Sehnsucht in die Ferne

Internationaler Design-Preis für Droste-Ausstellung

Ausschnitt der Wanderausstellung „Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“. Foto: BOK+Gärtner GmbH

Havixbeck (lwl). „Ich bin wirklich begeistert von dieser innovativen Ausstellung, die Literatur lebendig und interaktiv auf höchst anregende Weise präsentiert. Ich gratuliere den Ausstellungsmachern zu dieser mit zahlreichen ungewöhnlichen Ideen gespickten Ausstellung, die sich diese ehrenvolle Auszeichnung verdient hat“, sagt die LWL-Kulturdezernentin und Vorsitzende der Droste-Stiftung Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Das Konzept mit großdimensionierten Pop-Up-Büchern, die die Besucher in Landschaften hineinziehen, und dem innovativen Höhepunkt des „Ich-Orts der Poesie“, einer multimedialen Gedichtinszenierung mittels einer Virtual Reality-Brille, habe als Gestaltungsidee sofort überzeugt.

Die Wanderausstellung „Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“ hat nun den „iF-Design-Award 2018“ gewonnen. Zuletzt war sie auf der Burg Hülshoff bei Havixbeck (Kreis Coesfeld) zu sehen. Die nächsten Stationen sind Brakel im Kreis Höxter (Mai-August 2018), Meersburg am Bodensee (August 2018 – Februar 2019), Schloss Homburg im Oberbergischen Kreis (März 2019 – Juli 2019) und Paderborn (Juli 2019 – Dezember 2019).

Die beiden Partneragenturen DBCO GmbH und BOK+Gärtner GmbH aus Münster hatten sich mit der Gestaltung unter 6.400 Bewerbern aus 54 Ländern durchgesetzt. Die Ausstellung, die 2017 auf der Wewelsburg (Büren) ihre erste Station hatte, wurde auf Initiative der LWL-Literaturkommission für Westfalen gemeinsam mit dem Droste-Forum e.V., dem Kreismuseum Wewelsburg und den Städten Paderborn und Brakel entwickelt und umgesetzt.

 

Kaiser-Wilhelm-Denkmal vier Monate vor Eröffnung

„Nicht nur Blickfang, sondern Blick weiten auf die ganze Geschichte“

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal heute. Foto: LWL

 

Porta Westfalica (lwl). Vier Monate vor der geplanten Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) hat der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Matthias Löb, auf eine Neu-Interpretation des Denkmals hingewiesen. „Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bleibt ein weit sichtbarer Blickfang. Gleichzeitig wollen wir aber hier oben den Blick auf die ganze Geschichte dieses Ortes weiten: von den Römern in Germanien über Preußens Pathos bis zum Elend der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in den Stollen direkt unter dem Monument“, sagte Löb am Dienstag (20.2.) bei einem Besuch auf der Baustelle am zweitgrößten Denkmal Deutschlands.

Der LWL als Eigentümer hatte 2015 beschlossen, mit der notwendigen Sanierung das Denkmal durch ein Restaurant und ein Besucherzentrum aufzuwerten. Der jetzt realisierte Wettbewerbsentwurf stammt vom Architekten Peter Bastian aus Münster. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist Bestandteil der „Straße der Monumente“ (sieben Denkmäler in Deutschland, darunter das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig).

Ab 9. Juli warten an der Porta Westfalica das neue Restaurant in der Ringterrasse („Wilhelm 1896“) und das „LWL-Besucherzentrum“ auf geschätzt über 150.000 Besucher pro Jahr. Löb: „Die Besucherinnen und Besucher können hier eine Geschichte erfahren, die weit über ein wuchtiges Kaiser-Denkmal hinausreicht, und wir wollen diese Geschichte erzählen.“ Dazu gehöre die Einordnung der historischen Ereignisse aus heutiger Sicht ebenso wie die Topografie der Region.

Freilegung der Ringmauer. Foto: WLV, Münster

Der Bau
Seit dem Start der Wiederherstellung vor 15 Monaten sei die rund 25.000 Kubikmeter große Baugrube mit 270 Kleinbohrpfählen für die Standsicherheit des Gebäudes bestückt worden, erläuterte Matthias Gundler, Prokurist und Bauleiter der LWL-Tochtergesellschaft WLV (Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH). „Dabei war das ganze Fachwissen der Firmen gefragt. Nicht die Stollen, sondern kleine Klüften und Spalten machten uns phasenweise die Arbeit zur Wiederherstellung der Ringmauer schwer“, so Gundler.

Als die Ringterrassen beim Bau des Denkmals Ende des 19. Jahrhunderts aufgeschüttet wurden, traten bereits kurz nach der Eröffnung 1896 Probleme an der Ringmauer auf. Das führte auch bei der Sprengung des Einganges zum sogenannten Denkmalstollen 1946 durch die Briten zu einem Bruch der Böschung. Gundler: „Noch 120 Jahre später kam es durch den damaligen Pfusch am Bau dazu, dass wir jetzt große Mengen von Zementmaterial mit den Bohrungen in den Berg stecken mussten. Nun ist dort – bis zu 30 Meter Tiefe gegründet – der wiederhergestellte Ringsockel aus Obernkirchner Sandstein zu sehen. Insgesamt haben wir für diese Pfahlgründung über 3.800 Tonnen Zement verarbeitet.“

Wegen der Schwierigkeiten bei der Sanierung rechnet LWL-Direktor Löb allein für die Wiederherstellung der Ringmauer mit Kosten von fünf Millionen Euro. Zusätzlich werden die Baukosten für das Besucherzentrum, die Gastronomie und den Pavillon noch einmal 11,4 Millionen Euro betragen. Die Stadt Porta Westfalica beteiligt sich mit einem Zuschuss von über 600.000 Euro, der Bund steuert insgesamt 5,8 Millionen Euro Fördermittel bei.

Oberhalb des Sockels erstrecken sich die wiederhergestellten Ringbögen als Aussichtsfenster der zukünftigen Gastronomie in die Höhe. Insgesamt werden über 1.500 Tonnen Naturstein handwerklich verarbeitet. Die 11.000 Kubikmeter umbauten Raums sind bereits im Ausbau.

Hintergrund
Das ursprüngliche Bauwerk

Das Denkmal wurde 1892 bis 1896 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Bruno Schmitz (1858-1916) erbaut. Erste Planungen zur Würdigung des Reichsgründers und ersten deutschen Kaisers durch ein monumentales Denkmal begannen gleich nach dem Tod Wilhelms I. im Jahr 1888. Schon 1889 hatte die Provinzial-Regierung für Westfalen in Münster den Beschluss zur Errichtung eines zentralen Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica gefasst. Im Februar 1890 wurde ein Wettbewerb ausgelobt. Für den Bau stellte der Westfälische Provinziallandtag 500.000 Goldmark zur Verfügung. Regierungsbezirke und private Geldgeber spendeten über 300 000 Goldmark.

Aus den 58 eingereichten Entwürfen wurde der von Schmitz 1890 mit dem ersten Preis prämiert. Aus Kostengründen musste der Entwurf aber noch verändert werden. Den Entwurf für das Kaiserstandbild lieferte der Bildhauer Caspar von Zumbusch (1830-1915). Auf Zweidrittel der Höhe des zur Weser steil abfallenden Wittekindberges wurde eine von hohen Stützmauern getragene Ringterrasse errichtet. Von dort führt eine doppelläufige Treppe auf eine Plattform auf der sich der Baldachin mit dem Standbild befindet.
Die Kuppel des zweithöchsten deutschen Denkmals wird von sechs Strebepfeilern getragen. Kuppel und Pfeiler schließen jeweils mit einer Kaiserkrone ab. Der mit grob behauenen Porta-Sandsteinen verblendete Baukörper ist im sogenannten Zyklopenstil des Spätwilhelminismus errichtet. Zeitweilig waren über 100 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Das auf Fernsicht angelegte, 88 Meter hohe Bauwerk hebt sich deutlich von der umgebenden Landschaftskulisse ab.

Die Einweihung des Denkmals 1896
Die Einweihung war am 18. Oktober 1896, dem Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig (18. Oktober 1813) und auch der Geburtstag von Kaiser Friedrich III. (18. Oktober 1831). Kaiser Wilhelm II. und seine Frau, Kaiserin Auguste Viktoria, nebst Generalstab, Flügeladjutanten, Hofdamen und Kammerherren reisten mit der Bahn an. Ein Sonderzug brachte sie nach Minden, mit der Kutsche ging es weiter zur Porta Westfalica.
Auf der Ringterrasse des Denkmals schritt der Regent die angetretene Militär-Formation ab, begrüßte die Repräsentanten der Provinz Westfalen und hielt seine Einweihungsrede. Versammelt waren dort auch Bürgerkompagnien, Vereine, Schulen und Beschäftigte von Unternehmen. Nachdem der Kaiser seine Einweihungsrede gehalten hatte, folgte ein Festmahl mit Musik-Programm. An dem „Festessen zur Feier der Einweihung des Kaiser Wilhelm-Provinzial-Denkmals“ mit 370 geladenen Gästen im neu erbauten großen Saal des Hotels Kaiserhof am Fuße des Denkmals nahm das Kaiserpaar mit seinem Gefolge jedoch nicht mehr teil.

Was man nicht alles so findet …

wenn man nur mal eben ein Umspannwerk umbauen will.

Vorbereitung zur Blockbergung einer Graburne: Hierbei wird der archäologische Befund gemeinsam mit dem umliegenden Erdreich geborgen, um das Objekt nicht zu schädigen. Foto: Archbau/L. van Bömmel-Wegmann

Herford (lwl). Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben in Herford-Eickum einen interessanten Fund gemacht: Im Rahmen von Umbauarbeiten für ein Umspannwerk stießen sie auf Brandgräber aus der vorrömischen Eisenzeit sowie auf ein Relikt aus der ausgehenden Bronzezeit. Die näheren Untersuchungen dauern an.

In Herford-Eickum rief die Erweiterung eines Umspannwerks die LWL-Archäologen auf den Plan. Bei einer Prospektion bargen sie ein Brandschüttungsgrab und markierten mehrere Verdachtsstellen. Daraufhin wurde eine archäologische Fachfirma unter Fachaufsicht des LWL mit der Ausgrabung des gesamten Areals beauftragt.

„Das Besondere an diesem Fund ist die Vielfalt der Grubeninhalte. So erhalten wir im Idealfall detailliert Aufschluss über die Bestattungs- und Deponierungssitten der damaligen Zeit“, erklärt LWL-Archäologe Dr. Hans-Otto Pollmann.

Archäologen bei der Freilegung und Dokumentation der Befunde in Herford-Eickum. Foto: Archbau/L. van Bömmel-Wegmann

Auf dem Gelände des Umspannwerks haben die Archäologen zunächst vier erkennbare Brandschüttungsgräber ausgemacht. Reste kalzinierter Knochen, die Asche der Bestatteten, wurden einzeln verpackt oder im Block geborgen. „Durch die kalkhaltigen und sandigen Einschwemmungen innerhalb des Lössbodens ist es bisher bei mindestens zehn weiteren Stellen wahrscheinlich, dass es sich auch hierbei um Brandgräber handelt“, erklärt Grabungsleiterin Lisa van Bömmel-Wegmann. „Diese sind jedoch wegen ihres schlechten Erhaltungszustandes und trotz vollständiger Bearbeitung nicht sicher nachzuweisen.“ Weiterlesen „Was man nicht alles so findet …“

Auf den Boden kommt es an

Tag der Gärten und Parks macht auf die Bedeutung der Gartenerde aufmerksam.

2017 ist der Gartenboden der „Boden des Jahres“. Der sechste Tag der Gärten und Parks, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am 10. und 11. Juni in Westfalen-Lippe veranstaltet, nimmt sich des Themas an. 100 private Gärten und 60 öffentliche Parkanlagen öffnen ihre Tore und präsentieren, was gute Erde und liebevolle Pflege an Schönheit hervorbringen können.

