meine Sprache verrutschte

Lesungen im Haus Münsterberg

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An den ersten drei Adventssamstagen lädt das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe zu der Veranstaltungsreihe ‹meine Sprache verrutschte› – Von Ankünften und Aufbrüchen in der Literatur ein. Im Haus Münsterberg lesen die Schriftsteller Senthuran Varatharajah, Rasha Khayat und Marica Bodrožić von Menschen, die in der Hoffnung auf eine Ankunft im Anderswo aufbrechen. Wie wird das Unwiederbringliche in Worte gefasst? Mit welcher Sprache das Unbekannte benannt?

Johann von Bülow Foto: Steffi Henn
Johann von Bülow
Foto: Steffi Henn

Johann von Bülow, Simon Roden und Jeanette Hain sind im zweiten Teil der Abende mit traditionellen Erzählungen und Märchen aus dem tamilischen Kulturkreis, dem arabischen Raum und vom Balkan zu hören.

Am 26. November liest Senthuran Varatharajah aus seinem Roman ‹Vor der Zunahme der Zeichen›. Sieben Tage schreiben sich Senthil und Valmira auf Facebook über ihre Leben, ihre Familien, die Flucht aus Sri Lanka und dem Kosovo, ihre Kindheit in Asylbewerberheimen und ihre Schul- und Studienzeit. Es ist ein hochreflektiertes Romandebüt über den Zusammenhang von Sprache und Migration, über Herkunft und Ankunft, Erinnern und Vergessen. Die Legenden und kleinen Geschichten aus dem tamilischen Kulturkreis, die in der Lesung von Johann von Bülow zu hören sind, berichten voller poetischem Glanz und Musikalität von Gottheiten und Lebensweisheiten.

Radha Khayats Romandebüt ‹Weil wir längst woanders sind› erzählt am 3. Dezember vom Schwanken der Geschwister Layla und Basil zwischen zwei Welten und fragt, wie mit dem Gefühl von Fremdheit, das unauflösbar scheint, umzugehen ist. Als Layla sich entschließt, Hamburg zu verlassen und in der alten Heimat Saudi-Arabien zu heiraten – nicht aus Liebe, sondern aus Prinzip –, kehren sie und Basil in die eigene Vergangenheit zurück.

Simon Roden liest Märchen und traditionelle Erzählungen aus dem arabischen Raum, die sich durch ihren blumigen Stil und die raffinierte Erzählkunst auszeichnen. Er entführt in die Welt der Basare und Karawansereien, der weisen Kalifen und verschlagenen Händler.

Marica Bodrožić ist am 10. Dezember mit ‹kirschholz und alte gefühle› und ‹Das Wasser unserer Träume› zu hören. Sie schreibt mit leuchtender Intensität davon, was Jugoslawien war und Exil bedeutet, und fragt nach Aufbruch und Ankunft jenseits nationaler Koordinaten und der menschlichen Existenz – was bleibt, wenn alle Sicherheiten wegfallen?

Die Märchen vom Balkan, die Jeanette Hain liest, sind ungeachtet politischer Grenzen von einem Volk zum anderen gewandert, haben durch Glauben, Dialekte oder Traditionen ihre regionalen Prägungen erfahren. In Stil und Motiven stehen sie häufig den Grimmschen Märchen nahe.

Am 4. Dezember sind darüber hinaus alle, die aufbrachen und unterwegs sind, ebenso wie die, die schon (lange) angekommen sind, in das Haus Münsterberg eingeladen. Man trifft sich, um gemeinsam zu lesen, zu lauschen und ins Gespräch zu kommen. Arabische Erzählungen und Märchen der Brüder Grimm werden bei Tee und Gebäck auf Deutsch und Arabisch vorgetragen. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten.

Karten: Einzelveranstaltung 15 Euro (ermäßigt 10 Euro), Abo 40 Euro (ermäßigt 25 Euro).

Kartenreservierung: Karten sind unter 052 31 -30 80210 oder www.literaturbuero-owl.de beim Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe erhältlich.

Veranstaltungsort: Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38, 32756 Detmold

Die Veranstaltungsreihe ‹meine sprache verrutschte› wird vom Landesverband Lippe unterstützt.

Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe e.V.
Hornsche Straße 38, 32756 Detmold
Telefon: 05231-30 80 20
Fax: 05231-30 80 220
info@literaturbuero-owl.de |
www.literaturbuero-owl.de

 

Dorfgeschichten: Eine Frau flieht vor einer Nachricht

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Der Roman des israelischen Schriftstellers und Friedensaktivisten David Grossman beeindruckt in seiner Liebe, Zärtlichkeit und Eindringlichkeit. Eine Mutter fürchtet sich vor der Nachricht, dass ihr Sohn im Krieg gefallen ist. Sie ergreift die Flucht und erzählt vom Leben ihrer Familie und ihres Sohnes, in der Hoffnung, ihn so zu beschützen. Der Roman behandelt zugleich die Geschichte der jungen Männer, die als Soldat schnell die Rhetorik des Krieges übernehmen und sich selbst fremd werden. David Grossman schrieb gegen die Angst vor dem Verlust seiner Söhne an, Schreiben und Leben kreuzten sich auf schmerzlichste Weise, als sein Jüngster im Libanon-Krieg ums Leben kam. In bewegender Weise setzt er die gesellschaftliche Wirklichkeit Israels mit den geschilderten Schicksalen seiner Personen in Beziehung.

Darüber nachzudenken, wie ‹man die Ungerechtigkeit in der Welt angehen könnte›, ist ein Anliegen von Corinna Harfouch. Aufführungen und Lesungen mit ihr sind ein großes Erlebnis, gerade ist sie für ihre ‹wahrhaftige und eigenwillige› Schauspielkunst mit dem Berliner Theaterpreis ausgezeichnet worden ist.

Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Detmold e.V.,
Hornsche Straße 38, 32756 Detmold,
info@literaturbuero-owl.de

Dienstag, 10. November 2015, 19.30 Uhr,
Mittwoch, 11. November 2015, 19.30 Uhr

Veranstaltungsort:  Haus Kuhlmeier, (‹Im Weißen Roß›), LWL-Freilichtmuseum Detmold, Paderborner Straße / Krummes Haus, 32760 Detmold
Karten:  Kat. A 15 €, Kat B. 10 €, die Plätze sind nummeriert
Kartenreservierung:  Karten sind beim Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe unter 052 31 /30 80 210 oder www.literaturbuero-owl.de sowie an der
Kasse des LWL-Freilichtmuseums Detmold erhältlich
Buspendelverkehr:  ab 18.45 Uhr vom Parkplatz aus, letzte Fahrt um 19.15 Uhr

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit dem LWL-Freilichtmuseum Detmold, unterstützt durch die Sparkasse Paderborn-Detmold

Foto: Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe