Gartenlust & Landvergnügen auf Schloß Ippenburg

Gartenlust & Landvergnügen auf Schloss Ippenburg
Gartenlust & Landvergnügen auf Schloss Ippenburg

„Gartenlust & Landvergnügen“, 20. – 23. Juni,  ist das größte der drei Ippenburger Festivals. Es ist der Höhepunkt der Ippenburger Gartensaison und es ist die Zeit, in der die Ippenburger Gärten am Schönsten sind.

Was ist eigentlich „Landlust“?

Roter Mohn entlang der Queller Straße

Der letzte Zipfel der Großstadt Bielefeld endet kurz hinter dem Vorort und Brackweder Ortsteil Quelle. Schon in Obersteinhagen sollte man sie also atmen können, die Landluft. Hieß es nicht früher, „Stadtluft macht frei“?  Aber das war wohl anders gemeint. Aus Siedlungen rund um Burgen – die Sparrenburg beispielsweise – und Klöster – Dahlheim im Paderborner Land etwa – , die ab dem 11. Jahrhundert von freigekauften Leibeigenen und anderen Angehörigen des 3. Standes gegründet wurden, entstanden neben den alten römischen oder auch germanischen Gründungen weitere Städte. Dabei setzten sich immer mehr Leibeigene in die Städte ab, wo sie für ihre Grundherren zumeist unauffindbar waren. So wurde es Rechtsbrauch, dass ein in einer Stadt wohnender Unfreier nach Jahr und Tag nicht mehr von seinem Dienstherrn zurückgefordert werden konnte und somit ein Insasse (auch Stadtbewohner) wurde. Wenn der Dienstherr aber mit sieben Zeugen beweisen konnte, dass der Leibeigene sein Eigentum sei, musste er ihm wieder dienen. Diese Regelung wurde durch das Statutum in favorem principum zugunsten der Fürsten aufgegeben. Heute sind unterschiedliche Strömungen zu beobachten. „Mit dem Niedergang der Holz – und Möbelindustrie ist in unserer Gegend kaum noch etwas los“, sagt zum Beispiel Silvia Pollmann, Wirtin des „Leopoldstaler Hof“ im Staatsbad Horn-Bad Meinberg. Leerstände und Geschäftsaufgaben sind in der großen und kleinen Städten, aber auch in den Gemeinden an der Tagesordnung. Ulrich Welpinghus, Bäcker und Konditor des seit 1770 bestehenden Unternehmens sagt: „Die Geschäftswelt hat schwer zu kämpfen in Borgholzhausen und Steinhagen. Die Verbraucher haben heute ganz andere Einkaufs- und Konsumgewohnheiten. Man muss ideenreich und kreativ sein“.

Der Gemüsehof Ströhen

Eine, die mit ihrem „Gemüsehof Ströhen“ durchaus vom Trend profitiert, mehr und mehr Produkte aus der Region ganz frisch zu kaufen, ist  Kornelia Wölki. Am Sonntag, 3. Juni, gibt es am Steinhagener Rathaus ab 11 Uhr einen „Umweltmarkt“ mit dem Schwerpunkt Ernährung. Ulrich Welpinghus wird mit seinem mobilen Backofen demonstrieren, wie gut sein Brot aus Produkten der Region schmeckt. Vielleicht spüren wir da, was „Landlust“ ausmacht?

„Wege durch das Land“ auf Gut Geissel

Kornblumen in Überfülle säumen die Kornfelder

Nirgends wohl auf den „Wegen durch das Land“ vermittelt ein Ort schon bei der Anfahrt auf schmalen mäandernden Wegen durch blaublumig gesäumte Kornfelder, Hecken und Wege unter den vielen grandiosen Anmutungen der Schlösser, Wasserburgen und historischen Stätten so viel Landlust, ländliche Intimität und Nähe wie die in elfter Generation im Besitz der Familie Geissel befindliche Hofanlage bei Langenberg.  Gestern Abend nun genoss eine an Zahl überschaubare „Menge“ Literatur- und Musikinteressierter eine wahre „Landpartie“. Im ersten Teil Katharina Hackers Lesung aus ihrem Buch „Dorfgeschichten“ und „Überlandleitungen“, einer Sammlung von Gedichten in klarer. schnörkelloser Sprache.

Bücher, aus denen auf Gut Geissel gelesen wurde
Matthias Brandt und Katharina Hacker

Man fühlte sich einfach wohl in der fast familiären Atmosphäre, bewunderte den schwarzen Hofhund, der freundlich wedelnd von langem Tisch zu Tisch ging, lachte über die Situationen, die manchmal kippelnde Sitzbänke verursachten und war erstaunt über einen der noch jungen Söhne der Familie Geissel. Hatte der wirklich noch junge „Mann“ doch neulich mit dem Trecker Mitarbeiter eines Stromkonzerns aus dem Graben gezogen, in den sie nahe dem Gut gebrettert waren. Kein Wunder, dass der mit dem Grimme-Preis, Bambi, Deutschem Hörbuchpreis, Bayerischem Fernsehpreis und der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnete Schauspieler Matthias Brandt sichtlich vergnügt-entspannt über den Innenhof schlenderte und nach der Pause locker seine Lesung begann.

Pause bei „Wege durch das Land“ auf Gut Geissel

Wahre Lachsalven erntete der Vorleser auf dem Podium der eng bestuhlten Deele mit den Schilderungen „der Droste“ von Münsterländern, Paderbornern und Sauerländern:

In den „Schilderungen“ der Droste kommen die Münsterländer ausgesprochen günstig weg. Die Menschen des Sauerlandes und des Märkischen Landes hingegen kritisiert sie als kühl berechnend und ehrgeizig, als aufgeklärt und in Dingen der Moral und des Glaubens als gleichgültig oder lasch.

Am schärfsten ging die Droste mit dem Paderborner Land ins Gericht. Sie kannte Land und Leute durch die Familie ihrer Mutter, die aus dem einflußreichen Paderborner Adelsgeschlecht von Haxthausen stammte.

Die Menschen seien verschlagen, listig, dem Alkohol ergeben und „in ihrer Verwahrlosung dem Aberglauben zugeneigt“, urteilt die Dichterin über die Bevölkerung des Paderborner Landes. An anderer Stelle schreibt sie: jeder Groschen, den der Münsterländer sorglich zurücklegen, der Sauerländer in irgend ein Geschäft stecken würde, wird hier“ – im Paderborner Land – „am liebsten von dem Kind der Armuth sofort dem Wirthe und Kleinhändler zugetragen, und die Schenken sind meist gefüllt mit Glückseligen, die sich einen oder ein paar blaue Montage machen, um nachher wieder auf die alte Weise fort zu hungern und taglöhnern. „Aus diesem Grund, so die Droste, wohnten die Bauern im Paderborner Land nicht auf stolzen Höfen wie im Münsterland, sondern in „Baracken“.

Nicht Annette von Droste-Hülshoff spielte im zweiten Teil der Brandtschen Lesung eine Rolle sondern des Fotografen Heinrich Hausers Schilderungen aus und über das Ruhrgebiet Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu seinen ausdrucksstarken schwarzweiß-Fotografien aus diesem Kohle- und Stahlteil Westfalens  entwarf er starke verbale Bilder vom Übergang der bäuerlich-westfälischen Landschaft zur industriellen zwischen Lippe und Ruhr, die Brandt ausdrucksstark vermittelte:

„Wenn ich ein Dichter wäre, dann würde ich die Walzwerkmänner besingen. Sie geben die dichteste Leistung her, die ein Mensch geben kann“.

Ausgezeichnet mit dem Echo Klassik: Das Auryn Quartett

Musikalisch umrahmt und ausgestaltet wurde die Veranstaltung vom Auryn Quartett mit Matthias Langfelder (Violine), Jens Oppermann(Violine), Stewart Eaton (Viola) und Andreas Arndt (Violoncello). Eine kleine Sensation gelang den Musikern mit der Fast-Erstaufführung eines Streichquartetts von Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff nach einer in Brüssel aufbewahrten Handschrift. Von dessen Förderer Josef Haydn gab die mit vielen Preisen ausgezeichnete Auryn-Gruppe ebenfalls ein Streichquartett.

Nur so nebenbei angemerkt: Als der Abendhimmel sanft in die Mainacht überging zogen von Wiedenbrück kommend mehrere Heißluftballons ganz langsam ihre Bahn über dem romantischen Gut Geissel.

Fahrende Ballone über Gut Geissel

Unterstützt wurde diese Veranstaltung des Literatur & Musikfestes Ostwestfalen-Lippe von Bertelsmann. In diesen Minuten wird sie wegen des großen Interesses wiederholt.

Gut Geissel bei Langenberg

Landlust

Landlust zum Sonderpreis

24. Piumer Kartoffelmarkt in Borgholzhausen. Hier, im kleinen Teutostädtchen kann man sie noch preiswert bekommen: 3 Euro. 10 Minuten. Und Platz ist wieder für Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln.

… und dann schüttete es wieder

… wenn da nicht immer wieder der nasse Gruß von oben gekommen wäre. Essen Sie mal gekochte Kartoffeln mit Schmand und halten gleichzeitig Schirm oder Kapuze fest und die Liebste schützend im Arm.

Schirmslalom
In Städtchens Mitte hatten die Kinder ihren Karusselspaß
Der Kartoffelschälwettbewerb beginnt

„Schälen Sie dünn, lang. Länge zählt, nur Länge“ moderierte die Dame mit Mikro den Start des Wettbewerbs, in dem der ältere Herr mit heller Kappe an der Knolle versuchte, sich einen Vorsprung zu erschälen….

Der Männerchor summt in einer Regenpause an
Hochkonjunktur im Heimathaus

Die Stadt, die auch den Beinamen „Lebkuchenstadt“ trägt, roch an diesem Wochenende mehr nach Kartoffeln, den vielfältigsten Gerichten daraus , Frittierfett vom „Rivkoche“. Nur eine Forellenräucherei und Welpinghusens Brotbackofen vor der Tür der Bäckerei in Ortsmitte  rauchten ein wenig dagegen an.

Blick hinauf zum Luisenturm

In einer Regenpause lockte die Konditorei Probst mit Kaffee und Apfelkuchen und der Blick geht hinauf zum nebelverhangenen Luisenturm. Unweit davon, in der Kaiserstraße, hat Konditor und Bäcker Ulrich Welpinghus seinen mobilen Holzbackofen in Betrieb. Es duftet köstlich. Die Scheibe Brot, noch warm, mundet köstlich. Wenn das nicht alles wie „Landlust“ ist, was dann?

Apfelkuchen und Kaffee bei Probst