Eine Hand voll Gartenglück. Foto: Dworschak/Geologischer Dienst NRW

Am Sonntag (11.6.) erwartet die Besucher im Klostergarten Clarholz (Kreis Warendorf) um 13 Uhr die Präsentation einer Aufgrabung, bei der Fachleute vom Geologischen Dienst NRW die Entstehung und den Aufbau eines Gartenbodens erläutern. Am gleichen Tag präsentieren die Bodenexperten, nur einige Kilometer entfernt, im Klostergarten Herzebrock (Kreis Warendorf) um 15.30 Uhr einen weiteren Gartenboden.

Der typische Gartenboden – in der Fachsprache Hortisol genannt – ist das Ergebnis sorgfältiger gärtnerischer Arbeit. Durch jahrhundertelanges intensives Umgraben und Lockern, regelmäßiges Bewässern sowie durch Kompostwirtschaft ist ein fruchtbarer Boden entstanden, der viel Wasser und Nährstoffe speichern kann. Nur so lässt sich der Erde die reiche Ernte und Blütenpracht abringen„, erklärt Albrecht Deppe vom Geologischen Dienst NRW.

Querschnitt eines typischen Gartenbodens.
Foto: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie

Der Gartenboden ist eine nicht zu unterschätzende Komponente der Gartenkultur. Sie gibt Westfalen-Lippe ein wunderbares und sehr typisches Gesicht. Das zu zeigen, hat sich der Tag der Gärten und Parks zur Aufgabe gemacht„, so LWL-Gartenexperte Udo Woltering.

Gartenböden bestehen aus verschiedenen Schichten. Der obere, humusreiche, regelmäßig umgegrabene Bodenhorizont, den der Gärtner bearbeitet, reicht normalerweise 20 bis 30 Zentimeter tief. Darunter folgt ein lockeres Bodengefüge, in dem zahlreiche Regenwürmer und viele andere, zumeist kleinste Tiere leben. Sie arbeiten den Humus im Laufe der Zeit immer tiefer in den Boden ein. Durch die Arbeit der Bodenlebewesen kann ein solcher Boden über die Jahrhunderte bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern humos werden. Gartenböden offenbaren viele Hinweise auf die Lebensweise der Menschen in früheren Zeiten. Denn im Gartenboden finden sich vor langer Zeit vergrabene Garten- und Küchenabfälle, Knochen und zerbrochene oder verlorene Gerätschaften. Typische Gartenböden sind vor allem in alten Dorfkernen, in Klostergärten, an Gutshöfen oder in Gärten außerhalb mittelalterlicher Stadtmauern zu finden. Die Kampagne „Boden des Jahres“ will auf dieses bedeutende Archiv der Kulturgeschichte aufmerksam machen.

Immer am zweiten Juniwochenende kommen beim Tag der Gärten und Parks bis zu 45.000 Interessierte in die Parks an Burgen, Schlössern und Herrenhäusern, Stadt- und Kurparks, Gartenschauparks, Klostergärten, Botanischen Gärten und Lehrgärten. Auch private Gartenbesitzer zeigen ihre Kleinode der Öffentlichkeit. Die Gärten sind in der Regel am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Informationen unter http://www.gaerten-in-westfalen.de

Hintergrund
Neben den vielen Privatgärten gibt es in Westfalen-Lippe über 300 kulturell herausragende Gärten und Parks, die ganzjährig für Besucher geöffnet sind. Gartenkultur ist ein wesentlicher Teil der Identität der Region. Der LWL will sie in den Fokus rücken, das Bewusstsein für diese Besonderheit schärfen und den Tourismus stärken. Die Website www.gaerten-in-westfalen.de bietet zu 130 ausgewählten Gärten und Parks umfassende Informationen. „Gärten und Parks in Westfalen-Lippe“ ist eine Initiative des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Projektes „Kultur in Westfalen“, das von der LWL-Kulturstiftung und der Westfalen-Initiative getragen und vom NRW-Kulturministerium gefördert wird.

Et labora! Handwerk im Kloster.

Familientag im Kloster Dalheim

Das Mühlrad klappert, der Backofen glüht und die Bienen summen: Am Sonntag (9.4.) lädt die Stiftung Kloster Dalheim zum dritten Mal zum Familientag „Et labora! Handwerk im Kloster“ ein. Zwölf Gewerke lassen von 11 bis 17 Uhr auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Dalheim (Kreis Paderborn) historische Handwerkskunst von der Bäckerei bis zur Zimmerei lebendig werden. Kinder werden bei einem Mitmachprogramm selbst aktiv.

Auch Handwerker machen mal Pause: Für das leibliche Wohl sorgt das Klosterwirtshaus unter der neuen Leitung von Familie Brand.
Foto: LWL/Maria Tillmann

Zum Familientag rund um Bäckerei, Brennerei, Brauerei, Gärtnerei, Imkerei, Mühle, Schäferei, Schmiede, Stellmacherei, Weberei und Zimmerei begrüßte das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur im vergangenen Jahr 2.700 Besucher, darunter 1.000 Kinder.

Neu ist 2017 eine Silberschmiede. Und während die Besucher den Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, gehen Kinder auf Entdeckertour über das Klostergelände und üben sich unter anderem im Korbflechten, Kerzenziehen und Zimmern. Eine Regenvariante des Programms ist vorbereitet.

Geschichte zum Anfassen

Während viele der Handwerkstechniken einst zum Alltag gehörten, sind sie besonders jungen Menschen heute oft nicht mehr geläufig. „Beim Familientag erwachen vergangene Zeiten zum Leben. Kinder und Jugendliche lauschen dem Schleifen des Mahlsteins in der Mühle, machen Bekanntschaft mit kleinen Lämmern, beobachten das Treiben in einem Bienenstock und erfahren so, wo die Dinge des täglichen Gebrauchs wie Mehl, Wolle und Honig überhaupt herkommen“, berichtet Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim.

„Diese Erlebnisse machen die große Faszination des Programms aus“, so Rüschoff-Thale. „Eine solche Veranstaltung ist ein idealer Familienausflug: Kinder und Erwachsene können hier gemeinsam einen ganzen Tag verbringen, zusammen staunen, werkeln und ganz nebenbei auch noch etwas über unsere Geschichte lernen.“

Das Handwerk: Der Herzschlag eines Klosters

„Mit dem Et labora-Tag widmet sich die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur einer wichtigen Facette der klösterlichen Kultur“, führt Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky zu deren Ursprüngen: Neben dem Gebet ernannte der Heilige Benedikt mit dem berühmten „Ora et labora“ (lat.: Bete und arbeite) bereits vor 1.500 Jahren auch die Arbeit zu einem der Grundpfeiler des Klosterlebens.

Heißes Eisen: Werner Keller beeindruckt die Besucher mit seinen Vorführungen in der Dalheimer Schmiede. Foto: LWL/Maria Tillmann

Mit seiner Fülle von Gewerken ist das Kloster Dalheim wie gemacht, um in die Welt des historischen Handwerks einzutauchen. „Mittelalterliche Klöster waren häufig Selbstversorger: Alles Lebensnotwendige stellten die Ordensleute innerhalb der Klostermauern selbst her. Das machte sie von der Außenwelt unabhängig“, erläuterte Grabowsky. So war es auch bei den Augustiner-Chorherren, die sich in Dalheim im 15. Jahrhundert ansiedelten. „Mit ‚Et labora!‘ begeben wir uns auf die Spuren der ehemaligen Bewohner des Klosters, die schon vor mehr als 500 Jahren in Dalheim Hammer und Meißel schwangen. Heute sind es unsere Handwerkerpersönlichkeiten, die diese Aufgabe übernehmen und die Werkstätten und das Klostergelände mit Leben erfüllen,“ so Grabowsky weiter.

Mit dabei sind: Willi Zacharias (Bäckerei), Manfred Peitz (Brauerei), Hermann Zinser (Brennerei), Hermann Brügge-Feldhacke (Försterei), Andreas Bogel (Gärtnerei), Helga Müller (Imkerei), Burkhard Jüstel (Mühle), Roland Brand (Schäferei), Werner Keller (Schmiede), Hans Liekmeier (Silberschmiede), Franz-Josef Mertens (Stellmacherei) und Katharina Vollmerhaus (Weberei).

Seit der Einrichtung der Stiftung Kloster Dalheim LWL-Landesmuseum für Klosterkultur wurden auf dem rund 7,5 Hektar großen Klostergelände immer mehr Gewerke wieder in Betrieb genommen: die historischen Werkstätten von Schmiede und Stellmacherei sowie der große Steinbackofen im Museumsfoyer und zuletzt im vergangenen Jahr die Dalheimer Mühle. Es entstanden eine neue Klosterbrauerei und eine -brennerei. Rund 2,5 Hektar Gartenfläche wurden nach barockem Vorbild neu gestaltet. Im ehemaligen „Sassenhaus“ zogen große Schaftwebstühle und Spinnräder ein. Seit 2014 gibt es wieder Schafe und Bienen auf dem Klostergelände.

Vielfalt klösterlichen Handwerks

Einst entstanden in der klösterlichen Schmiede Hufeisen, Werkzeuge und Reifen für Wagenräder aus der benachbarten Stellmacherei. Im Dalheimer Gewölbekeller wurde Bier gebraut. Die Weberei lieferte Stoff für die Ordenstrachten oder zum Beispiel Betttücher und Servietten. Die Schäferei brachte Wolle und Leder für die Kleidung, Pergament für die Buchproduktion, Fett als Salbengrundlage sowie Fleisch und Milch für die Klosterküche hervor. Heute sind es besonders Brauerei, Brennerei, und Imkerei, die in Dalheim Produkte herstellen. Gewerke wie zum Beispiel die Stellmacherei werden zur Schau betrieben. Die Textilwerkstatt öffnet auf Nachfrage für Gruppen, die dort einen ganzen Tag mit Handarbeiten wir Filzen, Spinnen, Weben oder Stoffdruck verbringen können.

Backen wie vor 200 Jahren: Willi Zacharias am historischen Dalheimer Steinbackofen. Foto: LWL/Maria Tillmann

Mitmach-Programm für Kinder

Zum Et labora-Tag gehört ein umfassendes Programm für Kinder. An insgesamt neun Stationen auf dem Klostergelände ist ihr Einsatz gefragt: Beim Bau eines Fachwerkhauses üben sie sich in der Zimmerei. Danach gehts zum Saatkugelkneten in den Klostergarten. Sie schließen erste Bekanntschaft mit Klosterschafen und -bienen und wickeln kleine weiche Wollschäfchen. Bei der Imkerei geht es ans Kerzenziehen. Kerzenhalter entstehen bei der Schmiede. Kleine Silberschmiede biegen funkelnde Sonnenfänger, und in der Stellmacherei flechten Kinder kleine Körbchen. Leckereien aus dem historischen Steinbackofen steuert die Bäckerei bei.

Für den Transport der in eigener Handarbeit hergestellten Klosterwerkstücke bedrucken die Kinder in der Weberei eine Baumwolltasche.

„Die Kinder setzen sich spielerisch mit den historischen Handwerkstechniken auseinander und erfahren dabei, welche Bedeutung die Gewerke für das Kloster und seine Bewohner hatten“, beschreibt die museumspädagogische Referentin Dr. Christiane Wabinski die Idee hinter dem Et labora-Tag. Am Ende des Tages bekommen Handwerker, die alle Stationen besucht haben, eine kleine Belohnung.

Ein Stück Dalheim für Zuhause

Neben den Handwerksvorführungen und dem Mitmach-Programm für Kinder gibt es auch einige Möglichkeiten, die Dalheimer Produkte zu probieren und mitzunehmen: frisch gebackenes Brot und Kuchen aus dem Dalheimer Steinbackofen, Spirituosen aus der Brennerei, Dalheimer Honig und das hausgebraute Bier. Im Klostergarten ernten die Besucher Samen und stechen überschüssige Stauden, die sie gegen eine Spende mit nach Hause nehmen können.

Rahmenprogramm

Stündlich von 12 bis 16 Uhr gehen kostenlose öffentliche Führungen durch die Klausur und die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“. Um 14.30 Uhr geht es mit dem Förster durch den Dalheimer Wald. Wer möchte, erkundet das Klostergelände und den Ort Dalheim per Pferdekutsche. Für das leibliche Wohl sorgt das Dalheimer Klosterwirtshaus mit einem Verpflegungsstandauf dem Klostergelände. Das Blasorchester Lichtenau rundet das Programm mit musikalischer Untermalung ab.

Förderer

Den Dalheimer Familientag haben die Volksbanken im Kreis Paderborn unterstützt.

Eintrittspreise

Erwachsene zahlen beim Et labora-Tag 6 Euro, Ermäßigte 3,50 Euro. Für Kinder/Jugendliche (6-17 Jahre) sowie Besitzer der LWL-MuseumsCard (auch LVR-Museumskarte) ist der Eintritt frei.

Bei der Teilnahme am Kinderprogramm entstehen Materialkosten von 5 Euro pro Kind.
Ein freier Zugang zum Klosterwirtshaus ist am Et labora-Tag leider nicht möglich.

Programmübersicht

11 bis 17 Uhr
Vorführungen in Bäckerei, Brauerei, Brennerei, Gärtnerei, Imkerei, Mühle, Schäferei, Schmiede, Silberschmiede, Stellmacherei und Weberei

11 bis 17 Uhr
Mitmach-Aktionen für Kinder
Leckereien im Klosterbackofen backen (Bäckerei), Blumensaatkugeln kneten (Gärtnerei), Kerzen ziehen (Imkerei), Kerzenhalter schmieden (Schmiede), Wollschäfchen wickeln (Schäferei), Sonnenfänger biegen (Silberschmiede), Körbe flechten (Stellmacherei), Taschen bedrucken (Weberei), Fachwerkhaus aufbauen (Zimmerei)
Materialkosten von 5 Euro pro Kind

12 bis 16 Uhr
Stündlich kostenlose öffentliche Führungen
durch die Klausur (13 und 15 Uhr) und die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ (12, 14 und 16 Uhr)

13 bis 16 Uhr
Musik auf dem Klostergelände mit dem Blasorchester Lichtenau

13 bis 17 Uhr
Kutschfahrten über das Klostergelände und durch den Ort
Teilnahmekosten: 1 Euro pro Kind, 2 Euro pro Erwachsenem

14.30 Uhr
Kostenlose Försterwanderung
durch den Dalheimer Wald (bitte an festes Schuhwerk und zweckmäßige Kleidung denken)

Stiftung Kloster Dalheim
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau
Telefon: (05292) 9319-0
Fax: (05292) 9319-119
E-Mail: kloster-dalheim@lwl.org
http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Hintergrund
Das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur ist eines der 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Deutschlands einziges Landesmuseum für klösterliche Kulturgeschichte. Es wird gemeinsam vom LWL und der Stiftung Kloster Dalheim getragen und ist beheimatet in dem rund 800 Jahre alten ehemaligen Kloster Dalheim. Ausgehend von der eigenen Geschichte lädt das Haus ein, die Welt der europäischen Klosterkultur zu entdecken.

Das große Warten – Fotografien von Brigitte Kraemer

LWL zeigt neue Ausstellung über Geflüchtete im Ziegeleimuseum Lage

Geflüchtete Kinder im Hof einer Flüchtlingsunterkunft in Herne.. Foto: LWL/Kraemer
Geflüchtete Kinder im Hof einer Flüchtlingsunterkunft in Herne..
Foto: LWL/Kraemer

Lage (lwl). Über 300.000 Menschen kamen 2015 auf der Flucht vor Krieg, Not und Unterdrückung und in der Hoffnung auf ein freies Leben nach Westfalen. Einige von ihnen blieben nur wenige Tage in den Erstaufnahmeeinrichtungen und wurden später auf andere Regionen Deutschlands verteilt. Die anderen wurden in Unterkünften in Westfalen und dem Ruhrgebiet untergebracht. Nach ihren langen Wegen der Flucht und der Ankunft in Deutschland begann für sie alle die Zeit des Wartens auf die Entscheidung, ob Deutschland ihnen Asyl und Sicherheit gewährt.

Das große Warten“ heißt denn auch eine Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Herner Fotografin Brigitte Kraemer, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag (8.1.) in seinem Ziegeleimuseum Lage (Kreis Lippe) präsentiert.

Brigitte Kraemer hat sich zu den geflüchteten Menschen begeben, ist ihnen mit großer Offenheit begegnet und hat von vielen Vertrauen geschenkt bekommen. Vertrauen, dass große Nähe und unbefangene Blicke möglich macht. So ist innerhalb eines guten Jahres eine Reportage entstanden, die den Alltag der geflüchteten Menschen in Westfalen und dem Ruhrgebiet zeigt und dabei die Menschen und das Menschliche in den Vordergrund rückt: Momente des Innehaltens und der Trauer, aber auch der Tatkraft und der Lebensfreude – ungeachtet der schwierigen und improvisierten Lebensverhältnisse.

„Die Bilder machen deutlich, worum es jenseits von Politik und Medienrummel geht: um Menschen, die ihr Leben meistern wollen“, erklärte LWL-Museumsleiter Willi Kulke am Donnerstag (5.1.) bei der Vorstellung der Schau in Lage.

Brigitte Krämer fotografiert seit 30 Jahren Menschen, deren Lebensweg irgendwann einmal in das Ruhrgebiet und nach Westfalen geführt hat. Mit ihrer Kamera kommt sie den Menschen sehr nahe. Kulke: „Sie schafft es, nicht nur den Augenblick festzuhalten, ihre Fotografien sind so lebendig, dass der Betrachter auch die Gefühle und das Leben dieser Menschen zu erahnen glaubt.“

Biografie
Brigitte Kraemer lebt und arbeitet als freie Fotografin im Ruhrgebiet. Sie studierte Fotografie und Grafikdesign an der Essener Folkwangschule für Gestaltung. Seit 1982 arbeitet sie als freie Fotografin im Ruhrgebiet. Sie veröffentlichte zahlreiche Reportagen für den Stern, das Zeit-Magazin und den Spiegel. Ihre fotografische Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet: Sie erhielt 2004 den Hansel-Mieth-Preis, den Lead Award in Gold für das Foto des Jahres 2004, den Lead Award in Silber für das Foto des Jahres 2005, im selben Jahr die Auszeichnung des Art Directors Club des Börsenvereins des deutschen Buchhandels sowie 2008 den deutschen Fotobuchpreis. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen widmete ihr 2016 eine Gesamtausstellung zu ihren Fotoreportagen seit 1985.

Das große Warten – Geflüchtete in Westfalen
Fotografien von Brigitte Kraemer
8. Januar bis 17. April 2017
LWL-Industriemuseum Ziegeleimuseum Lage
Sprikernheide 77, 32791 Lage
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr

Luther. 1917 bis heute

Luther in der jüngeren deutschen Geschichte
ab 31. Oktober 2016 im Kloster Dalheim

Lichtenau-Dalheim (lwl). Zum Auftakt des 500. Reformationsgedenkens widmet sich das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, ab 31. Oktober 2016 der Figur Martin Luther in der jüngeren deutschen Geschichte. „War Luther ein deutscher Held, ein Wegbereiter der Nationalsozialisten, ein Fürstenknecht oder erster deutscher Revolutionär? Viele haben sich ihren Reformator zurechtgebogen und ihn sowohl zur Projektionsfläche als auch zur kollektiven Identifikationsfigur gemacht“, so Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Schicksalsfigur: Landrat Manfred Müller, die Vorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Direktor Matthias Löb, die wissenschaftliche Projektleiterin der Ausstellung Stefanie Wittenborg und Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky (v.l.) präsentierten am Montag, 24.10., einen ersten Einblick in die Sonderausstellung "Luther. 1917 bis heute", die am 31.10. für das Publikum öffnet. Foto: LWL/Alexandra Buterus
Schicksalsfigur: Landrat Manfred Müller, die Vorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Direktor Matthias Löb, die wissenschaftliche Projektleiterin der Ausstellung Stefanie Wittenborg und Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky (v.l.) präsentierten am Montag, 24.10., einen ersten Einblick in die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“, die am 31.10. für das Publikum öffnet.
Foto: LWL/Alexandra Buterus

Mehr als 300 Exponate aus 100 Jahren bewegter Geschichte zeigen, was den Reformator bis heute zu einer Schicksalsfigur der Deutschen macht„, sagte Löb bei einer Vorab-Besichtigung der Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ am Montag (24.10.). Die Ausstellung in dem ehemaligen Kloster Dalheim (Kreis Paderborn) steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck. Sie ist bundesweit eine der ersten großen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsgedenken, die größte im Westen Deutschlands, und läuft bis 12. November 2017.

63557100 Jahre Lutherbild im Wandel
Beginnend mit der 400-Jahrfeier der Reformation im Kriegsjahr 1917 über die Zeit des Nationalsozialismus und das geteilte Deutschland bis in die Gegenwart führt die Sonderausstellung ihre Besucher auf rund 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche in sechs Themeneinheiten (Leben und Wirken Martin Luthers, 1917 – 400 Jahre Reformation, Luther im Nationalsozialismus, Luthers Rolle in der DDR, Luthers Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland, Luthergedenken 2017)“ durch die vergangenen 100 Jahre.

Mit den Zeiten wandelt sich auch das Bild des Reformators: Ausgehend von der historischen Person begegnen die Ausstellungsgäste der Figur Luther in völlig unterschiedlichen Gestalten. Ob als Nationalheld des Kaiserreichs oder als sogenannter „deutscher Luther“, den die Nationalsozialisten für ihre Propaganda vereinnahmen, ob als „Fürstenknecht“ oder später als Anführer der „ersten frühbürgerlichen Revolution“ in der DDR: „Immer wieder wird der Reformator von den Obrigkeiten vereinnahmt, werden seine Äußerungen in einen neuen politischen Zusammenhang gesetzt„, erläuterte Löb.

Luther heute
Als Figur auf den politischen Bühnen ist Luther inzwischen weniger gefragt. Heute ist Martin Luther das Aushängeschild der Feierlichkeiten des 500. Reformationsgedenkens. Er erscheint als Verkörperung gesellschaftlicher Tugenden: als Schöpfer der deutschen Sprache, als Vater der Volksbildung und als Mann der Freiheit und Zivilcourage. Luther in den Jahren 2016/17, berichtet die Dalheimer Ausstellung, ist Musical-Star, Gegenstand der Bildenden Kunst, von Literatur und Film. Bei aller Euphorie erfährt die Figur Luther heute aber auch eine kritische Betrachtung.

Exponate
Das Spektrum der rund 300 Exponate reicht von hochrangigen Gemälden (z.B. Lucas Cranachs Porträt des „alten Luther“ oder Uwe Pfeifers Installation „Tischgespräch mit Luther“) über außergewöhnliche zeitgeschichtliche Dokumente bis hin zu Alltagsgegenständen aus den vergangenen 100 Jahren deutscher Geschichte. Hinzu kommen Schaustücke aus der Zeit Martin Luthers: Kinderspielzeug und ein Messgewand aus dem Besitz des Reformators sowie jene Truhe in der der Dominikanermönch Johann Tetzel, dessen Ablasspredigten Luther zu seinen 95 Thesen veranlassten, seine Einnahmen aus dem Ablasshandel sammelte.
Viele der Exponate stammen aus der Bevölkerung und demonstrieren, wie unmittelbar die deutsche Geschichte 400 oder gar 500 Jahre nach den Thesen von Wittenberg immer wieder mit der Figur Luther verknüpft ist: zum Beispiel Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg, Luther-Notgeld aus den 1920er Jahren oder ein Schulaufsatz aus der Zeit des Nationalsozialismus – ein zwölfjähriges Mädchen notiert hier die vermeintlichen Parallelen zwischen Luther und dem Diktator Adolf Hitler. Eine Postkarte aus den 1950er Jahren – unterwegs von Prenzlau in der DDR ins westdeutsche Rheinland -, zeigt Luthers Wirkungsstätte der Bibelübersetzung, die Wartburg, als Symbol der „Einheit Deutschlands“.

