Keine Langeweile in den Sommerferien

Westfalen-Lippe (lwl). Bald beginnen die Sommerferien – sechs Wochen, die für Kinder und Jugendliche lang werden können. Die Freizeitangebote in den Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) helfen: Zum Beispiel Körbe flechten und Brotbacken im LWL-Freilichtmuseum Detmold oder Herstellung von Cremes aus selbst geernteten Kräutern im Kloster Dalheim, LWL-Museum für Klosterkultur – der Sommer wird abwechslungsreich.

In den Sommerferien gibt es im LWL-Freilichtmuseum Detmold ein abwechslungsreiches Programm für Kinder an. Foto: LWL

LWL-Freilichtmuseum Detmold (Kreis Lippe):
Aktionen von Märchennachmittagen bis hin zu selbst geflochtenen Pflanzkörbchen warten auf die größeren und kleineren Kinder im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Los geht es bereits am eintrittsfreien Freitag vor den Sommerferien (13.7.) um 14.30 und 16 Uhr mit dem Märchennachmittag „Die Kinder aus Bullerbü“. Hier können die Kinder der Geschichte Astrid Lindgrens lauschen. Am darauffolgenden Wochenende (14. und 15.7.) stellen die Kinder jeweils von 15 bis 17 Uhr Seedballs (Saatbälle) her, die zu Hause im Beet oder auf dem Balkon Blumenbeete entstehen lassen.

Das Ferien-Kinderprogramm aus der Reihe „Naturbegegnungen“ startet am Sonntag (15.7.) unter dem Motto „Wilden Bienen muss geholfen werden“. Von 11 bis 14 Uhr können Kinder mehr über die Wildbienen lernen und anschließend Nisthilfen für die Tiere herstellen. Am Dienstag (17.7.) geht es von 14 bis 17 Uhr weiter auf Entdeckertour – „Die Wiese lebt“. Dabei erkunden die Teilnehmer die Wiese mit Becherlupe und Insektenstaubsauger. Einen Tag später (18.7.) dreht sich von 14 bis 17 Uhr alles um die Weiterlesen „Keine Langeweile in den Sommerferien“

Martin war hier

Luthers Leben in Playmobil.

Reformation im Kleinformat: Der Thesenanschlag ist auch in der Miniaturwelt ein großes Ereignis und sorgt für viel Aufsehen.
Foto: Evangelisches Dekanat Biedenkopf-Gladenbach/Klaus Kordesch

Nicht nur etwas für Kinder: vom 29. Juli bis zum 10. September 2017 lädt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim (Kreis Paderborn) dazu ein, bedeutende Orte und Ereignisse aus dem Leben Martin Luthers in einem neuen Format zu entdecken. Unter dem Titel „Martin war hier. Luthers Leben in Playmobil“ zeigen sieben Schauplätze das Leben und Wirken Luthers im Spielzeugformat, darunter eine ein Meter hohe Rekonstruktion der Wartburg mit Lutherstube.

Das Gewitter in einem Wald bei Stotternheim, der Reichstag zu Worms oder der folgenreiche Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg sind Geschichten, die den Mythos um die Figur des Reformators prägen. Auf der Galerie des LWL-Landesmuseums präsentiert die Stiftung Kloster Dalheim sieben davon im Miniaturformat. Maßstabsgetreue Landschaften, Burgen und Figuren stellen wichtige Stationen aus dem Leben von Martin Luther nach. Kaiser Karl V., päpstliche Gesandte und andere Weggefährten begleiten den kleinen Playmobil-Luther durch seine wichtigsten Lebensstationen.

Mehr als zehn Jahre hat der evangelische Pfarrer und Hobby-Bastler Stefan Merz gebraucht, um die historische Miniaturwelt rund um die 7,5 Zentimeter kleine Figur der Spielzeugmarke Playmobil® aufzubauen. Merz brauchte Klebstoff, Feile – und viel Geduld. Allein für die zwei mal drei Meter große Rekonstruktion der Wartburg benötigte Merz zirka 2.000 Bauteile des Spielzeugunternehmens Geobra Brandstätter aus dem fränkischen Zirndorf.

Neben der großen Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ und der Schau im Grünen „Luthers Garten“ ist die neue Studio-Ausstellung ein weiterer Höhepunkt zum 500. Reformationsgedenken im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur.
Eintrittspreise: Erwachsene 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt während der Sonderausstellung frei.

Weitere Informationen unter Telefon 05292 9319-0.
http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

LWL-Einrichtung:
Stiftung Kloster Dalheim
LWL-Landesmuseum
Am Kloster 9
33165 Lichtenau-Dalheim
 Karte und Routenplaner

 

Et labora! Handwerk im Kloster.

Familientag im Kloster Dalheim

Das Mühlrad klappert, der Backofen glüht und die Bienen summen: Am Sonntag (9.4.) lädt die Stiftung Kloster Dalheim zum dritten Mal zum Familientag „Et labora! Handwerk im Kloster“ ein. Zwölf Gewerke lassen von 11 bis 17 Uhr auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Dalheim (Kreis Paderborn) historische Handwerkskunst von der Bäckerei bis zur Zimmerei lebendig werden. Kinder werden bei einem Mitmachprogramm selbst aktiv.

Auch Handwerker machen mal Pause: Für das leibliche Wohl sorgt das Klosterwirtshaus unter der neuen Leitung von Familie Brand.
Foto: LWL/Maria Tillmann

Zum Familientag rund um Bäckerei, Brennerei, Brauerei, Gärtnerei, Imkerei, Mühle, Schäferei, Schmiede, Stellmacherei, Weberei und Zimmerei begrüßte das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur im vergangenen Jahr 2.700 Besucher, darunter 1.000 Kinder.

Neu ist 2017 eine Silberschmiede. Und während die Besucher den Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, gehen Kinder auf Entdeckertour über das Klostergelände und üben sich unter anderem im Korbflechten, Kerzenziehen und Zimmern. Eine Regenvariante des Programms ist vorbereitet.

Geschichte zum Anfassen

Während viele der Handwerkstechniken einst zum Alltag gehörten, sind sie besonders jungen Menschen heute oft nicht mehr geläufig. „Beim Familientag erwachen vergangene Zeiten zum Leben. Kinder und Jugendliche lauschen dem Schleifen des Mahlsteins in der Mühle, machen Bekanntschaft mit kleinen Lämmern, beobachten das Treiben in einem Bienenstock und erfahren so, wo die Dinge des täglichen Gebrauchs wie Mehl, Wolle und Honig überhaupt herkommen“, berichtet Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim.

„Diese Erlebnisse machen die große Faszination des Programms aus“, so Rüschoff-Thale. „Eine solche Veranstaltung ist ein idealer Familienausflug: Kinder und Erwachsene können hier gemeinsam einen ganzen Tag verbringen, zusammen staunen, werkeln und ganz nebenbei auch noch etwas über unsere Geschichte lernen.“

Das Handwerk: Der Herzschlag eines Klosters

„Mit dem Et labora-Tag widmet sich die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur einer wichtigen Facette der klösterlichen Kultur“, führt Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky zu deren Ursprüngen: Neben dem Gebet ernannte der Heilige Benedikt mit dem berühmten „Ora et labora“ (lat.: Bete und arbeite) bereits vor 1.500 Jahren auch die Arbeit zu einem der Grundpfeiler des Klosterlebens.

Heißes Eisen: Werner Keller beeindruckt die Besucher mit seinen Vorführungen in der Dalheimer Schmiede. Foto: LWL/Maria Tillmann

Mit seiner Fülle von Gewerken ist das Kloster Dalheim wie gemacht, um in die Welt des historischen Handwerks einzutauchen. „Mittelalterliche Klöster waren häufig Selbstversorger: Alles Lebensnotwendige stellten die Ordensleute innerhalb der Klostermauern selbst her. Das machte sie von der Außenwelt unabhängig“, erläuterte Grabowsky. So war es auch bei den Augustiner-Chorherren, die sich in Dalheim im 15. Jahrhundert ansiedelten. „Mit ‚Et labora!‘ begeben wir uns auf die Spuren der ehemaligen Bewohner des Klosters, die schon vor mehr als 500 Jahren in Dalheim Hammer und Meißel schwangen. Heute sind es unsere Handwerkerpersönlichkeiten, die diese Aufgabe übernehmen und die Werkstätten und das Klostergelände mit Leben erfüllen,“ so Grabowsky weiter.

Mit dabei sind: Willi Zacharias (Bäckerei), Manfred Peitz (Brauerei), Hermann Zinser (Brennerei), Hermann Brügge-Feldhacke (Försterei), Andreas Bogel (Gärtnerei), Helga Müller (Imkerei), Burkhard Jüstel (Mühle), Roland Brand (Schäferei), Werner Keller (Schmiede), Hans Liekmeier (Silberschmiede), Franz-Josef Mertens (Stellmacherei) und Katharina Vollmerhaus (Weberei).

Seit der Einrichtung der Stiftung Kloster Dalheim LWL-Landesmuseum für Klosterkultur wurden auf dem rund 7,5 Hektar großen Klostergelände immer mehr Gewerke wieder in Betrieb genommen: die historischen Werkstätten von Schmiede und Stellmacherei sowie der große Steinbackofen im Museumsfoyer und zuletzt im vergangenen Jahr die Dalheimer Mühle. Es entstanden eine neue Klosterbrauerei und eine -brennerei. Rund 2,5 Hektar Gartenfläche wurden nach barockem Vorbild neu gestaltet. Im ehemaligen „Sassenhaus“ zogen große Schaftwebstühle und Spinnräder ein. Seit 2014 gibt es wieder Schafe und Bienen auf dem Klostergelände.

