Altweibersommer von Kurt Tucholsky

 

Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat – dann ist die fünfte Jahreszeit.

Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.

Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.

So vier, so acht Tage – Und dann geht etwas vor.

Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt … , na … na … , und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.

Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.

Foto: Franz-Josef Kohstall

Blauer Schmetterling

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

Hermann Hesse

Foto: Franz-Josef Kohstall

Werte

 

Die guten Dinge des Lebens
sind alle kostenlos:
die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
das Leben für teuer zu halten,
wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
Das kommt vom frühen Erkalten.
Wir genossen nur damals als Kind
die Luft nach ihrem Werte
und Wasser als Lebensgewinn,
und Liebe, die unbegehrte,
nahmen wir herzleicht hin.
Nur selten noch atmen wir richtig
und atmen die Zeit mit ein
wir leben eilig und wichtig
und trinken statt Wasser Wein.
Und aus der Liebe machen
wir eine Pflicht und Last.

Und das Leben kommt dem zu teuer,
der es zu billig auffasst.

Eva Strittmatter

Wer Schmetterlinge lachen hört …

… der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört
von Furcht, die Nacht entdecken.

Der wird zur Pflanze, wenn er will,
zum Stier, zum Narr, zum Weisen.
Und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.

Der weiß, dass er nichts weiß,
wie alle anderen auch nichts wissen.
Nur weiß er, was die andern
und auch er selbst noch lernen müssen.

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört
von Furcht, die Nacht entdecken.

Wer mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben
und ist selbst dann lebendiger
als alle seine Erben.

Carlo Karges

Foto: Franz-Josef Kohstall

Über das Ungelöste im Herzen

 

Und ich möchte dich,
so gut ich kann bitten,
Geduld zu haben gegen alles Ungelöste
in deinem Herzen,
und zu verstehen.
Die Fragen selbst liebzuhaben
wie verschlossene Stuben
und wie Bücher, die in einer fremden Sprache
geschrieben sind.
Forsche jetzt nicht nach Antworten,
die dir nicht gegeben werden können,
weil du sie nicht leben könntest.
Und es handelt sich darum,
alles zu leben.
Vielleicht lebst du dann
allmählich – ohne es zu merken –
eines fernen Tages in die Antwort hinein.

Rainer Maria RILKE
(Briefe an einen jungen Dichter)

 

Foto: Franz-Josef Kohstall

Nah schauen statt fern sehen

Wie siehst Du fern? Kommst Du heim und greifst gleich zur Fernbedienung oder wählst Du bewusst aus, was Dir gut tut? Na???

Die meisten Menschen nutzen das Unterhaltungsprogramm als Ablenkungs- und Schmerzbetäubungsprogramm. Das kann ab und zu mal in Ordnung sein. Siehst Du indes täglich mehrere Stunden fern, und dann vielleicht noch blutrünstige Krimis oder gar Nachrichtensendungen, empfängst Du ungefiltert Unmengen an niedrig schwingenden Energien, die Deinen feinstofflichen Körper vermüllen und Deinen Geist betäuben. Entscheide dich also auch beim Fernsehen für Qualität.

Foto: Franz-Josef Kohstall

Erinnerung an Eden

klee biene

Für die Druiden symbolisierten die Blätter des Wiesenklees die drei ewigen Wahrheiten, Erde, Wasser und Himmel.  Die Zahl Drei zog sich schon immer wie ein roter Faden durch alle Sagen und Legenden. Dreimal mussten die keltischen Beschwörungen aufgesagt werden, auf drei Wegen gelange man, so der Glaube, auf den Weg zur Erleuchtung.

Als der Heilige Patrick von Irland im 5. Jahrhundert seinen Landsleuten die Dreifaltigkeit näherbrachte, verwies er angeblich auf die drei Blätter des Klees.

Seit jeher gilt der Klee als Glücksbringer. In vielen Gegenden wird der Braut ein Kleeblatt in die Schuhe gelegt, auf dass ihr Weg in die Ehe ein glücklicher werde.

Es ist ein besonderer Zauber, der von einem Kleeblatt ausgeht. Eine Legende erzählt davon, dass Eva einst den Klee aus dem Paradies mit auf die Erde brachte – als letzte Erinnerung an den Garten Eden.

Foto: Franz-Josef Kohstall

Herbstbild

 

nebel

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel

Foto: Franz-Josef Kohstall

Septembermorgen

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Im Nebel ruhet noch die Welt. 
Noch träumen Wald und Wiesen: 
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, 
Den blauen Himmel unverstellt. 
Herbstkräftig die gedämpfte Welt 
In warmem Golde fließen.

Eduard Möricke

Foto: Franz-Josef Kohstall

Erinnerung an Eden

 

klee biene

Für die Druiden symbolisierten die Blätter des Wiesenklees die drei ewigen Wahrheiten, Erde, Wasser und Himmel.  Die Zahl Drei zog sich schon immer wie ein roter Faden durch alle Sagen und Legenden. Dreimal mussten die keltischen Beschwörungen aufgesagt werden, auf drei Wegen gelange man, so der Glaube, auf den Weg zur Erleuchtung.

Als der Heilige Patrick von Irland im 5. Jahrhundert seinen Landsleuten die Dreifaltigkeit näherbrachte, verwies er angeblich auf die drei Blätter des Klees.

Seit jeher gilt der Klee als Glücksbringer. In vielen Gegenden wird der Braut ein Kleeblatt in die Schuhe gelegt, auf dass ihr Weg in die Ehe ein glücklicher werde.

Es ist ein besonderer Zauber, der von einem Kleeblatt ausgeht. Eine Legende erzählt davon, dass Eva einst den Klee aus dem Paradies mit auf die Erde brachte – als letzte Erinnerung an den Garten Eden.

 

Foto: Franz-Josef Kohstall

 

 

Glück

Marienkäfer

Das Glück, das glatt und schlüpfrig rollt,
tauscht in Sekunden seine Pfade,
ist heute mir, dir morgen hold
und treibt die Narren rund im Rade.

Laß fliehn, was sich nicht halten läßt,
den leichten Schmetterling laß schweben,
und halte dich nur selber fest;
Du hältst das Schicksal und das Leben.

Ernst Moritz Arndt

Foto: Franz-Josef Kohstall