Postkarte: Luther von interDuck. Foto: interDuck
Postkarte: Luther von interDuck.
Foto: interDuck

Nachdenken über Luther
Vor dem Hintergrund des Reformationsgedenkens im Jahr 2017 kennzeichnet die Ausstellung den Reformator Martin Luther als eine Figur, die nicht nur der Vergangenheit angehört, sondern auch an die heutige Gesellschaft Fragen stellt: „Wer heute über Luther reden will, sollte auch den Luther unserer Eltern und Großeltern kennen. Die Ausstellung zeigt nicht nur eine historische Figur, sondern auch unseren aktuellen Umgang mit unserem kulturellen Erbe“, so die Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Kloster Dalheim, Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Die Schattenseiten des Reformators
Eine solche Betrachtung der Figur Luther beleuchtet auch die Schattenseiten des Reformators. Im Fokus stehen vor allem Luthers Äußerungen gegenüber dem Judentum und zu den Bauernkriegen. „Auch sie sind immer wieder Thema der Ausstellung, wie sie auch immer wieder Themen der gesellschaftlichen Diskussion insbesondere angesichts des 500. Reformationsgedenkens waren und sind„, erläuterte Löb.

Luther im Nationalsozialismus
Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky: „Erschreckend sind bis heute Luthers zügellose Äußerungen gegenüber den Juden. Diese Passagen lassen sich wie eine Anleitung zu den späteren Pogromen der Nationalsozialisten lesen.“ Aus diesem Grund nutzte das NS-Regime Luthers Aussagen, zum Beispiel in der Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 als Anknüpfungspunkt und ideologische Rechtfertigung seiner Verbrechen. Aber auch NS-Gegner wie Dietrich Bonhoeffer beriefen sich auf Luther. „Auch das gehört zur Projektionsfläche Luther„, sagte Grabowsky.

Luthers Rolle in der DDR
Die Haltung der SED-Diktatur in der DDR zu Luther war zwiespältig. Das religionsfeindliche Regime stand dem Theologen Luther zunächst ablehnend gegenüber, zumal er soziale Bewegungen wie die aufständischen Bauern der Bauernkriege seiner Zeit nicht unterstützte – im Gegenteil. In den 1980er Jahren, unter Honecker, versuchte die SED, Luther zu vereinnahmen und zum ersten Revolutionär zu stilisieren. „Ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt war„, so Grabowsky: „In der Reformation war keine sozialistische Revolution angelegt.“ Was diese Beispiele zeigen, sieht Grabowsky so: „Luther als Mensch des 16. Jahrhunderts ist nicht dafür verantwortlich, was Menschen im 20. Jahrhundert in ihm sehen wollten.“

Förderer
Die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ wird gefördert von der LWL-Kulturstiftung, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Rudolf-August Oetker Stiftung und der Stiftung der Sparkasse Paderborn-Detmold für den Kreis Paderborn.

Kooperation
„Luther. 1917 bis heute“ findet statt in Kooperation mit der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Wissenschaftlicher Beirat
Ein wissenschaftlicher Beirat, bestehend aus Historikern, Theologen, Kirchenhistorikern und Museumsfachleuten, verankert die Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“ in Wissenschaft und Gesellschaft.

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
Um Familien, Schulklassen und Jugendgruppen den Zugang zu dieser gesellschaftlich relevanten Ausstellung zu erleichtern, haben Kinder und Jugendliche freien Eintritt zur Ausstellung „Luther. 1917 bis heute“.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein rund 450-seitiger Katalog im Ardey-Verlag. Zwölf Beiträge von namhaften Historikern, Theologen, Archäologen und Zeitzeugen machen den Katalog zu einem Nachschlagewerk der Lutherrezeption des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
Der Katalog (ISBN: ISBN 978-3-87023-393-8) kostet 34,90 Euro und ist im Dalheimer Klosterladen sowie im Buchhandel zu erwerben.

Programm zur Ausstellung
Zur Ausstellung wird ein großes Rahmenprogramm von Vorträgen, Thementagen, Kursen und Ferienprogrammen aufgelegt.

Der Vortrag „Alles über Luther“ von Prof. em. Dr. Günter Brakelmann (15.01.) setzt die Biografie des Reformators zu den Fortschritten und Krisen des ausgehenden Mittelalters in Bezug. Prof. Dr. Bernd Beuscher zeigt unter dem Titel „Luther, Reformation, Kommunikation, Medien – Außer Thesen nix gewesen?“ am Beispiel des Reformators Martin Luther die Bedingungen einer theologisch aufgeklärten Nutzung moderner Medien auf (19.02.).

Beim Thementag „Dem Volk aufs Maul geschaut“ (22.01.) z.B. gehen Erwachsene bei einer Sonderführung unter dem Titel „Lästermäuler und Lückenbüßer“ Luthers Redewendungen auf die Spur. Kurse wie eine Druckwerkstatt, ein Bierbraukurs oder ein Kurs zum Kochen mit regionalen Zutaten („Wie bei Luthern“) führen in Luthers Lebenswelt.

Bei den Ferienprogrammen geht es für Kinder von acht bis zwölf Jahren an die Druckerpresse und ans Buchbinden.

Und auch das vierwöchige Kulturfestival „Dalheimer Sommer“ in Juli und August steht 2017 unter dem Motto „Reformation und Gegenreformation“ ganz im Zeichen Luthers.

„Luthers Garten“
Mit „Luther. 1917 bis heute“ setzt das LWL-Landesmuseum auf ein ganzheitliches Ausstellungskonzept, das die gesamte Anlage mit einbezieht. In der Hochphase der Gartensaison eröffnet das Dalheimer Museum Mitte Juni 2017 „Luthers Garten“.
An ausgewählten Stationen in den Dalheimer Klostergärten erinnern dann Texttafeln an den Privatmann Luther, der mit seiner Frau Käthe einen großen Haushalt führte und den Garten des ehemaligen Wittenberger Klosters mit Obstbäumen und Gemüsebeeten zu einem großen Nutzgarten umgestaltete.
Bei ihrem Rundgang durch die Dalheimer Klostergärten lernen Besucher, was „bei Luthern“ in den Garten und auf den Tisch kam: Maulbeeren, Melonen, Kürbisse oder der „Erfurter Riesenrettich“, aber auch Wein und Hopfen zur Bierherstellung.

Dalheimer Lutherbräu
2017 gibt es nach klösterlicher Tradition in Dalheim ein Bier zur Ausstellung. „Das Dalheimer Lutherbräu“ ist ein etwas stärkeres dunkles Bier – 5,2 Prozent -, das sicher auch dem Reformator geschmeckt hätte“, ist sich Grabowsky sicher.

Führungen für Einzelbesucher
Öffentliche Führungen gehen sonn- und feiertags ab 15 Uhr durch die Sonderausstellung (Teil-nahmegebühr pro Erwachsenem: 2,50 Euro zzgl. Museumseintritt).

Führungen für Gruppen
durch die Sonderausstellung, durch die Klostergärten und die Klosteranlage können Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr unter Telefon (0 52 92) 93 19-225 oder per E-Mail unter besucherservice.dalheim@lwl.org gebucht werden.

Informationen zur Ausstellung sowie das gesamte Begleitprogramm unter http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“
Laufzeit: 31. Oktober 2016 – 12. November 2017
Öffnungszeit: täglich außer montags 10-18 Uhr
ganzjährig geöffnet außer 24., 25. Und 31.12.

Eintrittspreise
Erwachsene: 9,00 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro
Kinder und Jugendliche: Eintritt frei
Gruppen ab 16 P.: 7,00 Euro p.P.
Gruppenführungen ab 45,00 Euro

Freier Eintritt am Eröffnungswochenende
Der Eintritt am Eröffnungstag, dem Reformationstag 2016 (31. Oktober) – einem Montag, an dem das Museum ausnahmsweise öffnet – ist frei. Um 13.30, 15 und 16.30 Uhr finden kostenlose öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt.

Kontakt
Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9, 33165 Lichtenau-Dalheim
E-Mail: kloster-dalheim@lwl.org

 

Floritzel – Der kleine Drache, der nicht feuerspucken konnte

Mitmach-Puppentheater für Kinder ab drei Jahren
im LWL-Ziegeleimuseum Lage

63454Lage (lwl). Im LWL-Industriemuseum Ziegeleimuseum Lage gastiert am Sonntag (30.10.) um 15 Uhr das Bielefelder Puppentheater Pulcinella mit seinem Stück „Floritzel“. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lädt Kinder ab drei Jahren ein, den kleinen Drachen auf seinen Abenteuern zu begleiten.

Anfangs sieht es gar nicht gut aus für Floritzel, denn er kann noch immer nicht Feuer spucken und das, obwohl er an seinem 500. Geburtstag die große Drachenprüfung ablegen muss!
Aber wie soll man auch ein furchterregender und schrecklicher Drache werden, wenn man viel lieber Gänseblümchen pflückt und bunten Schmetterlingen hinterherjagt?

In seiner Ratlosigkeit begibt sich Floritzel auf die Wanderschaft. Im Wald trifft er seine Freundin, die uralte Schildkröte Kassandra und den Riesen Goldauge. Beide versuchen, Floritzel mit guten Ratschlägen beizustehen, doch heutzutage lässt sich niemand mehr so schnell von einem kleinen Drachen ins Bockshorn jagen. Was nun? Nach vielen Abenteuern löst Floritzel mit Hilfe der Kinder im Publikum zu guter Letzt auch das Geheimnis des Feuerspuckens.

Beginn: 15.00 Uhr, Dauer ca. 45 Minuten
Eintritt: drei Euro

Foto: Puppentheater Pulcinella

Eröffnung der Landesfotomeisterschaft

Ausgewählte Werke im LWL-Industriemuseum
Glashütte Gernheim

"Betrachten" von Maria Menze Foto: Menze
„Betrachten“ von Maria Menze
Foto: Menze

Petershagen (lwl). Mit einer feierlichen Bekanntgabe der Gewinner des Wettbewerbs eröffnet am Montag (3.10.) der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) um 15 Uhr die Ausstellung zur Landesfotomeisterschaft in seinem Industriemuseum in Petershagen. Die für den Wettbewerb ausgewählten Fotografien sind dann bis zum 29. Oktober in der Glashütte Gernheim zu sehen. Der Wettbewerb mit freiem Thema hat ein breites Spektrum an Fotografien verschiedener Genres hervorgebracht, die sich sowohl an aktuellen Tendenzen der Fotografie orientieren, als auch traditionelle Bildmotive aufnehmen.

Bereits zum zweiten Mal stellt der Deutsche Verband für Fotografie e.V. (DVF) des Landes Westfalen anlässlich einer Landesfotomeisterschaft in der Glashütte Gernheim aus. Ausgerichtet wurde der Wettbewerb durch das Foto Forum Minden, dessen Mitglieder regelmäßig in der Glashütte ihre Werke präsentieren. Aus über 600 Einsendungen wurden bereits im Juni von einer externen Jury 163 Fotografien für die Ausstellung ausgewählt. 28 Werke erhielten eine Auszeichnung. Neben den erwachsenen Hobbyfotografen beteiligten sich auch zahlreiche Jugendliche an dem Wettbewerb.

Für alle Interessierten, die das eigene fotografische Können erweitern wollen, bietet das Foto Forum Minden während der Ausstellung drei Workshops in der Glashütte Gernheim an:

Sa, 8.10. 13-16 Uhr Porträtfotografie
Mit Armin Göhler und Michael Schöttker,
Kosten 30 Euro (einschl. Modell)

Sa, 22.10. 13-16 Uhr Der Workflow
Fotos verwalten und bearbeiten in Adobe Lightroom
Mit Dr. Andreas Tenzler und Gudrun Wöpkemeier,
Kosten 25 Euro

Sa, 29.10. 13-16 Uhr Makrofotografie
Mit Fritz Günther Röckemann, Kosten 25 Euro

Weitere Informationen zu den Workshops gibt es auf der Homepage der Glashütte Gernheim unter http://www.lwl-industriemuseum.de. Um Anmeldung unter Tel. 05707 93110 wird gebeten.