Vielfalt klösterlichen Handwerks

Einst entstanden in der klösterlichen Schmiede Hufeisen, Werkzeuge und Reifen für Wagenräder aus der benachbarten Stellmacherei. Im Dalheimer Gewölbekeller wurde Bier gebraut. Die Weberei lieferte Stoff für die Ordenstrachten oder zum Beispiel Betttücher und Servietten. Die Schäferei brachte Wolle und Leder für die Kleidung, Pergament für die Buchproduktion, Fett als Salbengrundlage sowie Fleisch und Milch für die Klosterküche hervor. Heute sind es besonders Brauerei, Brennerei, und Imkerei, die in Dalheim Produkte herstellen. Gewerke wie zum Beispiel die Stellmacherei werden zur Schau betrieben. Die Textilwerkstatt öffnet auf Nachfrage für Gruppen, die dort einen ganzen Tag mit Handarbeiten wir Filzen, Spinnen, Weben oder Stoffdruck verbringen können.

Backen wie vor 200 Jahren: Willi Zacharias am historischen Dalheimer Steinbackofen. Foto: LWL/Maria Tillmann

Mitmach-Programm für Kinder

Zum Et labora-Tag gehört ein umfassendes Programm für Kinder. An insgesamt neun Stationen auf dem Klostergelände ist ihr Einsatz gefragt: Beim Bau eines Fachwerkhauses üben sie sich in der Zimmerei. Danach gehts zum Saatkugelkneten in den Klostergarten. Sie schließen erste Bekanntschaft mit Klosterschafen und -bienen und wickeln kleine weiche Wollschäfchen. Bei der Imkerei geht es ans Kerzenziehen. Kerzenhalter entstehen bei der Schmiede. Kleine Silberschmiede biegen funkelnde Sonnenfänger, und in der Stellmacherei flechten Kinder kleine Körbchen. Leckereien aus dem historischen Steinbackofen steuert die Bäckerei bei.

Für den Transport der in eigener Handarbeit hergestellten Klosterwerkstücke bedrucken die Kinder in der Weberei eine Baumwolltasche.

„Die Kinder setzen sich spielerisch mit den historischen Handwerkstechniken auseinander und erfahren dabei, welche Bedeutung die Gewerke für das Kloster und seine Bewohner hatten“, beschreibt die museumspädagogische Referentin Dr. Christiane Wabinski die Idee hinter dem Et labora-Tag. Am Ende des Tages bekommen Handwerker, die alle Stationen besucht haben, eine kleine Belohnung.

Ein Stück Dalheim für Zuhause

Neben den Handwerksvorführungen und dem Mitmach-Programm für Kinder gibt es auch einige Möglichkeiten, die Dalheimer Produkte zu probieren und mitzunehmen: frisch gebackenes Brot und Kuchen aus dem Dalheimer Steinbackofen, Spirituosen aus der Brennerei, Dalheimer Honig und das hausgebraute Bier. Im Klostergarten ernten die Besucher Samen und stechen überschüssige Stauden, die sie gegen eine Spende mit nach Hause nehmen können.

Rahmenprogramm

Stündlich von 12 bis 16 Uhr gehen kostenlose öffentliche Führungen durch die Klausur und die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“. Um 14.30 Uhr geht es mit dem Förster durch den Dalheimer Wald. Wer möchte, erkundet das Klostergelände und den Ort Dalheim per Pferdekutsche. Für das leibliche Wohl sorgt das Dalheimer Klosterwirtshaus mit einem Verpflegungsstandauf dem Klostergelände. Das Blasorchester Lichtenau rundet das Programm mit musikalischer Untermalung ab.

Förderer

Den Dalheimer Familientag haben die Volksbanken im Kreis Paderborn unterstützt.

Eintrittspreise

Erwachsene zahlen beim Et labora-Tag 6 Euro, Ermäßigte 3,50 Euro. Für Kinder/Jugendliche (6-17 Jahre) sowie Besitzer der LWL-MuseumsCard (auch LVR-Museumskarte) ist der Eintritt frei.

Bei der Teilnahme am Kinderprogramm entstehen Materialkosten von 5 Euro pro Kind.
Ein freier Zugang zum Klosterwirtshaus ist am Et labora-Tag leider nicht möglich.

Programmübersicht

11 bis 17 Uhr
Vorführungen in Bäckerei, Brauerei, Brennerei, Gärtnerei, Imkerei, Mühle, Schäferei, Schmiede, Silberschmiede, Stellmacherei und Weberei

11 bis 17 Uhr
Mitmach-Aktionen für Kinder
Leckereien im Klosterbackofen backen (Bäckerei), Blumensaatkugeln kneten (Gärtnerei), Kerzen ziehen (Imkerei), Kerzenhalter schmieden (Schmiede), Wollschäfchen wickeln (Schäferei), Sonnenfänger biegen (Silberschmiede), Körbe flechten (Stellmacherei), Taschen bedrucken (Weberei), Fachwerkhaus aufbauen (Zimmerei)
Materialkosten von 5 Euro pro Kind

12 bis 16 Uhr
Stündlich kostenlose öffentliche Führungen
durch die Klausur (13 und 15 Uhr) und die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ (12, 14 und 16 Uhr)

13 bis 16 Uhr
Musik auf dem Klostergelände mit dem Blasorchester Lichtenau

13 bis 17 Uhr
Kutschfahrten über das Klostergelände und durch den Ort
Teilnahmekosten: 1 Euro pro Kind, 2 Euro pro Erwachsenem

14.30 Uhr
Kostenlose Försterwanderung
durch den Dalheimer Wald (bitte an festes Schuhwerk und zweckmäßige Kleidung denken)

Stiftung Kloster Dalheim
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau
Telefon: (05292) 9319-0
Fax: (05292) 9319-119
E-Mail: kloster-dalheim@lwl.org
http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Hintergrund
Das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur ist eines der 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Deutschlands einziges Landesmuseum für klösterliche Kulturgeschichte. Es wird gemeinsam vom LWL und der Stiftung Kloster Dalheim getragen und ist beheimatet in dem rund 800 Jahre alten ehemaligen Kloster Dalheim. Ausgehend von der eigenen Geschichte lädt das Haus ein, die Welt der europäischen Klosterkultur zu entdecken.

Luther. 1917 bis heute

Luther in der jüngeren deutschen Geschichte
ab 31. Oktober 2016 im Kloster Dalheim

Lichtenau-Dalheim (lwl). Zum Auftakt des 500. Reformationsgedenkens widmet sich das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, ab 31. Oktober 2016 der Figur Martin Luther in der jüngeren deutschen Geschichte. „War Luther ein deutscher Held, ein Wegbereiter der Nationalsozialisten, ein Fürstenknecht oder erster deutscher Revolutionär? Viele haben sich ihren Reformator zurechtgebogen und ihn sowohl zur Projektionsfläche als auch zur kollektiven Identifikationsfigur gemacht“, so Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Schicksalsfigur: Landrat Manfred Müller, die Vorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Direktor Matthias Löb, die wissenschaftliche Projektleiterin der Ausstellung Stefanie Wittenborg und Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky (v.l.) präsentierten am Montag, 24.10., einen ersten Einblick in die Sonderausstellung "Luther. 1917 bis heute", die am 31.10. für das Publikum öffnet. Foto: LWL/Alexandra Buterus
Schicksalsfigur: Landrat Manfred Müller, die Vorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Direktor Matthias Löb, die wissenschaftliche Projektleiterin der Ausstellung Stefanie Wittenborg und Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky (v.l.) präsentierten am Montag, 24.10., einen ersten Einblick in die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“, die am 31.10. für das Publikum öffnet.
Foto: LWL/Alexandra Buterus

Mehr als 300 Exponate aus 100 Jahren bewegter Geschichte zeigen, was den Reformator bis heute zu einer Schicksalsfigur der Deutschen macht„, sagte Löb bei einer Vorab-Besichtigung der Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ am Montag (24.10.). Die Ausstellung in dem ehemaligen Kloster Dalheim (Kreis Paderborn) steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck. Sie ist bundesweit eine der ersten großen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsgedenken, die größte im Westen Deutschlands, und läuft bis 12. November 2017.

63557100 Jahre Lutherbild im Wandel
Beginnend mit der 400-Jahrfeier der Reformation im Kriegsjahr 1917 über die Zeit des Nationalsozialismus und das geteilte Deutschland bis in die Gegenwart führt die Sonderausstellung ihre Besucher auf rund 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche in sechs Themeneinheiten (Leben und Wirken Martin Luthers, 1917 – 400 Jahre Reformation, Luther im Nationalsozialismus, Luthers Rolle in der DDR, Luthers Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland, Luthergedenken 2017)“ durch die vergangenen 100 Jahre.

Mit den Zeiten wandelt sich auch das Bild des Reformators: Ausgehend von der historischen Person begegnen die Ausstellungsgäste der Figur Luther in völlig unterschiedlichen Gestalten. Ob als Nationalheld des Kaiserreichs oder als sogenannter „deutscher Luther“, den die Nationalsozialisten für ihre Propaganda vereinnahmen, ob als „Fürstenknecht“ oder später als Anführer der „ersten frühbürgerlichen Revolution“ in der DDR: „Immer wieder wird der Reformator von den Obrigkeiten vereinnahmt, werden seine Äußerungen in einen neuen politischen Zusammenhang gesetzt„, erläuterte Löb.

Luther heute
Als Figur auf den politischen Bühnen ist Luther inzwischen weniger gefragt. Heute ist Martin Luther das Aushängeschild der Feierlichkeiten des 500. Reformationsgedenkens. Er erscheint als Verkörperung gesellschaftlicher Tugenden: als Schöpfer der deutschen Sprache, als Vater der Volksbildung und als Mann der Freiheit und Zivilcourage. Luther in den Jahren 2016/17, berichtet die Dalheimer Ausstellung, ist Musical-Star, Gegenstand der Bildenden Kunst, von Literatur und Film. Bei aller Euphorie erfährt die Figur Luther heute aber auch eine kritische Betrachtung.

Exponate
Das Spektrum der rund 300 Exponate reicht von hochrangigen Gemälden (z.B. Lucas Cranachs Porträt des „alten Luther“ oder Uwe Pfeifers Installation „Tischgespräch mit Luther“) über außergewöhnliche zeitgeschichtliche Dokumente bis hin zu Alltagsgegenständen aus den vergangenen 100 Jahren deutscher Geschichte. Hinzu kommen Schaustücke aus der Zeit Martin Luthers: Kinderspielzeug und ein Messgewand aus dem Besitz des Reformators sowie jene Truhe in der der Dominikanermönch Johann Tetzel, dessen Ablasspredigten Luther zu seinen 95 Thesen veranlassten, seine Einnahmen aus dem Ablasshandel sammelte.
Viele der Exponate stammen aus der Bevölkerung und demonstrieren, wie unmittelbar die deutsche Geschichte 400 oder gar 500 Jahre nach den Thesen von Wittenberg immer wieder mit der Figur Luther verknüpft ist: zum Beispiel Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg, Luther-Notgeld aus den 1920er Jahren oder ein Schulaufsatz aus der Zeit des Nationalsozialismus – ein zwölfjähriges Mädchen notiert hier die vermeintlichen Parallelen zwischen Luther und dem Diktator Adolf Hitler. Eine Postkarte aus den 1950er Jahren – unterwegs von Prenzlau in der DDR ins westdeutsche Rheinland -, zeigt Luthers Wirkungsstätte der Bibelübersetzung, die Wartburg, als Symbol der „Einheit Deutschlands“.

Postkarte: Luther von interDuck. Foto: interDuck
Postkarte: Luther von interDuck.
Foto: interDuck

Nachdenken über Luther
Vor dem Hintergrund des Reformationsgedenkens im Jahr 2017 kennzeichnet die Ausstellung den Reformator Martin Luther als eine Figur, die nicht nur der Vergangenheit angehört, sondern auch an die heutige Gesellschaft Fragen stellt: „Wer heute über Luther reden will, sollte auch den Luther unserer Eltern und Großeltern kennen. Die Ausstellung zeigt nicht nur eine historische Figur, sondern auch unseren aktuellen Umgang mit unserem kulturellen Erbe“, so die Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Kloster Dalheim, Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Die Schattenseiten des Reformators
Eine solche Betrachtung der Figur Luther beleuchtet auch die Schattenseiten des Reformators. Im Fokus stehen vor allem Luthers Äußerungen gegenüber dem Judentum und zu den Bauernkriegen. „Auch sie sind immer wieder Thema der Ausstellung, wie sie auch immer wieder Themen der gesellschaftlichen Diskussion insbesondere angesichts des 500. Reformationsgedenkens waren und sind„, erläuterte Löb.

Luther im Nationalsozialismus
Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky: „Erschreckend sind bis heute Luthers zügellose Äußerungen gegenüber den Juden. Diese Passagen lassen sich wie eine Anleitung zu den späteren Pogromen der Nationalsozialisten lesen.“ Aus diesem Grund nutzte das NS-Regime Luthers Aussagen, zum Beispiel in der Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 als Anknüpfungspunkt und ideologische Rechtfertigung seiner Verbrechen. Aber auch NS-Gegner wie Dietrich Bonhoeffer beriefen sich auf Luther. „Auch das gehört zur Projektionsfläche Luther„, sagte Grabowsky.

Luthers Rolle in der DDR
Die Haltung der SED-Diktatur in der DDR zu Luther war zwiespältig. Das religionsfeindliche Regime stand dem Theologen Luther zunächst ablehnend gegenüber, zumal er soziale Bewegungen wie die aufständischen Bauern der Bauernkriege seiner Zeit nicht unterstützte – im Gegenteil. In den 1980er Jahren, unter Honecker, versuchte die SED, Luther zu vereinnahmen und zum ersten Revolutionär zu stilisieren. „Ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt war„, so Grabowsky: „In der Reformation war keine sozialistische Revolution angelegt.“ Was diese Beispiele zeigen, sieht Grabowsky so: „Luther als Mensch des 16. Jahrhunderts ist nicht dafür verantwortlich, was Menschen im 20. Jahrhundert in ihm sehen wollten.“

Förderer
Die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ wird gefördert von der LWL-Kulturstiftung, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Rudolf-August Oetker Stiftung und der Stiftung der Sparkasse Paderborn-Detmold für den Kreis Paderborn.

Kooperation
„Luther. 1917 bis heute“ findet statt in Kooperation mit der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Wissenschaftlicher Beirat
Ein wissenschaftlicher Beirat, bestehend aus Historikern, Theologen, Kirchenhistorikern und Museumsfachleuten, verankert die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ in Wissenschaft und Gesellschaft.

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
Um Familien, Schulklassen und Jugendgruppen den Zugang zu dieser gesellschaftlich relevanten Ausstellung zu erleichtern, haben Kinder und Jugendliche freien Eintritt zur Ausstellung „Luther. 1917 bis heute“.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein rund 450-seitiger Katalog im Ardey-Verlag. Zwölf Beiträge von namhaften Historikern, Theologen, Archäologen und Zeitzeugen machen den Katalog zu einem Nachschlagewerk der Lutherrezeption des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
Der Katalog (ISBN: ISBN 978-3-87023-393-8) kostet 34,90 Euro und ist im Dalheimer Klosterladen sowie im Buchhandel zu erwerben.

Programm zur Ausstellung
Zur Ausstellung wird ein großes Rahmenprogramm von Vorträgen, Thementagen, Kursen und Ferienprogrammen aufgelegt.

Der Vortrag „Alles über Luther“ von Prof. em. Dr. Günter Brakelmann (15.01.) setzt die Biografie des Reformators zu den Fortschritten und Krisen des ausgehenden Mittelalters in Bezug. Prof. Dr. Bernd Beuscher zeigt unter dem Titel „Luther, Reformation, Kommunikation, Medien – Außer Thesen nix gewesen?“ am Beispiel des Reformators Martin Luther die Bedingungen einer theologisch aufgeklärten Nutzung moderner Medien auf (19.02.).

Beim Thementag „Dem Volk aufs Maul geschaut“ (22.01.) z.B. gehen Erwachsene bei einer Sonderführung unter dem Titel „Lästermäuler und Lückenbüßer“ Luthers Redewendungen auf die Spur. Kurse wie eine Druckwerkstatt, ein Bierbraukurs oder ein Kurs zum Kochen mit regionalen Zutaten („Wie bei Luthern“) führen in Luthers Lebenswelt.

Bei den Ferienprogrammen geht es für Kinder von acht bis zwölf Jahren an die Druckerpresse und ans Buchbinden.

Und auch das vierwöchige Kulturfestival „Dalheimer Sommer“ in Juli und August steht 2017 unter dem Motto „Reformation und Gegenreformation“ ganz im Zeichen Luthers.

„Luthers Garten“
Mit „Luther. 1917 bis heute“ setzt das LWL-Landesmuseum auf ein ganzheitliches Ausstellungskonzept, das die gesamte Anlage mit einbezieht. In der Hochphase der Gartensaison eröffnet das Dalheimer Museum Mitte Juni 2017 „Luthers Garten“.
An ausgewählten Stationen in den Dalheimer Klostergärten erinnern dann Texttafeln an den Privatmann Luther, der mit seiner Frau Käthe einen großen Haushalt führte und den Garten des ehemaligen Wittenberger Klosters mit Obstbäumen und Gemüsebeeten zu einem großen Nutzgarten umgestaltete.
Bei ihrem Rundgang durch die Dalheimer Klostergärten lernen Besucher, was „bei Luthern“ in den Garten und auf den Tisch kam: Maulbeeren, Melonen, Kürbisse oder der „Erfurter Riesenrettich“, aber auch Wein und Hopfen zur Bierherstellung.

Dalheimer Lutherbräu
2017 gibt es nach klösterlicher Tradition in Dalheim ein Bier zur Ausstellung. „Das Dalheimer Lutherbräu“ ist ein etwas stärkeres dunkles Bier – 5,2 Prozent -, das sicher auch dem Reformator geschmeckt hätte“, ist sich Grabowsky sicher.

Führungen für Einzelbesucher
Öffentliche Führungen gehen sonn- und feiertags ab 15 Uhr durch die Sonderausstellung (Teil-nahmegebühr pro Erwachsenem: 2,50 Euro zzgl. Museumseintritt).

