai 1662 in Herford als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. 1957 konnte das Museum seiner Geburtsstadt das Kupferstichwerk zum Zwinger in Basel ersteigern und damit den Grundstein für eine eigene Pöppelmann-Sammlung legen. „Es ist großartig, die kunstvollen Architekturdarstellungen nach zwei Jahrzehnten – sie wurden 1992 zuletzt gezeigt – aus dem Depot holen und gemeinsam mit der Kunstvereins-Ausstellung einem großen Publikum zeigen zu können“, freut sich Museumsleiterin Sonja Langkafel. In einer großformatigen Beamerprojektion werden die Stiche mit heutigen Ansichten des Zwingers kombiniert. Wir wollen so die Besonderheiten der Architektur und die Aussagen ihres Figurenschmuckes sichtbar machen“, sagt der Engeraner Mediengestalter Harald Wurm.

Der Vorsitzende des Herforder Kunstvereins Theodor Helmert-Corvey hebt hervor: „Wir bewahren die Erinnerung an den großen Barockbaumeister seit unserer Gründung 1955.“ Und ergänzt „In diesem Jubiläumsjahr tragen wir hierzu insbesondere durch die Ausstellung eigens dafür entstandener, durch uns initiierter Grafiken des Künstlers Jochen Stücke bei. Und natürlich auch durch die Wiederaufnahme der gemeinsamen Pöppelmann-Feiern mit dem Herforder Verein für Geschichte.“ Seit den 1920er Jahren erforschten geschichtsinteressierte Herforder im damaligen „Herforder Verein für  Heimatkunde“ die Wurzeln Pöppelmanns in der Werrestadt. Sie beteiligten sich auch an den großen Gedenkveranstaltungen für den Hofarchitekten 1936 – dem Jahr der ersten Pöppelmann-Feier – und 1962, die ebenfalls in der Ausstellung beleuchtet werden.

Der Künstler Jochen Stücke,1962 in Münster geboren und heute Professor für Zeichnung, Illustration und Künstlerische Druckgraphik an der Hochschule Niederrhein in Krefeld, befasst sich in seiner 2011 entstandenen Folge „Dresden –Phantasien“ mit den historischen, künstlerischen und literarischen Phänomenen der Stadt an der Elbe. „Ich gehe in meiner Arbeit nicht der Chronologie von Ereignissen nach, sondern betrachte die Dinge unter dem Aspekt der Gleichzeitigkeit. Daraus entsteht ein Gewebe kultureller Dichte, in dem ich ungewöhnliche Verknüpfungen vornehmen kann und traditionelle Sichtweisen hinterfrage“ betont der Künstler. Damit gelingen ihm neue überraschende Interpretationen und historische Festschreibungen werden aufgebrochen. Stücke verarbeitet die Konstellation August der Starke – Pöppelmann – Permoser, die Barockarchitektur (Zwinger, Residenzschloss), die Gemälde in der Galerie Alte Meister und Neue Meister und nicht zuletzt die Kupferstichfolge Pöppelmanns über den Zwinger in der ihm eigenen Art und Weise.

Dem phantasievollen, künstlerischen Umgang mit der Historie stellt das  Städtische Museum die Strahlkraft der historischen Originale zur Seite. Neben dem Kupferstichwerk Pöppelmanns, 1729 von dem Architekten herausgegeben und von der Beamerprojektion 2012 kommentiert, präsentiert das Museum die seltene Silbermedaille zur Karneval- veranstaltung von 1722, die eine Ansicht des Zwingers und Figuren der Commedia dell’ Arte zeigt.

Daniel-Pöppelmann-Haus, Deichtorwall 2, 32052 Herford
Öffnungszeiten: di bis sa 14 –18 Uhr, so 11 – 18 Uhr
Kontakt: 05221/189-689 oder 0160 977 32 964