Heilendes aus Honig

Ferienworkshop zu mittelalterlicher Klosterheilkunst

Der Honig steht in der Ausstellungsapotheke schon bereit, um den alten Rezepten und Heilendem aus Honig in einem ganz besonderen Workshop auf den Grund zu gehen. Foto: LWL/N. Marschler
Der Honig steht in der Ausstellungsapotheke schon bereit, um den alten Rezepten und Heilendem aus Honig in einem ganz besonderen Workshop auf den Grund zu gehen.
Foto: LWL/N. Marschler

Paderborn. (lwl) Vor 600 Jahren kannten die Menschen noch keine Chemikalien, geschweige denn synthetisch hergestellte Medikamente, wie sie heute in jeder Apotheke zu haben sind. Damals standen in handgeschriebenen Arzneibüchern die Formeln und Zutaten, mit denen körperliche Leiden behandelt werden konnten. Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren tauchen im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn mit der neuen Sonderausstellung „1000 Jahre Abdinghof“ am 6. und 21. August tief in das 15. Jahrhundert ein. Dann öffnen sich bei einem Workshop das Abdinghofer Arzneibuch und mit ihm wertvolle Einblicke in „Heilendes aus Honig“.

Apotheker Ulrich Klinke steht bereit, um mit den Teilnehmern die Heilfähigkeit des goldenen Blütensaftes zu erkunden und mehr als 600 Jahre alte Rezepte zurück in die Gegenwart zu holen. Ob Salbe, Pflaster oder Latwerge: Das Abdinghofer Arzneibuch enthält viele Rezepturen für die Patienten des Klosterhospitals. Ausgehend von einem Erkältungsmittel, das schon Karl dem Großen geholfen haben soll, stellen alle Kursteilnehmer gemeinsam Heilendes und Wohlschmeckendes aus Bienenprodukten her.

Der Kurs kostet 33 Euro inkl. Material und Museumseintritt. Anmeldungen sind für den ersten Workshop bis zum 22. Juli und für den zweiten bis zum 5. August unter Tel. 05251 1051-10 erforderlich.

Weitere Informationen unter http://www.kaiserpfalz-paderborn.de.

LWL-Archäologie für Westfalen
An den Speichern 7
48157 Münster

 

Geheimnisse unter dem Domplatz

Paderborn (lwl). Libori wirft seine Schatten voraus. Die Arbeiten zur geplanten Neugestaltung des Domplatzes werden zur Vorbereitung auf eines der größten und traditionsreichsten Volksfeste in Deutschland vorübergehend eingestellt. Damit ruhen auch die Ausgrabungen der Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Unter dem Domplatz entdeckten die Archäologen alte Mauerzüge. Foto: LWL/S. Gai
Unter dem Domplatz entdeckten die Archäologen alte Mauerzüge.
Foto: LWL/S. Gai

Kurz vorher bietet sich die Möglichkeit, gemeinsam mit Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai einen Blick in die Zeitfenster zu werfen, die sich aktuell noch im Boden auf dem Domplatz auftun. Am Freitag (1.7.) um 16.30 Uhr gibt sie eine Führung über die Ausgrabungen.

Um den historischen Domplatz in der Innenstadt nach umfangreichen Baumaßnahmen schöner zu gestalten, werden demnächst Bäume gepflanzt. Das Team der Paderborner Stadtarchäologie begleitet diese Arbeiten mit Ausgrabungen. Hier, mitten in der historischen Keimzelle Paderborns, rechnen die Archäologen mit weiteren Zeugnissen der Stadtwerdung. Drei Wochen untersuchen sie deshalb Sondierungen im Boden. Dabei werfen vor allem die zahlreichen historischen Mauerverläufe und die Pflasterreste Fragen auf, die im Rahmen der neuen archäologischen Untersuchungen womöglich beantwortet werden können.

Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai wird alle Interessierten über die neuesten Grabungsbefunde informieren und ihnen einen Blick in die Erde ermöglichen. Treffpunkt ist am 1. Juli um 16.30 Uhr vor der Gaukirche. Die Führung ist kostenlos.

Kultur-Kooperation: Freier Eintritt in 31 Museen mit der LWL-Museumscard

„Wir wollen Besuchern die Möglichkeit geben, die vielfältige Museumslandschaft NRWs noch besser und vor allem preisgünstiger entdecken zu können“, sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Mit der LWL-Museumskarte haben Besucher freien Eintritt in 31 Museen in NRW.  Foto: LWL
Mit der LWL-Museumskarte haben Besucher freien Eintritt in 31 Museen in NRW.
Foto: LWL

Und so haben Besitzer einer Jahreskarte für die 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auch freien Eintritt in die Museen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Umgekehrt gilt das gleiche: Wer eine LVR-Museumskarte besitzt, kann die LWL-Museen ebenfalls kostenlos besuchen.

Mit einer Museumskarte des LWL oder des LVR haben Besucher Zugang zu den Dauerausstellungen in über 30 Museen in Nordrhein-Westfalen. Dazu gehören neben den 14 Schauplätzen der Industriemuseen der beiden Landschaftsverbände auch die LWL-Freilichtmuseen in Detmold und Hagen, das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, der LVR-Archäologische Park in Xanten oder das Max Ernst Museum Brühl des LVR.

Die LWL-Museumscard kostet für ein Jahr 35 Euro für bis zu zwei Erwachsene mit ihren Kindern und 25 Euro (ermäßigt 10 Euro) für Einzelpersonen. Sie kann online unter www.lwl-museumscard.de sowie vor Ort in den meisten Museen gekauft werden.

Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe

Denkmal Garten: Mit Engagement bleibt Kulturgut erhalten

In den 1950er-Jahren wurden die Paderanlagen in Paderborn als naturnaher Stadtpark gestaltet.
In den 1950er-Jahren wurden die Paderanlagen in Paderborn als naturnaher Stadtpark gestaltet.

Westfalen (lwl). So mancher Gartenarchitekt hat sich im Laufe der Jahrhunderte in Westfalen verewigt, Künstler von Rang und Namen haben den Parks der Region ihren Stempel aufgedrückt. Wachstum und Vergänglichkeit verändern die Gärten jedoch. Wie die „lebendigen“ Kulturgüter dennoch erhalten bleiben, erklären Experten bei Führungen durch ausgewählte Gartendenkmäler am „Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe“, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am 11. und 12. Juni veranstaltet.

Eine der eigenartigsten Schöpfungen der Gartenkunst in Westfalen ist das Steinfurter Bagno.
Eine der eigenartigsten Schöpfungen der Gartenkunst in Westfalen ist das Steinfurter Bagno.

Die „Königin der Blumen“ ist auch für einen Teil des historischen Palaisgartens Detmold (Kreis Lippe) namensgebend. Ende der 1960er-Jahre entstand der an einem Hang angelegte Rosengarten als Freiraum für das Konzerthaus der Hochschule für Musik. Die terrassenförmige Gestaltung mit seiner markanten Treppenanlage und formalen Rosenbeeten ist ein Beispiel für moderne Gartenarchitektur der Nachkriegszeit. Die Gestaltungsidee des Rosengartens erklärt LWL-Gartenexperte Bernd Milde am 12. Juni ab 10 Uhr. Treffpunkt ist der Haupteingang am Palais.

Gartenexperten unterwegs im Palaisgarten Detmold.
Gartenexperten unterwegs im Palaisgarten Detmold.

Das Paderquellgebiet ist die „grüne Lunge“ von Paderborn. Von dort ergießen sich mehrere Quellen in Deutschlands kürzesten Fluss, die nur vier Kilometer lange Pader. Das Areal wurde in den 1950er-Jahren als naturnaher Stadtpark gestaltet, der den Paderbornern bis heute zur Erholung dient. Er ist ein typisches Beispiel für den Zeitgeschmack der frühen Nachkriegsjahre und bis heute weitestgehend unverändert erhalten geblieben. Das Gestaltungskonzept und die Wiederherstellung der Anlage schildert der Landschaftsarchitekt Wolfgang Wette am 12. Juni ab 11 Uhr. Treffpunkt ist der südwestliche Parkeingang „An der warmen Pader“.

Vor 200 Jahren war das Bagno in Steinfurt eine Art Vergnügungspark für den gehobenen Adelsstand mit zahlreichen Attraktionen. Seitdem ist die Anlage immer wieder verändert worden oder litt unter Vernachlässigung. Heute noch kann man die außergewöhnliche Gartenarchitektur des Parkes erkennen. Der von dicht bewachsenen Ufern gesäumte See, die Ruineninsel, verschlungene Waldwege und die historische Konzertgalerie sind Höhepunkte des Bagnos. Im Rahmen der Regionale 2004 wurden verlorene Gartenpartien revitalisiert und neu interpretiert – das ist der thematische Schwerpunkt eines Rundganges mit der Landschaftsarchitektin Rebekka Junge am 12. Juni ab 13 Uhr vom Kiosk am Bagnosee.

Hintergrund
Neben den vielen Privatgärten gibt es in Westfalen-Lippe über 300 kulturell herausragende Gärten und Parks, die ganzjährig für Besucher geöffnet sind. Gartenkultur ist ein wesentlicher Teil der Identität der Region. Ganz gleich ob Land oder Stadt, ob naturbelassen oder kunstvoll gestaltet, der LWL will sie in den Fokus rücken, das Bewusstsein für diese Besonderheit schärfen und den Tourismus stärken. Die Website http://www.gaerten-in-westfalen.de bietet daher zu 130 ausgewählten Gärten und Parks ganzjährig umfassende Informationen. Zusätzlich präsentieren sich seit 2012 am „Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe“ zahlreiche Privatgärten. „Gärten und Parks in Westfalen-Lippe“ ist eine Initiative des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Projektes „Kultur in Westfalen“, das von der LWL-Kulturstiftung und der Westfalen-Initiative getragen und vom NRW-Kulturministerium gefördert wird.

Fotos: LWL

Wertschätzung für das Böckstiegel-Haus

Größter Sohn der kleinen Stadt Werther ist Peter August Böckstiegel. Neben August Macke und Wilhelm Morger ist der in seinem Geburts-und Elternhaus in Arrode 1889 geborene und 1951 gestorbene Maler, Grafiker und Bildhauer der herausragendste Vertreter des rheinisch-westfälischen Expressionismus.

Das Böckstiegel-Haus in Werther darf sich jetzt wohl freuen. Der Kulturausschuss des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hat dafür gestimmt,  den Bau des Böckstiegel-Museums finanziell zu unterstützen. Dabei geht es um Fördermittel von insgesamt 485.000 Euro.

„Das Peter-August-Böckstiegel-Haus in Werther/Arrode ist das Geburtshaus eines der relevantesten Vertreter der sogenannten Zweiten Generation des deutschen Expressionismus und der künstlerischen Moderne in Westfalen – Peter August Böckstiegel (1889 bis 1951). Es liegt eingebunden in die typische Kulturlandschaft des Ravensberger Hügellandes,“ so der LWL in seiner Vorlage zu der gestrigen Sitzung.

Böckstiegel-Haus
Schloßstraße 111
33824 Werther

 

Et labora Tag im Kloster Dalheim

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) informiert:

Seit jeher auch ein Ort des Handwerks: das Kloster Dalheim.  Foto: Lechtape, Münster
Seit jeher auch ein Ort des Handwerks: das Kloster Dalheim.
Foto: Lechtape, Münster

Historisches Handwerk im Kloster. Beim Et labora-Tag präsentieren sich in Dalheim Schmiede, Brauerei und Co.

Lichtenau-Dalheim (lwl). Es fliegen die Funken, der Backofen glüht, und das Spinnrad dreht sich: Am Sonntag, 19. April, von 11 bis 17 Uhr, lädt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur zum besonderen Familien-Rundgang „Et Labora!“ über das weitläufige Gelände des ehemaligen Klosters Dalheim in Lichtenau (Kreis Paderborn) ein. Von der Bäckerei bis zur Weberei machen hier erstmals neun Gewerke historische Handwerkskunst erlebbar.

Bäckerei, Brauerei, Brennerei, Imkerei, Gärtnerei, Schäferei, Schmiede, Stellmacherei und Weberei sind in Betrieb. Und während Besucher den Handwerkern bei ihrer Arbeit an den historischen Standorten über die Schulter schauen, backen Kinder Brezeln, filzen Bälle, schmieden Kerzenhalter oder bauen Holzschiffchen.