Führungen für Gruppen
durch die Sonderausstellung, durch die Klostergärten und die Klosteranlage können Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr unter Telefon (0 52 92) 93 19-225 oder per E-Mail unter besucherservice.dalheim@lwl.org gebucht werden.

Informationen zur Ausstellung sowie das gesamte Begleitprogramm unter http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“
Laufzeit: 31. Oktober 2016 – 12. November 2017
Öffnungszeit: täglich außer montags 10-18 Uhr
ganzjährig geöffnet außer 24., 25. Und 31.12.

Eintrittspreise
Erwachsene: 9,00 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro
Kinder und Jugendliche: Eintritt frei
Gruppen ab 16 P.: 7,00 Euro p.P.
Gruppenführungen ab 45,00 Euro

Freier Eintritt am Eröffnungswochenende
Der Eintritt am Eröffnungstag, dem Reformationstag 2016 (31. Oktober) – einem Montag, an dem das Museum ausnahmsweise öffnet – ist frei. Um 13.30, 15 und 16.30 Uhr finden kostenlose öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt.

Kontakt
Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9, 33165 Lichtenau-Dalheim
E-Mail: kloster-dalheim@lwl.org

 

Europas größter Klostermarkt

Wenn Schwester Andrea ihren Weinkeller öffnet, Pater Werner am Grill steht, Schwester Laetitia den Klostergarten plündert und Pater Gerhard sein Kräuterwissen teilt, dann ist im Kloster Dalheim, heute das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Kloster Stiftung Dalheim (Kreis Paderborn), wieder Zeit für Europas größten Klostermarkt.

Gutes so nah: Back- und Süßwaren, Eintopf, Käse und Most gibt es für das leibliche Wohl bei den Benediktinern der Abtei Königsmünster im Sauerland
Gutes so nah: Back- und Süßwaren, Eintopf, Käse und Most gibt es für das leibliche Wohl bei den Benediktinern der Abtei Königsmünster im Sauerland. Foto: LWL/Tillmann

Am Wochenende, 27. und 28. August, kommen Ordensschwestern und -brüder aus 40 Abteien, Stiften und Klöstern in Österreich, Tschechien, Weißrussland und dem gesamten Bundesgebiet ins westfälische Dalheim, um auf dem weitläufigen Klostergelände ihre Waren anzubieten.

Der Klostermarkt gibt seinen Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit, direkt mit der Fülle klösterlicher Kultur in Berührung zu kommen. Hier können sie sehen, hören und schmecken, was Klosterkultur bedeutet und sich mit den Ordensleuten über Gott und die Welt austauschen„, sagte die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim, Dr. Barbara Rüschoff-Thale bei der Vorstellung des Dalheimer Jubiläumsprogramms : „Das ehemalige Kloster Dalheim wird damit zu einem lebendigen Ort des Austauschs über Klosterkultur.“

Edle Tropfen: Wein, Liköre und Produkte nach Hildegard von Bingen gibt es bei den Benediktinerinnen aus St. Hildegard in Rüdesheim. Foto: LWL/Tillmann
Edle Tropfen: Wein, Liköre und Produkte nach Hildegard von Bingen gibt es bei den Benediktinerinnen aus St. Hildegard in Rüdesheim. Foto: LWL/Tillmann

Vom handgebrauten Bier der Schwestern im bayerischen Mallersdorf und den frisch gebackenen Käsestangen der Augustiner-Chorherren aus dem österreichischen Stift St. Florian über Ikonen aus einem Kloster im weißrussischen Minsk, selbstgefertigtem Silberschmuck der Eremitinnen des Heiligen Chariton, Fairhandel-Produkte aus der Abtei Münsterschwarzach, Töpferwaren aus dem Weserörtchen Herstelle bis zu den hölzernen Gartenmöbeln und Kinderspielzeugen aus der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder im oberbayerischen Algasing: „Das Warenangebot auf dem Dalheimer Klostermarkt ist ebenso vielfältig wie die vertretenen Ordensgemeinschaften“, freut sich Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. Immer stünden die Erzeugnisse in der Tradition der Klöster für achtsame Herstellung, außergewöhnliche Qualität, Reinheit und Naturnähe.

Authentische Plattform klösterlicher Lebenskultur

Organisatorin Marianne Rosar von der Stiftung Kloster Dalheim kann sich auch 2016 wieder über die Anmeldungen unterschiedlichster Ordensgemeinschaften freuen: „Die 40 Ordensgemeinschaften entsenden mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter nach Dalheim.“ Viele der Ordensgemeinschaften sind Stammgäste in Dalheim und schon seit der ersten Auflage des Dalheimer Klostermarkts im Jahr 2002 dabei. Sie empfänden den Klostermarkt als authentische Plattform für ihre klösterliche Lebenskultur und Spiritualität, so Rosar. Vor 15 Jahren angefangen mit 40 laufenden Metern Standfläche verteilt sich der Dalheimer Klostermarkt heute mit mehr fast 300 Metern über das gesamte Klostergelände. Immer neue Ordensgemeinschaften und Klöster finden den Weg nach Dalheim. Und sie kommen aus immer weiter entfernten Klöstern: Rund 1.500 Kilometer sind zum Beispiel die Schwestern aus dem Kloster der Heiligen Elisabeth im weißrussischen Minsk unterwegs.

Weite Anreise: Die Schwestern aus dem Kloster der Hl. Elisabeth in Minsk/Weißrussland sind bekannt für ihre Ikonen. Foto: LWL/Tillmann
Weite Anreise: Die Schwestern aus dem Kloster der Hl. Elisabeth in Minsk/Weißrussland sind bekannt für ihre Ikonen. Foto: LWL/Tillmann

 

Geheimtipps

Unter den Waren aus klösterlichem Weinkeller, Brauerei und Brennerei, Klosterwerkstätten und -ateliers befinden sich in jedem Jahr echte Geheimtipps: die handgestrickten Wollsocken der Paderborner Vincentinerinnen, die Teddybären der Schwestern von der Brede in Brakel, die Olivenholzschnitzereien der Karmeliten aus Straubing oder das kulinarische Angebot der Kopten aus Brenkhausen bei Höxter.

Aus Klostergarten und -apotheke

Beliebt bei Besuchern sind insbesondere die Produkte aus Klostergarten und -apotheke: Tees und Tinkturen in der Tradition der Klosterheilkunde nach Hildegard von Bingen bringen die Hildegard-Schwestern aus Rüdesheim mit nach Dalheim ebenso wie die Mönche aus dem österreichischen Stift Schlierbach. Auch die Kräutervorträge von Pater Gerhard, der an beiden Tagen sein Wissen preisgibt, sind echte Fundgruben für Gartenfreunde. Aus seinem Garten im Brunnenhof, einer Filiatur der Abtei St. Severin, im oberschwäbischen Ebenweiler, stammen Hausmittel wie der Muskelbalsam „Roter Phoenix“ oder die „Garten- und Handwerkerseife“. Die Jakobusschwestern aus Paderborn bieten Kräuterkissen an. Frisches Obst aus den Klostergärten ist ebenso zu bekommen wie Marmeladen, Chutneys, Relishs oder Liköre.

Begegnungen: Spiritualität erleben

Beim Klostermarkt im westfälischen Kloster Dalheim zählt aber nicht nur die Warenvielfalt. Das gemeinsame Engagement von Veranstalter und Ordensleuten verleihe dem Markt sein einzigartiges Gesicht, sagt Rosar: „Zum 15. Klostermarkt freuen wir uns besonders über die vielen Beiträge der Ordensleute zum Marktprogramm.“ Neben den Kräutervorträgen gibt Pater Gerhard an beiden Tagen geistliche Impulse (Samstag und Sonntag jeweils um 12 und 14 Uhr) in der Klosterkirche. Pater Werner Vullhorst OSB aus der Abtei Königsmünster in Meschede gestaltet den gemeinsamen Gottesdienst von Besuchern und Ordensleuten am Samstag um 17 Uhr. Bruder Stephan Oppermann kümmert sich um den künstlerischen Blumenschmuck. Er bringt außerdem zwei Installationen (Stühle „Was ist Dein Halt“ und Fernrohre „Kirche im Blickpunkt“) für das Klostergelände mit, die bereits 2015 mit großem Erfolg in Maria Laach gezeigt wurden. Erstmals gestalten Mitglieder der Gemeinschaft der Seligpreisungen (Bad Driburg) eine gesungene Vesper in der Klosterkirche (Sonntag, 15 Uhr). Das City-Kloster Bielefeld kommt mit Kaffee und Kuchen, aber auch mit einem Gesprächsangebot.

Die Ordensleute sind die Seele des Marktes„, sagt Ingo Grabowsky, der sich bei ihnen für die Mühen vor allem auch derjenigen bedankt, die teils lange Anreisen auf sich genommen haben.

Rahmenprogramm

Zum Rahmenprogramm des Klostermarkts gehören Vorführungen historischer Handwerkstechniken wie z.B. Grünholzdrechseln, Weben am Schaftwebstuhl oder Destillieren in der Klosterbrennerei. Klostermühle, -brauerei und -schmiede sind in Betrieb, am Sonntag zusätzlich die Stellmacherei.