Historisches Handwerk am authentischen Standort
Seit der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts Dalheim im 15. Jahrhundert gehören Handwerksbetriebe fest zum Leben hinter der Klostermauer. „Sie sicherten den in Abgeschiedenheit lebenden Ordensleuten ihre Unabhängigkeit von der Außenwelt“, erläuterte Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky.

Im Braukeller: Seit 2007 wird im restaurierten Gewölbekeller an historischer Stätte, dort, wo auch schon die Augustiner Chorherren ihr Bier brauten, wieder Bier im Kloster gebraut - hier: Brauer Tobias Mergenthal von der Gräflich zu Stolberg‘schen Brauerei Westheim.  Foto: LWL/Sagurna
Im Braukeller: Seit 2007 wird im restaurierten Gewölbekeller an historischer Stätte, dort, wo auch schon die Augustiner Chorherren ihr Bier brauten, wieder Bier im Kloster gebraut – hier: Brauer Tobias Mergenthal von der Gräflich zu Stolberg‘schen Brauerei Westheim.
Foto: LWL/Sagurna

Seit der Einrichtung der Stiftung Kloster Dalheim wurden auf dem rund 7,5 Hektar großen Klostergelände immer mehr Gewerke wieder in Betrieb genommen: die historischen Werkstätten von Schmiede und Stellmacherei sowie der große Steinbackofen im Museumsfoyer. Es entstanden eine neue Klosterbrauerei und eine Klosterbrennerei. Rund 2,5 Hektar Gartenfläche wurden nach barockem Vorbild neu gestaltet. Im ehemaligen „Sassenhaus“ zogen große Schaftwebstühle und Spinnräder ein. Seit 2014 gibt es wieder Schafe und Bienen auf dem Klostergelände. Beim Et labora!-Tag präsentieren sich nun alle neun Gewerke zum ersten Mal gemeinsam.

Vielfalt klösterlichen Handwerks
Die Vielfalt der Gewerke beim Dalheimer Et labora!-Tag spiegelt die Vielfalt des klösterlichen Handwerks und seiner Produkte wider. Einst entstanden in der Schmiede Hufeisen, Werkzeuge und Reifen für Wagenräder aus der benachbarten Stellmacherei. Im Dalheimer Gewölbekeller wurde Bier gebraut. Die Weberei lieferte Stoff für die Ordenstrachten oder zum Beispiel Betttücher und Servietten. Allein die Schäferei brachte Wolle und Leder für Kleidung, Pergament für die Buchproduktion, Fett als Salbengrundlage sowie Fleisch und Milch für die Klosterküche hervor. Heute sind es besonders Brauerei, Brennerei, Imkerei und Weberei, die in Dalheim Produkte herstellen. Gewerke wie zum Beispiel die Stellmacherei werden zur Schau betrieben.

Mitmach-Programm für Kinder
Zum Et labora!-Tag gehört ein umfassendes Programm für Kinder. Unterwegs auf dem Klostergelände schließen sie erste Bekanntschaft mit Klosterschafen und -bienen, bauen Holzschiffchen und rollen ihre eigenen Blumen-Saatkugeln. Sie backen Brezeln, schmieden Kerzenhalter, wickeln Bienenwachskerzen, filzen Bälle und „tundeln“ Freundschaftbänder in der Weberei. „Spielerisch setzen sie sich mit den historischen Handwerkstechniken auseinander und erfahren, warum die Gewerke für das Kloster und seine Bewohner einst so bedeutend waren“, stellte die museumspädagogische Referentin Dr. Christiane Wabinski das Programm vor, an dessen Ende eine Auszeichnung als „Klostergeselle“ steht.

Lange Tradition: Seit 2014 gehören auch Schafe wieder zum Dalheimer Klostergelände.  Foto: LWL/Tillmann
Lange Tradition: Seit 2014 gehören auch Schafe wieder zum Dalheimer Klostergelände.
Foto: LWL/Tillmann

Et labora! im Kloster
„Mit dem Et labora!-Tag widmet sich die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur einer wichtigen Facette der klösterlichen Kultur“, führte Grabowsky zu deren Ursprüngen: Neben dem Gebet ernannte der Heilige Benedikt mit dem berühmten „Ora et labora“ (lat.: Bete und arbeite) bereits vor 1.500 Jahren auch die Arbeit zu einem der Grundpfeiler des Klosterlebens. „Das Kloster Dalheim als historischer Ort ermöglicht es uns, die Vielfältigkeit klösterlichen Lebens anschaulich zu machen“, zeigte sich Grabowsky begeistert von der neuen Veranstaltung, der das gesamte Museumsteam mit Vorfreude entgegenblickt.

Handwerkskunst zum Mitnehmen
Handwerkskunst gibt es am Et labora!-Tag im Kloster Dalheim nicht nur zum Bestaunen, sondern auch zum Probieren und Mitnehmen: frisch gebackenes Brot aus dem historischen Steinbackofen, Spirituosen aus der Brennerei, am Ort gebrautes Bier, Dalheimer Honig und Handarbeiten aus der Weberei oder Samen aus dem Klostergarten.

Rahmenprogramm
Kostenlose öffentliche Führungen gehen von 12 bis 16 Uhr stündlich durch die mittelalterliche Klosteranlage. Um 14.30 Uhr geht es mit einem Förster durch den Dalheimer Wald (Teilnahmegebühr 3 Euro für Erwachsene). Die Abtei Königsmünster (Meschede) sorgt mit Köstlichkeiten aus der Klosterküche für das leibliche Wohl, und die Musik kommt von der Blaskapelle Lichtenau.

Eintritt
Am Et labora!-Tag gilt der normale Museumseintritt: Erwachsene 6 Euro, Gruppen ab 16 Personen je Person 4,80 Euro, Kinder/Jugendliche (6 – 17 Jahre) 2,20 Euro, Ermäßigte 3,50 Euro, Familientageskarte 13,00 Euro. Bei der Teilnahme am Kinderprogramm entstehen Materialkosten in Höhe von 3 Euro pro Kind.

Ein freier Zugang zum Klosterwirtshaus ist am „Et labora!“-Tag leider nicht möglich.

Zitat
„Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können. So brauchen die Mönche nicht draußen herumlaufen, denn das ist für sie überhaupt nicht gut.“ (aus der Regel des Hl. Benedikt)

Programmübersicht

11 bis 17 Uhr
Vorführungen in Bäckerei, Brauerei, Brennerei, Imkerei, Gärtnerei, Schäferei, Schmiede, Stellmacherei und Weberei

11 bis 17 Uhr
Mitmach-Aktionen für Kinder
Brezeln backen (Bäckerei), Blumen-Saatkugeln rollen (Gärtnerei), Bienenwachskerzen wickeln (Imkerei), Bälle filzen (Schäferei), Kerzenhalter schmieden (Schmiede), Holzschiffchen bauen (Stellmacherei), Freundschaftsbänder „tundeln“ (Weberei)

12 bis 16 Uhr
Stündlich kostenlose öffentliche Führungen
durch die mittelalterliche Klosteranlage

14.30 Uhr
Försterwanderung
mit einem Förster durch den Dalheimer Wald (Teilnahmegebühr 3 Euro für Erwachsene, bitte an festes Schuhwerk und zweckmäßige Kleidung denken)

http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Volles Programm zu Ostern im Freilichtmuseum

Eierfärben wie zu Urgroßmutters Zeiten, eigene Osterkörbchen flechten oder Holzrücken mit Kaltblutpferden: Rund um die Ostertage wird selbst Feiertagsmuffeln im LWL-Freilichtmuseum Detmold nicht langweilig.

Zeigt her eure Hände: Beim Herstellen der Saatgut-Bälle im LWL-Freilichtmuseum Detmold darf in der Erde gewühlt werden.  Foto: LWL
Zeigt her eure Hände: Beim Herstellen der Saatgut-Bälle im LWL-Freilichtmuseum Detmold darf in der Erde gewühlt werden. Foto: LWL

Bereits am ersten Tag der neuen Saison am Mittwoch (1.4.) können Familien und Kinder ab sechs Jahren einen „Ausflug in die Welt der Vögel“ unternehmen. Bei einem Museumsspaziergang lernen die Teilnehmer zunächst die häufigsten Singvögel kennen, ehe sie gemeinsam einen Nistkasten bauen. Die Kosten für den Kurs betragen sechs Euro, hinzu kommen zwölf Euro Materialbeitrag. Begleitende Eltern sind frei. Treffpunkt ist um 14 Uhr der Museumseingang. Mitzubringen sind Arbeitskleidung, Hammer, ein kleiner Schraubendreher und Verpflegung.

Wer den Osterhasen ein wenig unterstützen und für ihn ein Körbchen flechten möchte, hat am selben Tag um 10, 13 oder 15.30 Uhr im Lauschhaus die Gelegenheit dazu. Die Kursgebühr beträgt acht Euro, hinzu kommen Materialkosten von ebenfalls acht Euro. Die Chance, ein Osterkörbchen zu flechten, bietet sich auch noch einmal am Karfreitag (3.4.) um 11, 13.15 und 15.30 Uhr.

Wem es noch an Dekoration für das Osterkörbchen zu Hause fehlt, der ist beim Programm „Ostereierei“ am Gründonnerstag (2.4.) und beim offenen Mitmachprogramm „Eierfärben nach Urgroßmutterart“ am Freitag (3.4.) im LWL-Freilichtmuseum an der richtigen Adresse. Bei diesen Angeboten entstehen aus ausgeblasenen Eiern auf natürliche Art gefärbte und mit Pflanzenmustern versehene Augenweiden für den Ostertisch. Die Kosten für den Workshop „Ostereierei“ betragen sechs Euro, begleitende Eltern sind frei. Treffpunkt ist um 14 Uhr der Museumseingang. Jedes Kind sollte drei rohe Eier mitbringen. Beim Mitmachprogramm „Eierfärben nach Urgroßmutterart“, das von 11 bis 17 Uhr im Haus Düsterdieck stattfindet, sind lediglich Materialkosten in Höhe von einem Euro pro Ei zu entrichten. Es können aber auch Eier mitgebracht werden, dann reduziert sich der Materialbeitrag auf 50 Cent pro Ei.

„Rund ums Ei“ dreht sich alles am Karsamstag (4.4.) in der „Filzwerkstatt“. Bei dem offenen Mitmachprogramm filzen Familien von 10 bis 12 Uhr oder von 14 bis 16 Uhr gemeinsam im Lauschhaus Eierwärmer. Dabei fallen pro Eierwärmer drei Euro Materialkosten an.

Auch nach den Osterfeiertagen lässt sich Einiges im LWL-Freilichtmuseum unternehmen. Von Mittwoch (8.4.) bis Freitag (10.4.) besteht jeweils von 10 bis 13 Uhr die Möglichkeit, das Holzrücken mit einem Kaltblutpferd selbst auszuprobieren. Mitzubringen sind wetterfeste Kleidung, festes Schuhwerk und Verpflegung, die Kosten für den dreitägigen Kurs liegen bei 35 Euro plus einmalig Museumseintritt. Für diesen Workshop ist eine Anmeldung bis zum 2. April erforderlich.

Passend zum Start in die neue Pflanzsaison beginnt am Freitag (10.4.) auch der erste Workshop zum Thema Saatgut. Von 15 bis 17 Uhr lernen Kinder von sechs bis 13 Jahren die Artenvielfalt in Gärten und auf den Speisezetteln kennen und stellen im Haus Düsterdieck kleine Saatgut-Bälle her. Die Kursgebühr beträgt vier Euro, hinzu kommen zwei Euro Materialkosten.

Zu allen Kursen, außer den offenen Mitmachprogrammen, ist eine Anmeldung im Infobüro unter Tel. 05231 706104 erforderlich. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter: http://www.lwl-freilichtmuseum-detmold.de.

Westfalens grüne Welten – Tag der Gärten und Parks

Westfalen (lwl). Westfalen-Lippe beherbergt eine Fülle an prachtvollen Grünanlagen, die das Bild der Region und ihre Entwicklung entscheidend mitgeprägt haben. Zum vierten Mal präsentiert sie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit dem Tag der Gärten und Parks. „Natürlich schön“ lautet das Motto, unter dem sich am 13. und 14. Juni 2015 über 150 Anlagen präsentieren.

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Unter dem Motto „natürlich schön“ präsentieren sich in diesem Jahr 150 öffentliche und private Gärten und Parks, wie hier im Garten Wagenhuber in Versmold. Foto: LWL

„Ob wilde Naturschönheiten oder streng symmetrische, architektonische Meisterwerke, ob Nutz- oder Ziergarten, exotische Kostbarkeiten, Park oder Promenade – kaum etwas ist so vielfältig wie die Gartenkultur“, sagt Udo Woltering, Gartenexperte beim LWL. „Der Besuch eines Gartens ist wie ein kleiner Urlaub. Gärten sind Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens, gern aufgesuchte Orte von Erholung und Genuss. Davon zeugen viele Stadt- und Kurparks, wie in Bad Oeynhausen und Bad Holzhausen im Kreis Minden Lübbecke oder Bad Westernkotten im Kreis Soest“, so Woltering weiter. In früheren Zeiten waren Gärten oft Statussymbole. Heute wecken sie Erinnerungen an Geschichte und Tradition. In herrschaftlichen Anlagen von Burgen, Schlössern und Herrschaftshäusern wie im Schlosspark Nordkirchen (Kreis Coesfeld), im Schlosspark Hovestadt (Kreis Soest) oder im Gutspark Hiddenhausen (Kreis Herford) lustwandeln heute Besucher wie Adelige vor hunderten von Jahren.

Waren Klostergärten ursprünglich eher als Nutzgärten gedacht, so sind sie inzwischen Orte der Besinnung und Einkehr. Vielerorts zeugen die ihren historischen Vorbildern getreu nachempfundenen Anlagen auch in Westfalen-Lippe davon, dass Pflanzen in der Entwicklung der Heilmittelkunde eine wichtige Rolle spielten. Davon können sich die Besucher am Tag der Gärten und Parks überzeugen.

Am Tag der Gärten und Parks öffnen die Besitzer ihre Türen, geben Tipps und fachsimpeln mit Gleichgesinnten. Jahr für Jahr nutzen beim Tag der Gärten und Parks bis zu 40.000 Besucher die Gelegenheit, in grüne Welten Westfalens einzutauchen. Über 150 private und öffentliche Anlagen nehmen Jahr für Jahr daran teil.

Neu ist dieses Mal das gemeinsame Motto „Natürlich schön“. Naturnahe Gärten stehen hoch im Kurs. Besitzer öffentlicher und privater Anlagen wollen mit zahlreichen Aktionen daran anknüpfen. Weitere Informationen unter http://www.gaerten-in-westfalen.de

Hintergrund
Neben den vielen Privatgärten gibt es in Westfalen-Lippe rund 130 kulturell herausragende Gärten und Parks, die ganzjährig für Besucher geöffnet sind. Gartenkultur ist ein wesentlicher Teil der Identität der Region. Ganz gleich ob Land oder Stadt, ob naturbelassen oder kunstvoll gestaltet, der LWL will sie in den Fokus rücken, das Bewusstsein für diese Besonderheiten schärfen und den Tourismus stärken. Die Website http://www.gaerten-in-westfalen.de bietet hierfür Informationen. Die Veranstaltung ist eine Aktion des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Projekts „Kultur in Westfalen“, das von der LWL-Kulturstiftung und der Westfalen-Initiative getragen und vom NRW-Kulturministerium gefördert wird.

Allzeit griffbereit

Paderborn (lwl). Auch im Mittelalter trug man das Wichtigste stets bei sich. Ob Kamm, Kleingeld, Pinzette oder kleine Schere: Für beide Geschlechter bergen Taschen seit Jahrhunderten die wichtigen Wegbegleiter durch den Alltag. Im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn geht es den Alltagshelfern nicht nur historisch und archäologisch auf die Spur, sondern auch ganz praktisch.

Im Mittelalter wurde alles wichtige in einer Gürteltasche verstaut.  Foto: LWL
Im Mittelalter wurde alles Wichtige in einer Gürteltasche verstaut.
Foto: LWL

„Allzeit griffbereit“ heißt der Workshop, der am 22. März von 11 bis 17 Uhr zunächst archäologisch den mittelalterlichen Zeugnissen der Gürteltasche folgt. Denn gerade in Paderborn hat die Erde viele Relikte dessen bewahrt, was Frauen wie Männer stets griffbereit am eigenen Leib durch die mittelalterlichen Straßen und Gassen trugen. Harald Fricke vom Büro für Angewandte Archäologie hält hierfür spannende Informationen anschaulich bereit. Anschließend gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit seiner Hilfe in den handwerklichen Teil über und nähen mit eigenen Händen eine Filztasche mit Lederapplikationen.

Die Kosten für diesen Workshop betragen 60 Euro pro Person inklusive Material. Zusätzlich ist der Museumseintritt zu entrichten. Anmeldungen bis zum 6. März unter Tel. 05251 1051-10.

Termin:
Sonntag, 22. März, 11 bis 17 Uhr
„Allzeit griffbereit – Fertigen einer Gürteltasche“
Workshop für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahre
Kosten: 60 Euro inkl. Material zzgl. Museumseintritt

Weitere Informationen gibt es unter:
http://www.kaiserpfalz-paderborn.de
Museum in der Kaiserpfalz, Am Ikenberg, 33098 Paderborn
Tel.: 05251 1051-10, Fax: 05251 1051-25, E-Mail: kaiserpfalzmuseum@lwl.org

Geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, an jedem ersten Mittwoch im Monat 10 bis 20 Uhr.

 

Hof Betge – Denkmal des Monats Juni

Detmold (lwl). Schon in einem Register aus dem 14. Jahrhundert wird der aus dem Frühmittelalter stammende Hof Betge in Detmold-Vahlhausen erwähnt. Jetzt wird der zuletzt kaum noch genutzte und daher nur wenig veränderte Hof saniert. Deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ihn als Denkmal des Monats Juni ausgezeichnet.

Aus der Inschrift am Dielentor geht hervor, dass das Hauptgebäude des Hofes 1743 errichtet worden ist.  Foto: Stadt Detmold
Aus der Inschrift am Dielentor geht hervor, dass das Hauptgebäude des Hofes 1743 errichtet worden ist.
Foto: Stadt Detmold

„Es gibt nur wenig Modernisierungsspuren. So lässt sich noch heute die bauliche Entwicklung der Hofanlage gut ablesen“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Anne Herden-Hubertus. „Es gibt Befunde, die die bäuerliche Alltagswelt erhellen und ein lebendiges Bild der Nutzungsgeschichte, der Veränderungen in den Lebensgewohnheiten und der zunehmenden Ertragslage und Wirtschaftskraft in der lippischen Landwirtschaft bis in das frühe 20. Jahrhundert nachzeichnen.“

Das älteste erhaltene Gebäude der Hofanlage an der Blomberger Straße ist ein Vierständerbau. Das Bauernhaus wurde laut Inschrift am Dielentorgestell am „21. Mai 1686 für Jürgen Betke und Trin Angeneta Ostering“ aufgerichtet. Die Ständer der Fachwerkkonstruktion bestehen aus Hölzern mit außergewöhnlich breiten Ständern, die einen Querschnitt von bis zu 45 Zentimetern haben. Der Boden der breiten Diele besteht noch aus gewachsenem Lehm ohne Belag. Ursprünglich schloss sich an die Diele das Flett (offene Wohnküche) an. Später wurden hier eine Stube, eine Küche und eine noch erhaltene Pumpe eingebaut. An der Außenwand sind noch die Spuren eines Backofenanbaus erkennbar.

Die Leibzucht wurde Ende des 17. Jahrhunderts gebaut, damit ist sie das zweitälteste der erhaltenen Gebäude auf dem Hof Betke. Foto: LWL/Herden-Hubertus
Die Leibzucht wurde Ende des 17. Jahrhunderts gebaut, damit ist sie das zweitälteste der erhaltenen Gebäude auf dem Hof Betge. Foto: LWL/Herden-Hubertus

Nachdem der Hof gegen Ende des 17. Jahrhunderts um eine Leibzucht (Altenteil) erweitert worden war, bauten Johann Bernd Hinner und Gret Liesabeth Betge 1743 ein größeres Vierständer-Längsdielenhaus als neues Hauptgebäude. Auffallend ist das ungewöhnlich breite linke Seitenschiff, in dem die Pferde nicht wie üblich mit den Köpfen zur Diele standen, sondern quer an einem breiten Futtergang. Dem gegenüber liegt rechts der schmalen Diele das schmale Kuhstallschiff, in dem die Kühe wie üblich mit den Köpfen Richtung Diele standen. Wirtschaftsteil und Flett sind erhalten, das Kammerfach wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert niedergelegt und durch einen zweigeschossigen Querbau ersetzt, in dem Haus- und Zimmertüren, Fenster, Treppen und Bodenbeläge erhalten sind. „Diese qualitätsvolle Ausstattung belegt, dass sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch Kreise der wohlhabenden und gebildeten Landwirte an städtischen Vorbildern orientierten und komfortablere Wohnvorstellungen für sich und ihre Familien realisierten“, so Herden-Hubertus.

Weitere Gebäude
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ein Kuhstall, der quer ans Bauernhaus angebaut wurde sowie ein großes Stall- und Scheunengebäude, das parallel zum Haupthaus errichtet wurde. Beim Bau dieses Ziegelfachwerkgebäudes mit drei Quereinfahrten wurden Hölzer eines Vorgängerbaus wiederverwendet. Um 1900 erhielt das Gebäude einen zweigeschossigen Anbau aus Bruchsteinen mit Stallungen und einem Kornboden. 1910, 1930 und 1935 wurde das Gebäude erneut erweitert. Das Bauernhaus, die Leibzucht, die Stallscheune und die Hofmauer wurden im Frühjahr unter Denkmalschutz gestellt.

Sieben Jahrhunderte gehörte der Hof der Familie Betge, zu Beginn des Jahres wurde er verkauft. Die neuen Eigentümer sanieren ihn zur Zeit. Nachdem der Hof, der lange Zeit als einer der Höfe mit den besten Böden in Lippe galt, jahrzehntelang kaum genutzt wurde, kehrt bald wieder Leben ein. In den Kuhstallanbau an das Hauptgebäude sollen wieder Rinder einziehen.

 

Ab 2015: Jakobsweg von Bielefeld nach Wesel

Münster (lwl). In Westfalen wird es ab Frühjahr 2015 einen weiteren durchgehenden Weg der Jakobspilger nach historischem Vorbild geben. Nach vier Strecken (von Osnabrück nach Wuppertal, von Marburg über Siegen nach Köln, der Trasse des alten Hellwegs von Höxter nach Bochum und der Route von Minden nach Soest) wurde im vergangenen Jahr ein Weg von Bielefeld über Münster nach Wesel wissenschaftlich erforscht. Nun wird der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den letzten Weg in Westfalen für die Öffentlichkeit aufbereiten und als rund 200 Kilometer langen Pilgerweg ausschildern lassen, wie LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschhoff-Thale am Dienstag (6.5.) in Coesfeld mitteilte. 

In Münster kreuzen sich bald zwei Wege an der Lambertikirche.
In Münster kreuzen sich bald zwei Wege an der Lambertikirche.

Über 80 Interessierte fanden sich im Coesfelder Rathaus ein, um sich über die neue Wegstrecke der Altertumskommission beim LWL zu informieren. Die Altertumskommission hofft auf Mitwirkende, die sich um die Pilger kümmern werden, ihnen beispielsweise Unterkünfte anbieten und Stempelstellen einrichten. 