In der „Klosterwerkstatt“ flechten Kinder kleine Körbe, die sie selbst bepflanzen. Sie formen Lämpchen aus Ton, die sie mit Wachs ausgießen, und sägen Klosterschafe aus Holz, die sie mit Wolle verzieren (Materialkosten pro Kind: drei Euro). Auf dem Gelände gibt es einen Streichelzoo. Unter Anleitung können Kinder ein kleines Fachwerkhaus aufbauen, und um den Markt für Familien noch attraktiver zu gestalten bietet der DJK-Sportverband, Diözesanverband Paderborn, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr erstmals einen Bewegungsparcours für Kinder ab drei Jahren an – auch Erwachsene können mitmachen.

Am Sonntag erwartet die Besucher Bläsermusik mit dem Ensemble „Reine Blechsache“ auf dem Klostergelände.

Im Eintrittspreis zum Markt enthalten ist auch der Besuch des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur, das an beiden Tagen kostenlose Führungen durch die Klosteranlage, die Klostergärten und die Ausstellung anbietet.

Eintrittspreise
Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder/Jugendliche bis 16 Jahre 1,50 Euro, Kinder bis 10 Jahre frei.
Das Klosterwirtshaus ist, anders als im regulären Museumsbetrieb, während des Klostermarktes nicht frei zugänglich. Der Zugang zum Gottesdienst am Samstag, 17 Uhr, ist frei.
Hunde sind angeleint auf dem gesamten Klostergelände erlaubt – nicht erlaubt sind Hunde im Museum. Weitere Informationen unter Telefon 05292 9319-0.

Hereinspaziert ins Gartenglück

Am Tag der Gärten und Parks ist im Kloster Dalheim der Eintritt frei

Wunderbaum und Teufelskraut: In den Dalheimer Klostergärten gibt es viel zu entdecken. Der Eintritt ist am Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe frei. Foto: LWL/Axel Thünker
Wunderbaum und Teufelskraut: In den Dalheimer Klostergärten gibt es viel zu entdecken. Der Eintritt ist am Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe frei.
Foto: LWL/Axel Thünker

Lichtenau-Dalheim (lwl). Beim westfalenweiten Tag der Gärten und Parks am Wochenende, 11. und 12. Juni, bietet das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur Dalheim unter dem Motto „Hereinspaziert“ ein Programm rund um die Klostergärten an – dazu gehören Gärtnerführungen, historische Spiele und Musik. Der Eintritt ist frei.

Botanische Schatzkarte
Ausgerüstet mit einer kleinen botanischen Schatzkarte geht es für wissbegierige Kinder und neugierige Erwachsene an beiden Tagen durch die rund zwei Hektar großen Gärten des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts. Auf dem großen Parterre im Konventgarten lädt von 14 bis 17 Uhr eine Sammlung historischer Spielgeräte zu einer Pause mit Stelzen, Murmeln, Springseil und Kegeln ein.

Pflück‘ Dein Glück
Inmitten der Blütenpracht warten vierblättrige Kleeblätter von 14 bis 17 Uhr auf ihre Entdecker. Getrocknet und gepresst begleitet der Glücksbringer seinen Finder nach Hause – getreu einer Inschrift aus dem Dalheimer Barock: „Mit Gott als Beschützer, mit dem Glück als Begleiter“.

Gärtnerführung
Um 16 Uhr nimmt Gärtner Andreas Bogel unter dem Motto „Eingewandert“ mit zu den außereuropäischen Pflanzen im Dalheimer Garten, die ihren Weg in heimische Klostergärten fanden.

Das Klosterwirtshaus lädt von 11 bis 17 Uhr zu einer Brotzeit ein.

Sonntag zusätzlich:
Am Sonntag erleben Besucher von 11 bis 15 Uhr beim Boule-Aktionstag des DJK Sportverbands DV Paderborn e.V. Boule inmitten der Dalheimer Klostergärten: Der DJK-Diözesanverband Paderborn bietet die Möglichkeit, diesen Klassiker der Kugelsportarten kennenzulernen. Bei der Variante des Cross-Boccia verlässt das Spiel das klassische Sandfeld: Dank flexibler Spielbälle gibt es keine Hindernisse mehr. Boule- und Cross-Bocciasets sind vorhanden. Die Teilnahme ist kostenlos und auch für Nichtmitglieder möglich.

Die Gärtnerführung findet am Sonntag um 14 und um 16 Uhr statt, und von 14 bis 17 Uhr sorgt die Saxophon-Formation „Saxaholics“ für Musik im Klostergarten mit Liedern von „Von Gartenglück und Wanderlust“. Klosterschmiede und -brauerei sind von 10 bis 17 Uhr in Betrieb.

Eintritt und Kosten
Der Eintritt am Wochenende zum Tag der Gärten und Parks ist frei. Die Teilnahme an einer öffentlichen Führung kostet 3 Euro pro Erwachsenem.

Stiftung Kloster Dalheim
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau
http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur ist eines der 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Deutschlands einziges Landesmuseum für klösterliche Kulturgeschichte. Es wird gemeinsam vom LWL und der Stiftung Kloster Dalheim getragen und ist beheimatet in dem rund 800 Jahre alten ehemaligen Kloster Dalheim. Ausgehend von der eindrucksvollen eigenen Geschichte lädt das Haus ein, die Welt der europäischen Klosterkultur zu entdecken.

„Aus alt mach neu“ im Kloster Dalheim

58385Jedes Jahr ein neues Handy? Klamotten stets im Trend? Kaputtes in den Müll? Es geht auch anders. Im Kloster gehen die Mönche mit allem sorgsam um: Kleidung, Werkzeuge oder Geräte werden gereinigt und gepflegt, Kaputtes repariert.

Im Rahmen der Sonderausstellung „Die 7 Todsünden“ suchen Acht- bis Zwölfjährige beim Herbstferienprogramm im Kloster Dalheim in Lichtenau am Freitag (16.10.) von 10 bis 16 Uhr nach dem verborgenen Sinn im Weggeworfenen. Aus vermeintlichem Müll basteln sie Lampen, Spielzeug, Schatzkisten oder Schmuck. Bei so viel Erfindungsreichtum hat die Todsünde „Habgier“ keine Chance.

Teilnahmegebühr 20 Euro inklusive Material, Mittagessen und Eintritt. Anmeldung bis Freitag (2.10.) unter Telefon 05292 9319-224.

Weitere Informationen unter http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Foto: Andreas Groß, Haltern

Verführerischer Festivalsommer

„Dalheimer Sommer“ begleitet Ausstellung „Die 7 Todsünden“

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Traumhafte Kulisse: Der Dalheimer Sommer bringt Musik und Theater ins ehemalige Kloster Dalheim.              Foto: Andreas Lechtape, Münster

Lichtenau-Dalheim (lwl). „Lasterhaft und tugendreich“ begleitet das Kulturfestival Dalheimer Sommer vom 31. Juli bis 23. August die Sonderausstellung „Die 7 Todsünden“ im Kloster Dalheim (Kreis Paderborn). Sieben Konzerte, eine Rezitation und zehn Aufführungen des Schiller-Dramas „Don Karlos“ führen in die Kulturmetropolen Venedig, Rom und Madrid. Veranstaltungen wie das Picknick-Konzert wollen in der 19. Spielzeit vor allem auch neue Besuchergruppen für das renommierte Festival gewinnen. Der Kartenvorverkauf startet am 10. Juni. Veranstalter sind die Stiftung Kloster Dalheim und der Verein der Freunde des Klosters Dalheim e.V.

Konzertreihe mit Echo Klassik Preisträger
Der Schwerpunkt der Konzertreihe liegt auch 2015 auf den Dalheimer Tagen Alter Musik. Junge Musiker wie der Pianist Gerhard Vielhaber (12.08.) oder das St. Petersburger Playel-Trio (21.08.) sorgen für frischen Wind. Der Südwestfälische Kammerchor unter Leitung von Gerd Weimar kontrastiert Renaissance-Gesänge mit Werken der Moderne, Kompositionen von Orlando di Lasso treffen auf die von Arvo Pärt (15.08.).

Mit dem Ensemble Musica Alta Ripa, das gemeinsam mit der Sopranistin Anna Nesyba in Dalheim gastiert, ist es den Veranstaltern gelungen, einen dreifachen Echo Klassik Preisträger zu verpflichten (02.08.). Das Abschlusskonzert gestaltet das Johann Rosenmüller Ensemble unter Leitung des Intendanten Arno Paduch (23.08.). Die Rezitation von Wolfgang Kühnhold (19.08.) widmet sich Goethes Römischen Elegien.

Ausgezeichnet: Das Ensemble Musica Alta Ripa ist dreifacher Träger des Echo Klassik Preis. Foto: Ensemble
Ausgezeichnet: Das Ensemble Musica Alta Ripa ist dreifacher Träger des Echo Klassik Preises. Foto: Ensemble

Zukunftsfähiges Programm
Gemeinsam mit dem Team der Stiftung Kloster Dalheim arbeitet das Intendanten-Duo daran, das Festival zukunftsfähig zu gestalten. Neue Veranstaltungsformate wollen auch jüngere Besucher und Familien für den Dalheimer Sommer gewinnen. Mit dem Picknick-Konzert des Bassano Ensemble Berlin erobert das Festival erstmals auch die Außenanlagen des Klosters: „Das Freiluftkonzert soll den Klostergarten in einen musikalischen Lustgarten verwandeln“, so Arno Paduch. Die Zuhörer sind eingeladen, es sich auf den Rasenflächen im Garten mit selbstgemachtem Picknick oder Köstlichkeiten aus dem Klosterwirtshaus bequem zu machen. Und auch an den Nachwuchs haben die Festivalmacher gedacht: Karten für Kinder und Jugendliche von sieben bis 16 Jahren kosten seit dieser Saison nur noch den halben Preis.

Premiere: Das Bassano Ensemble Berlin gestaltet das erste Picknick-Konzert des Dalheimer Sommers. Foto: Ensemble
Premiere: Das Bassano Ensemble Berlin gestaltet das erste Picknick-Konzert des Dalheimer Sommers.
Foto: Ensemble

Don Karlos im Schafstall
Ein Klassiker jeder Dalheimer Sommer-Spielzeit ist das Theater. 2015 bringt das 14-köpfige Ensemble der Studiobühne der Universität Paderborn unter Leitung von Dr. Hans Moeller Friedrich Schillers Drama „Don Karlos“ auf die Bühne. Die Handlung spielt im Spanien des 16. Jahrhunderts, in Madrid im königlichen Palast und in Aranjuez, dem Sommersitz der königlichen Familie. Geschichtlicher Hintergrund ist der Konflikt zwischen Spanien und den Niederlanden zur Zeit des spanischen Königs Philipps II. „Die im historischen Gewand vorgestellten Geschehnisse haben an Bedeutung nichts verloren“, erläuterte Wolfgang Kühnhold: „Das große Spektrum der Emotionen – Generationenkonflikt, politisches und privates Kalkül, religiöse Schwärmerei, Freundschaft, Liebe, Hass, Tugend und Laster – hält uns bis heute den Spiegel vor.“ Premiere ist am 31. Juli. Es folgen acht weitere Aufführungen.

Akustik in der Klosterkirche
Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr wird die Akustik der Klosterkirche für die Konzertreihe wieder besonders eingerichtet. Eine sensible Auskleidung mit schalldämmenden Textilien reduziert den langen Nachhall der Dalheimer Klosterkirche.
Ermöglicht wird diese Maßnahme insbesondere durch die finanzielle Unterstützung des Vereins der Freunde des Klosters Dalheim e.V.

Jubiläum: Das Johann Rosenmüller Ensemble feiert mit dem Abschlusskonzert sein 20jähriges Bestehen. Foto: Mathias Marx
Jubiläum: Das Johann Rosenmüller Ensemble feiert mit dem Abschlusskonzert sein 20jähriges Bestehen.
Foto: Mathias Marx

Sponsoren
Unterstützt werden die Festivalmacher von den Volksbanken im Kreis Paderborn, der Kirchenmusikstiftung Ziegler, dem Kreis Paderborn, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der Stadt Lichtenau und Veranstaltungstechnik event:ware.

Karten und Vorverkauf
Der Kartenvorverkauf startet am 10. Juni. Karten sind für 25, 20 und 15 Euro (ermäßigt 22,17 und 12 Euro) erhältlich. Die Karten für das Picknick-Konzert kosten 20 Euro (ermäßigt 17 Euro) bei freier Platzwahl. Die Karten für das Abschlusskonzert (23.8.) kosten 30, 25 und 20 Euro (ermäßigt 27, 22 und 17 Euro). Kinder von 6 bis 17 Jahren zahlen den halben Preis bei allen Veranstaltungen und auf allen Plätzen.

Karten, Info und Programmbestellung montags bis freitags, 9 bis 17 Uhr und an allen Veranstaltungstagen 10 bis 18 Uhr unter Telefon 05292 9319-224 und online unter

http://www.dalheimer-sommer.de

Kontakt
Dalheimer Sommer
Stiftung Kloster Dalheim.
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau-Dalheim

Termine Dalheimer Sommer
Schauspiel
31. Juli, Fr., 19 Uhr Premiere

Friedrich Schiller: Don Karlos
Weitere Termine: 05., 07., 13., 14. und 22. August um 19 Uhr
sowie 09., 16. und 20. August um 16 Uhr(!)

Picknickkonzert
01. August, Sa., 16 Uhr 

Musikalischer Lustgarten
Bassano Ensemble Berlin

Dalheimer Tage Alter Musik
02. August, So., 19 Uhr

Una Festa Veneziana
Musica Alta Ripa – Echo Klassik Preisträger 1998, 2004, 2013
Anna Nesyba – Sopran

08. August, Sa., 19 Uhr
Venezianisches … in Sonderheiten auf Violen zu gebrauchen
Marais Consort

23. August, So., 19 Uhr Abschlusskonzert
Jubiläumskonzert – 20 Jahre Johann Rosenmüller Ensemble
Vesperae Venezianae
Johann Rosenmüller Ensemble

Konzerte
12. August, Mi., 19 Uhr Klavierabend

Sommer-Barcarole
Gerhard Vielhaber

15. August, Sa., 19 Uhr Konzert zu Mariä Himmelfahrt
Salve Regina – Marianische Gesänge von der Renaissance zur Moderne
Südwestfälischer Kammerchor

21. August, Fr., 19 Uhr
Venedig des Nordens – Kammermusik am Hof von St. Petersburg
Playel-Trio

Rezitation
19. August, Mi., 19 Uhr

Goethes römische Elegien
Wolfgang Kühnhold

Hintergrund: Sonderausstellung „Die 7 Todsünden“
Bis 1. November zeigt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur die Sonderausstellung „Die 7 Todsünden“. Erstmals stehen Hochmut, Habgier, Neid, Trägheit, Völlerei, Wollust und Zorn im Fokus einer kulturgeschichtlichen Sonderausstellung. Gezeigt werden 300 Exponate aus 15 Jahrhunderten bis in die Gegenwart: die Versuchung des heiligen Antonius, der gläserne Phallus der Äbtissin, die Galerie des Casanova, Hitlers Globus, Knigges Benimmregeln oder Rudi Dutschkes Lederjacke.

Durch mehr als 1.700 Jahre Kulturgeschichte folgen die Besucher dem schmalen Grat zwischen Tugend und Laster in die Welt der Versuchungen und sehen sich auch mit aktuellen Fragen konfrontiert: Ist Geiz wirklich geil? Kann Zorn heilig sein? Wieviel ist genug? Und macht Neid erfolgreicher? Die Ausstellung erstreckt sich über drei Etagen und 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Auch in der historischen Klausur, der Dauerausstellung und den Klostergärten finden Besucher Spuren der sieben Todsünden.

Die 7 Todsünden

Dalheim (lwl). Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit: Die Geschichte der sieben Todsünden ist so alt wie die Menschheit. Vom 30. Mai bis 1. November 2015  steht die christlich geprägte Lehre der Laster erstmals im Mittelpunkt einer Sonderausstellung. Die Schau „Die 7 Todsünden“ des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur Kloster Dalheim (Kreis Paderborn) zeigt 300 Exponate aus 15 Jahrhunderten bis in die Gegenwart – von der ältesten Niederschrift der menschlichen Laster über deren grausame Manifestation im Nationalsozialismus bis hin zu ihrer modernen Erscheinung.

Ostrakon. Leihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung.  Foto: Sandra Steiss
Ostrakon. Leihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung.
Foto: Sandra Steiss

Die Keramikscherbe des Ponticus

Die Geschichte der Todsünden begann in der Wüste: Auf der Suche nach Gott sollte die karge Landschaft einsiedlerischen Mönchen einen Lebensraum frei von Versuchungen bieten. Doch die Enthaltsamkeit weckte das menschliche Begehren: Die Männer hatten Hunger und Durst, sehnten sich nach Komfort, suchten nach Ablenkungen und hatten erotische Fantasien.

Auch der Mönch Evagrius Ponticus (345-,399) litt wohl unter diesen Begehrlichkeiten. Daraus leitete er schließlich acht große menschliche Schwächen ab: Völlerei, Wollust, Habgier, Zorn, Traurigkeit, Trägheit, Ruhmsucht und Hochmut. Später entstanden daraus die sieben Todsünden.

Die Keramikscherbe, auf der ein unbekannter Gelehrter im 6./7. Jahrhundert Ponticus‘ Lasterlehre wiedergibt, ist mit rund 1.500 Jahren das älteste Exponat der Ausstellung. Das sogenannte Ostrakon ist eine Leihgabe des Ägyptischen Museums in Berlin.

Bruder Werners Nussecken

Lichtenau-Dalheim (lwl). Wenn Schwester Doris am Zapfhahn steht und Bruder Werner seine Nussecken mitbringt, dann ist Zeit für Europas größten Klostermarkt, zu dem das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, am Samstag und Sonntag (24. und 25. August) nach Lichtenau (Kreis Paderborn) einlädt. Zum zwölften Mal bieten Brüder und Schwestern aus rund 40 Stiften, Abteien und Klöstern jeweils von 10 bis 18 Uhr ihre Waren auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Augustiner an. Die Ordensleute kommen aus Weißrussland, Tschechien, Österreich und dem gesamten Bundesgebiet. „Es ist wieder die gesamte europäische Klosterwelt zu Gast“, freute sich Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag (22.8.).

Ort der Begegnung: "Der Markt ist für uns eine authentische Plattform, um die klösterliche Spiritualität, aber auch ganz pragmatische Lebenskultur zu transportieren", sagt Pater Werner (rechts). Der Benediktinerpater aus der Abtei Königsmünster gehört zu den Urgesteinen des Dalheimer Klostermarkts.  Foto: LWL/Tillmann
Ort der Begegnung: „Der Markt ist für uns eine authentische Plattform, um die klösterliche Spiritualität, aber auch ganz pragmatische Lebenskultur zu transportieren“, sagt Pater Werner (rechts). Der Benediktinerpater aus der Abtei Königsmünster gehört zu den Urgesteinen des Dalheimer Klostermarkts.
Foto: LWL/Tillmann

Ob handgebrautes Bier von den Schwestern im bayerischen Mallersdorf, Käse und Most aus der Benediktinerabtei Königsmünster im Sauerland, frisch gebackenes Brot der Augustiner-Chorherren aus dem Stift St. Florian in Österreich, Ikonen aus einem Kloster im weißrussischen Minsk, selbst gefertigter Silberschmuck der Eremitinnen des Hl. Chariton, exotisch anmutende Waren der Missionsschwestern aus Neuenbeken, die Blumengestecke der Benediktinerinnen aus Herstelle oder hölzerne Gartenmöbel und Kinderspielzeuge der Barmherzigen Brüder von Algasing: Das Warenangebot auf dem Dalheimer Klostermarkt ist ebenso vielfältig wie die vertretenen Ordensgemeinschaften.

Eines haben sie jedoch gemeinsam: Immer stehen die Erzeugnisse der Ordensleute in der Tradition der Klöster für achtsame Herstellung, außergewöhnliche Qualität, Reinheit und Naturnähe. Dabei spielt das Handwerk eine große Rolle: „Ob Brot und Wein, Wurstwaren, Käse und Marmeladen, Teemischungen und Säfte, Balsame und Seifen, Handarbeiten, Keramik und Schmiedewaren – alles wird sorgfältig und oft per Hand gefertigt“, sagte Kirsch mit einem Hinweis auf die Benediktregel, die schon vor 1.500 Jahren die Arbeit zu einer der Grundfesten des Klosterlebens machte.

Pflichtprogramm: Ein Bier oder eine Limonade von Braumeisterin Sr. Doris von den Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie aus Mallersdorf gehört zum Dalheimer Klostermarkt dazu. Das findet auch Pater Werner aus der Abtei Königsmünster.  Foto: LWL/Tillmann
Pflichtprogramm: Ein Bier oder eine Limonade von Braumeisterin Sr. Doris von den Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie aus Mallersdorf gehört zum Dalheimer Klostermarkt dazu. Das findet auch Pater Werner aus der Abtei Königsmünster.
Foto: LWL/Tillmann

„Selten ist ein Markt so authentisch wie der Dalheimer Klostermarkt“, erläutert Marianne Rosar: „Die Besucher kaufen direkt vom Produzenten. Was hier angeboten wird, ist selbstgehäkelt, selbstgebacken oder selbstgebraut.“

Viele der Ordensgemeinschaften sind Stammgäste in Dalheim. Sie empfinden den Klostermarkt als authentische Plattform für ihre klösterliche Lebenskultur und Spiritualität. Dafür nehmen sie weite Wege in Kauf: Die Schwestern der Hl. Elisabeth aus Minsk sind zum Beispiel knapp zwei Tage unterwegs, bevor sie ihre Ikonen und Devotionalien in Dalheim präsentieren können. Nach fünf Jahren Abstinenz werden 2013 die Hildegard-Schwestern aus Rüdesheim mit ihrem berühmten Wein, den klösterlich-schokoladigen Hildegard-Keksen und Dinkel-Produkten in der Tradition der mittelalterlichen Äbtissin und Ernährungsexpertin Hildegard von Bingen zu Gast sein.

Traditionsgemäß steht beim Dalheimer Marktgeschehen der persönliche Kontakt zwischen Ordensleuten und Besuchern im Mittelpunkt, die sich sowohl am Verkaufsstand wie auch beim gemeinsamen Gottesdienst (Samstag 17 Uhr, Zelebrant: Pater Martin Lütticke OFM, Franziskanerkloster Wiedenbrück) begegnen.

Gutes für Leib und Seele: Ordensleute aus rund 40 Klöstern, Stiften und Abteien in Österreich, den Niederlanden, Tschechien, Weißrussland und der gesamten benachbarten Region zeigen beim Dalheimer Klostermarkt, welche Kostbarkeiten in ihren Küchen, Kellern und Werkstätten entstehen. Seit Beginn mit dabei sind die Vincentinerinnen aus Paderborn.  Foto: LWL/Tillmann
Gutes für Leib und Seele: Ordensleute aus rund 40 Klöstern, Stiften und Abteien in Österreich, den Niederlanden, Tschechien, Weißrussland und der gesamten benachbarten Region zeigen beim Dalheimer Klostermarkt, welche Kostbarkeiten in ihren Küchen, Kellern und Werkstätten entstehen. Seit Beginn mit dabei sind die Vincentinerinnen aus Paderborn.
Foto: LWL/Tillmann

Vielfältiges Rahmenprogramm
Bis zu 15.000 Besucher aus der Region und dem gesamten Bundesgebiet kommen jedes Jahr zum Dalheimer Klostermarkt, der nicht nur mit seinen außergewöhnlichen Produkten große Anziehungskraft ausübt, sondern auch aufgrund seines Rahmenprogramms.

Es gibt Vorführungen historischer Handwerkstechniken wie z. B. Grünholzdrechseln, Schmiedekunst, dem Weben am Schaftwebstuhl sowie am Sonntag dem Schaubrauen in der museumseigenen Brauerei.

Kinder filzen im Spiele-Paradies Bälle, basteln Murmelharfen, Kreisel aus Holz und Spielzeug aus Ton und probieren historische Kinderspiele (Materialkosten pro Kind: 3 Euro).

Am Sonntag erwarten die Besucher in der Klosterkirche meditative Klänge vom Musikinstrument Hang mit Rainer Galota und klassische Bläsermusik mit dem Ensemble „Brass in 5“, bestehend aus Studierenden und Absolventen der Folkwang Universität Essen.

Im Eintrittspreis zum Markt enthalten ist der Besuch aller Ausstellungen des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur, das an beiden Tagen kostenlose Führungen durch die Klosteranlage, die Klostergärten und die Sonderausstellung anbietet.

Am Samstag, 24. August, findet um 17 Uhr ein Gottesdienst unter freiem Himmel (bei schlechtem Wetter in der Klosterkirche) statt. Der Zugang zum Gottesdienst ist frei.

Eintrittspreise
Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder/Jugendliche bis 16 Jahre 1,50 Euro, Kinder bis 10 Jahre frei.

Das Klosterwirtshaus ist, anders als im regulären Museumsbetrieb, während des Klostermarktes nicht frei zugänglich.

12. Dalheimer Klostermarkt

Handwerk steht im Mittelpunkt des 12. Dalheimer Klostermarktes, der am 24. und 25. August 2013 in der Stiftung Kloster Dalheim LWL-Landesmuseum für Klosterkultur stattfindet.

Kloster Dalheim
Kloster Dalheim

41 Klöster, Abteien und Stifte bieten in diesem Jahr ihre vielfältigen, meist handwerklich gefertigten Klosterwaren auf Deutschlands größtem Klostermarkt an: die Produktpalette reicht von Brot, Wein, Bier, Wurst und Käse über Handarbeiten, Töpferwaren, Schmuck, Devotionalien bis hin zu Schmiedearbeiten.

Stiftung Kloster Dalheim
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau

„Bella Block“ im Kloster Dalheim

Am kommenden Samstag:Kloster Dalheim
Am kommenden Samstag:Kloster Dalheim

Sie ist eine der bekanntesten deutschsprachigen Film- und Theaterschauspielerinnen: Hannelore Hoger. So richtig bekannt gemacht aber hat sie ihre TV-Rolle als eigensinnige, eigenständige, unverwechselbare und nachhaltig präsente Figur der „Bella Block“. P1060574 Hannelore HogerDie vielfach Ausgezeichnete  wird am kommenden Samstag im Rahmen des Literatur- und Musikfestivals „Wege durch das Land“ um 18 Uhr im Kloster Dalheim aus dem Roman „Das Buch von der Stadt der Frauen“ von Christine de Pizan lesen.  Stile Antico, eines der aufregendsten Vokalensembles aus Großbritannien, präsentiert „Die Goldene Zeit der europäischen Chormusik“.

http://www.wege-durch-das-land.de

Europas größter Klostermarkt in Dalheim

Markt in Kloster Dalheim

Mehr als 40 Ordensgemeinschaften aus Europa, 90 Verkaufsstände, 15.000 bis 20.000 Besucher, vier Wochen Aufbauzeit und ein Warenangebot von Bier und Bränden über Gewürze und Tees bis hin zu Handarbeiten, Schmuck und Devotionalien – das sind einige der Kennzahlen von Europas größtem Klostermarkt, der jährlich am letzten Augustwochenende auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Dalheim, der heutigen Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur (Kreis Paderborn), stattfindet.

Was in Klosterküchen, -kellern und -werkstätten an Kostbarkeiten entsteht, das erleben die Besucherinnen und Besucher des Dalheimer Klostermarkts am 25. und 26. August von 10 bis 18 Uhr. Möglich wird diese Großveranstaltung auch durch den Einsatz von zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projektes „Bürgerarbeiter als Kulturarbeiter“, das das Jobcenter Kreis Paderborn, die Paderborner Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit e.V. (Pigal e.V.), der Kreis Paderborn und die Stiftung Kloster Dalheim gemeinsam realisiert haben.

Andrea Sawatzky liest in Kloster Dalheim

Kloster Dalheim im Süden von OWL: Weitläufige Anlage mit Wurzeln aus dem 12. Jahrhundert

Das diesjährige Literatur – und Musikfestival „Wege durch das Land“ Ostwestfalen-Lippe kommt am Samstag, 16. Juni an einen der magischsten Orte der Region. Unten im Süden, in Lichtenau ist die ehemalige Augustinerabtei als Idealbild einer großen mittelalterlichen Klosteranlage ein auch heute noch als LWL-Museum vielbesuchtes Ziel. Mehr zum Programm gibt es hier.

Soap’n Stone beim Gartenfest und bei der Landpartie

Pflegende und zugleich dekorative Seifen, hergestellt auf pflanzlicher Basis, duftende Körper-Peelings mit natürlichen Ölen, dazu Schmuck aus echten Edelsteinen. Das alles bietet die Firma Soap’n Stone aus Schloss Holte-Stukenbrock.

Henrica Haufe-Vievering inmitten von duftenden Seifen

Zu finden am kommenden Wochenende auf den folgenden Märkten:

Gartenfest Kloster Dalheim vom 28. April bis zum 1. Mai 2012
Landpartie Bad Pyrmont, ebenfalls vom 28. April bis zum 1. Mai 2012.

Die Karwoche

Blick in den Innenhof von Kloster Dalheim

Die Karwoche hat mit dem gestrigen Palmsonntag begonnen. Zeit, ein wenig von der Hektik abzurücken und einmal über die Begriffe dieser Tage nachzudenken. So wie es bis zur Säkularisierung die Mönche im Kloster Dalheim bei Lichtenau taten.

Österliches Symbol: der Hase

Was wissen wir heute noch über die Osterzeit? Bei Christen ist es die Leidenswoche Christi zwischen Palmsonntag und Ostern. Wenn wir von der Karwoche sprechen, meinen wir die Trauerwoche mit Karmontag (blauer Montag), Kardienstag (blauer Dienstag), Karmittwoch, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag. Karfreitag soll an die Kreuzigung, den Tod und die Beisetzung Jesu erinnern und ist damit im Christentum ein Trauertag (Kar =  althochdeutsch für Trauer). Gründonnerstag erinnert an die Verurteilung Jesu, denn „greinen“ kommt aus dem Hochdeutschen und bedeutet „weinen“.

Grün: Von Greinen=Weinen. Kar: Von Kara (althochdeutsch) für Trauer

Ort der stillen Einkehr in der Karwoche: Kloster Dalheim

Bei Bauernhofeis im österlichen Kloster Dalheim

Bauernhof-Eis aus Willebadessen. Frisch vom Lande

Die nette Dame mit dem Bauernhofeisstand aus Willebadessen mitten auf dem riesigen Gelände der LWL-Stiftung Kloster Dalheim hatte durchaus recht, als sie uns die Doppelkugeln auf die Hörnchen schob: „Bauernhofeis-Eis aus frisch gemolkener Milch“. Oh ja, es schmeckte. Das Eis hätten sicher auch die Augustiner heimlich geschleckt, die damals die Klosteranlage bewohnten. Warum aber die Menschen nur „gestempelt“ Eintritt erlangten, mag mit den etwas rustikaleren Sitten oder dem aktuellen Dalheimer Ostermarkt am heutigen Sonntag im tiefen alten Süden Ostwestfalen-Lippes zu tun haben.

Gestempelt über den Dalheimer Ostermarkt

Nun denn. Der Himmel strahlte blau. Viel Volk hatte den Weg in die Nähe von Lichtenau, ein Stück Weges hinter Paderborn, gefunden. Galt es doch neben Speis und Trank viel Kunsthandwerk und eben den gewissen Zauber dieses sakralen Ortes zu genießen.

Eindrucksvoll: Stiftung Kloster Dalheim

„Also irgendwie spüre ich aber hier keine Energien“, meinte die Herausgeberin von „Living in OWL“ lakonisch. Ließ sich aber von der männlichen Begleitung nicht abhalten, im Klosterladen diesen Tee zu kaufen.

Tee aus dem Klosterladen von Dalheim.

Hiesige LWL-Museen gut besucht

Über 1,2 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) besucht. „Entgegen dem bundesweiten Trend von sinkenden Besucherzahlen haben wir mit dem Jahr 2011 zum vierten Mal in Folge die 1,2 Millionen-Marke überschritten. Das zeigt, dass wir auch in 2011 ein interessantes, gutes und ausgewogenes Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm vorgehalten haben, das auf ein ungebrochenes Interesse der Besucher gestoßen ist. Hierbei war es uns besonders wichtig den Inklusionsgedanken zum Beispiel durch gebärdendolmetscherunterstützte Führungen für Hörgeschädigte und die Folgen des demographischen Wandels bei der Programmgestaltung, der musealen Infrastruktur und den begleitenden Service weiter auszubauen“, so die LWL-Kulturdezernentin Frau Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Für den Bezirk OWL Ostwestfalen-Lippe sehen die Besucherzahlen so aus:

Einen Besucherrekord meldet die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur. Insgesamt ließen sich im Jahr 2011 über 75.000 Besucher vom Flair des Museums inspirieren (2010: 55.000). Mit zu diesem Erfolg hat die Sonderausstellung „Macht des Wortes“ beigetragen.

Etwas weniger Besucher als im Vorjahr zählte das Ziegeleimuseum Lage (Kreis Lippe). 32.500 Menschen (Vorjahr 35.000) unternahmen eine Reise in die Geschichte der Ziegelherstellung und der Wanderziegler aus dem Lipper Land. Sehr gut besucht waren im letzten Jahr die Produktionstage sowie der traditionelle Töpfer- und der Weihnachtsmarkt.

Der verregnete Sommer, der viele Radfahrer und Tagesgäste von Fahrten zu den Ausflugszielen im Kreis Minden-Lübbecke abhielt, schlug sich in der Bilanz der Glashütte Gernheim in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) nieder: Mit knapp 20.000 (Vorjahr 21.000) Besuchern musste das Glasmacherdorf an der Weser leichte Einbußen hinnehmen. Im Jahr 2012 feiert die Glashütte Gernheim übrigens ihr 200-jähriges Jubiläum.

Für das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn mit seinen beiden Sonderausstellungen „Schätze des Mittelalters“ und „Bunte Schätze“ interessierten sich knapp 21.500 Museumsfreunde (2010: 28.500).

Einen guten Schritt voran machte das LWL-Freilichtmuseum Detmold. Mit über 186.000 Besuchern kamen rund 10.500 (plus sechs Prozent) mehr ins Museum als im Vorjahr (175.500). „Ein beachtlicher Erfolg“, so Rüschoff-Thale.

Stiftung Kloster Dalheim

Ehem. Kloster Dalheim. Pastell auf grobem Leinen. (Künstler unbekannt)

In einer Zeit, die Hektik, Stress und „keine Zeit haben“ zu einem ihrer wichtigsten Kriterien erhoben hat, tut es gut, einmal in den so ganz anderen Alltag eines Klosters einzutauchen. Das heutige „Museum für Klosterkultur“ in Lichtenau-Dalheim zeigt noch bis 30. Dezember die Sonderausstellung „Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas“. Vor dem Hintergrund des achten deutschen Papstes, Benedikt XVI. ein sehr interessanter Blick auf einen der wichtigsten Orden und sein Wirken.

Ein Besuch des seit eh und je für seine gute Küche bekannten „Klosterwirtshaus“ und des „Dalheimer Advent“ (Termine hier) geben ebenso einen Einblick in das ehemalige Kloster wie die eigene Brauerei und den beeindruckenden Klostergarten.

Rom. Aufgerollt.

Ungewöhnliche Dimension: Die sieben Meter lange "Tabula peutingeriana" in der Dalheimer Sonderausstellung "Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas". Foto: LWL/Tillmann

Sie ist knapp sieben Meter lang und nur 34 Zentimeter breit, und doch zeigt sie das gesamte römische Reich: Eine antike Straßenkarte steht am Dienstag, 8. November, im Mittelpunkt des Werkstattgesprächs „Dalheimer Kunst-Stück“ im ehemaligen Kloster Dalheim (Kreis Paderborn), dem LWL-Landesmuseum für Klosterkultur. Die Dalheimer Sonderausstellung „Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas“ zeigt einen rund 300 Jahre alten Nachdruck der nach Konrad Peutinger, einem ihrer Besitzer, benannten „Tabula Peutingeriana“.

Die Karte verzeichnet 555 Ortsangaben und 3.500 weitere geografische Besonderheiten des römischen Reichs, viele bis heute bekannt. Das Original der Karte stammt aus der Spätantike. Sie war ursprünglich aus zwölf Pergamentblättern zusammengeklebt und wurde zur Aufbewahrung aufgerollt. Im 12. Jahrhundert wurde sie vermutlich in der berühmten Schreibstube des Benediktinerklosters auf der Bodenseeinsel Reichenau kopiert. Das Original ging verloren. (LWL)