Rüschhoff-Thale kündigte für das Frühjahr 2015 einen Pilger- und Wanderführer der Ost-West-Verbindung an den Rhein an (zirka 14 Euro, auch für Radwanderer). Der Führer werde den historischen Weg, die über 1.000 Jahre alte Tradition der Pilgerreise nach Santiago de Compostela (Spanien) und viele Sehenswürdigkeiten entlang der Trasse in Westfalen beschreiben. Neben ausführlichem Kartenmaterial werden zudem pilgergerechte Unterkünfte und Öffnungszeiten von Sehenswürdigkeiten nachzuschlagen sein. Gleichzeitig mit dem Buch wird auch eine begleitende Web-App abrufbar sein. So können sich technikbegeisterte Pilger nicht nur von der Ausschilderung, sondern auch von ihrem Smartphone über den Weg leiten lassen. 

Der Wanderweg ist das Ergebnis der Forschungen der Altertumskommission für Westfalen, die der LWL mit jährlich 38.000 Euro finanziert. Hinzu kommt in diesem Jahr eine Förderung durch die Sparkassen Westmünsterland und Münsterland-Ost in Höhe von insgesamt 32.500 Euro.

Bildstock am Pilgerweg im Kreis Warendorf.
Bildstock am Pilgerweg im Kreis Warendorf.



Die Trasse
Die Trasse von Bielefeld nach Wesel (vom Startpunkt an der Nicolaikirche in Bielefeld über den Jostberg, Steinhagen, Brockhagen, Marienfeld, Harsewinkel, Greffen, Bad Sassendorf, Warendorf, Telgte, Münster, Tilbeck, Schapdetten, Nottuln, Darup, Kloster Gerleve, Coesfeld, Hochmoor, Velen, Borken, Raesfeld, Kloster Marienthal nach Wesel) werde jetzt den Gemeinden vor Ort vorgestellt und bis zum Frühjahr 2015 mit der charakteristischen Jakobsmuschel (europaweit gelb auf blauem Grund) ausgeschildert, erläuterte Projektleiterin Ulrike Steinkrüger. In Wesel findet der Weg Anschluss an den bereits ausgeschilderten Weg entlang des Niederrheins bis nach Köln, wie Projektleiter Christoph Boddenbergvom Landschaftsverband Rheinland (LVR) berichtete. Damit wird der Pilgerweg ab 2015 von Bielefeld quer durch Deutschland und andere europäische Länder bis nach Santiago durchgehend ausgeschildert sein. 

Start des Jakobswegs in Bielefeld.
Start des Jakobswegs in Bielefeld.

Der entstehende Pilgerweg ist nach Angaben von Steinkrüger weitgehend an historisch belegte Wegführungen angelehnt. Steinkrüger: „Wir haben Reste von Hohlwegen gefunden, die sich durch die schweren Fuhrwerke ins Gelände eingegraben hatten. Ein besonders schönes Teilstück werden Pilger zukünftig in Darup durchqueren. Auch ehemalige Galgenstandorte und Landwehrdurchlässe sind beispielsweise Zeugnisse der alten Wegetrasse.“ 

Dass auch tatsächlich Pilger diesen Weg benutzten, zeigt zum Beispiel das im 15. Jahrhundert auf dem Jostberg in Bielefeld bestehende Franziskanerkloster. Dessen Brüder hatten sich der Versorgung der Pilger zum dort verehrten Heiligen Jodokus, aber sicherlich auch durchreisender Pilger zu anderen Zielen verschrieben. In vielen Städten bestanden Herbergen oder Hospitäler, in denen durchreisende Pilger unterkommen konnten, so z. B. in Bielefeld, Marienfeld, Warendorf und Coesfeld. Mit der alten Jakobikirche aus dem 12. Jahrhundert und einer Jakobi-Bruderschaft im 16. Jahrhundert zeigt die Stadt Coesfeld eine besondere Tradition der Verehrung des Apostels Jakobus d.Ä

 

Das Tilbecker Mordkreuz ist ein Wegeindikator.
Das Tilbecker Mordkreuz ist ein Wegeindikator.

Das Projekt wolle die mittelalterlichen Wege und die Spuren der Jakobspilger in Westfalen möglichst genau rekonstruieren, so die Vorsitzende der Altertumskommission, Dr. Aurelia Dickers: „Es gab für die Pilger in Westfalen und anderswo keine eigenen Wege, im Gegenteil: Sie suchten aus Angst vor Überfällen stark frequentierte, bekannte Trassen.“ 


Die Geschichte der Jakobspilgerwege
Die Pilgerfahrt zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren im über 2.000 Kilometer entfernten nordspanischen Santiago de Compostela hat eine Tradition, die bis ins Mittelalter zurückgeht. Man versprach sich die Heilung von Körper und Seele als Lohn für den Besuch der Kultstätte. 

Pilgerweg bei Marienfeld.
Pilgerweg bei Marienfeld.



Seit dem 10. Jahrhundert kamen aus ganz Europa Pilger, Männer und Frauen aus allen Schichten, nach Spanien, zu Fuß oder zu Pferd. Als Beleg und Erkennungszeichen diente die Jakobsmuschel, die jeder Pilger in Santiago erstehen konnte und deutlich sichtbar an der Kleidung oder Umhängetasche trug. 

„Seit einigen Jahren erlebt die Pilgerfahrt eine Renaissance, nicht erst, seit TV-Stars wie Hape Kerkeling sich auf den Weg machten: 2004, also zwei Jahre vor Erscheinen des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“, zählte man in Santiago rund 180.000 registrierte Pilger“, so die Vorsitzende der Altertumskommission. Im Jahr 2010, ebenfalls einem heiligen Jahr, in dem der 25. Juli auf einen Sonntag fiel, waren es sogar 270.000. Bereits 1987 hatte der Europarat dazu aufgerufen, die Jakobspilgerwege in Europa zu erforschen. 1993 erklärte die UNESCO den spanischen Teil des Weges, den „Camino Francés“, zum Weltkulturerbe.

Über Jakobspilger, die aus Westfalen stammen, sei insgesamt nur wenig bekannt, so die Forscherin Ulrike Steinkrüger. Bekanntester westfälischer Pilger ist Bischof Anno aus Minden, der sich in den Jahren 1174 und 1175 auf den Weg nach Santiago de Compostela machte, das damals als Pilgerort gleichrangig neben Rom und Jerusalem stand.

Das offizielle Symbol zur Kennzeichnung der Jakobswege.
Das offizielle Symbol zur Kennzeichnung der Jakobswege.



Durch eine Pilgerreise konnten Verbrecher auch ihrer Strafe entgehen, wenn ein Gericht sie dazu verurteilte. „Bettler, Räuber und Steuerhinterzieher im Pilgergewand haben zusammen mit den Strafpilgern die Pilgerfahrt im Laufe der Zeit in Verruf gebracht. Jakobsbrüder wurden vielerorts mit Gesindel gleichgestellt. In Herford, einer wichtigen Sammelstation für Pilger in Westfalen, soll die Jakobikirche 1530 wegen der Jakobspilger, die den Status für ihre Zwecke ausgenutzt haben, geschlossen worden sein“, erläuterte Steinkrüger. Für mittellose Menschen war jedoch eine Pilgerreise oft die einzige Möglichkeit, die Heimat zu verlassen. Wohlhabende konnten das Pilgern auch delegieren und einen Berufspilger mieten.

Fotos und Text: LWL

 

Westfalen-Lippe blüht auf: 130 Gärten und Parks präsentieren sich

Gartenkultur zum Entdecken, Bestaunen und Sich-inspirieren-Lassen

Westfalen. Historische Parks, herrschaftliche Schlossanlagen, liebevoll gepflegte Kleinode, kreative Arrangements und verborgene Gartenparadiese entdecken Liebhaber am Tag der Gärten und Parks am 14. und 15. Juni 2014. Und erleben ein wunderbares Stück westfälische Kultur. Neu in diesem Jahr: Die Farbe Weiß. Viele Orte inszenieren ein „Diner en blanc“.

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Bereits zum dritten Mal organisieren der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und seine Partner die Veranstaltung. Bis zu 40.000 Besucher bestaunen zum Sommeranfang die frisch erblühte Gartenpracht.

Beeindruckend vielfältig ist die westfälische Gartenkultur. Insgesamt rund 130 Anlagen, verteilt über ganz Westfalen-Lippe, nehmen an der Aktion teil. Parks an Burgen, Schlössern und Herrenhäusern präsentieren sich gemeinsam mit Stadt- und Kurparks, Gartenschauparks, Klostergärten, Botanischen Gärten und Lehrgärten. Darunter herausragende Anlagen wie der Maximilian-Park in Hamm, der Dortmunder Westfalenpark, der Gräfliche Park in Bad Driburg oder der Schlosspark in Nordkirchen.

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Das Besondere daran: Neben öffentlich zugänglichen Anlagen öffnen auch rund 100 private Gartenbesitzer ihre Türen. Und da zeigen sich echte kleine Paradiese. Lauschige Ecken, verwunschene Pfade, wild-romantische Schöpfungen der Natur oder kleine Kunstwerke von Menschenhand. Alles harmonisch umrahmt von beeindruckender Pflanzenpracht.

Vor allem Gartenliebhaber lassen sich gern von diesen grünen Welten inspirieren und tauschen Tipps aus. Um sich für die Veranstaltung zu begeistern, braucht der Besucher nicht unbedingt selbst einen „grünen Daumen“ zu haben. Auch Familien nutzen die Gelegenheit gern zu einem unterhaltsamen Ausflug. Entspannung Suchende streifen den Alltag ab und genießen den schönen Frühsommertag.

Neu ist dieses Mal das gemeinsame Motto „Die Farbe weiß“. Mit einem „Diner en blanc“ zelebrieren viele Orte diesen Gedanken. In Burg Hülshoff, im Schlosspark Siegen oder im LWL-Freilichtmuseum Detmold passt man sich mit entsprechender Tischdekoration perfekt dem Leitgedanken an. Mit blütenweißen Servietten, Kerzenleuchtern, Blütenarrangements oder feinen Porzellantellern – alles harmonisch in Weiß aufeinander abgestimmt. Auch die Gäste sind in Weiß gekleidet. Örtliche Gastronomen tischen feine Speisen auf und Besucher genießen sie unter freiem Himmel.

Weitere Informationen ab April unter http://www.gaerten-in-westfalen.de

Text und Fotos: LWL

 

Denkmal des Monats Januar

LWL zeichnet Wandelkrippe der Paderborner Marktkirche aus
Figuren wären fast Kriegsbeute geworden

Diese Krippe ist 90 Jahre alt
Diese Krippe ist 90 Jahre alt

Paderborn (lwl). Die Krippe der Paderborner Marktkirche (ehemalige Jesuitenkirche) ist eine von nur zwei erhaltenen Kirchenkrippen, die die Krippenkünstlerin Johanna Lamers-Vordermayer in den 1920er Jahren schuf. Pünktlich zum Drei-Königstag am 6. Januar hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die 1927 entstandene Krippe deshalb als Denkmal des Monats Januar ausgezeichnet.

„Das Zusammenwirken des Ausdrucks der einzelnen Figuren und eine große Liebe zum Detail sowie die Komposition insgesamt, lassen die Kirchenbesucher noch heute staunen“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler die besondere Wirkung der historischen Krippe.

Die als so genannte Wandelkrippe konzipierte Kirchenkrippe wird am 4. Advent aufgebaut und erzählt bis Mitte Januar in drei verschiedenen Bildern das vorweihnachtliche Geschehen. Dabei werden die Krippenfiguren zu unterschiedlichen Bildern passend zu den Texten der Bibel um- bzw. zusammengestellt. „So erzählt die fast 90 Jahre alte Krippe auf ihre ganz eigene Weise die Geschichte von der Menschwerdung Jesu“, sagt Heine-Hippler.

Jede der 19 Krippenfiguren hat einen Paten, der 2011 die Restaurierung "seiner" Figur gezahlt hat. Diese Figur ist eine derjenigen mit erhaltenen feinen Gesichtszügen.
Jede der 19 Krippenfiguren hat einen Paten, der 2011 die Restaurierung „seiner“ Figur gezahlt hat. Diese Figur ist eine derjenigen mit erhaltenen feinen Gesichtszügen.

Zur Krippe gehören 19 bewegliche Gliederpuppen. Sie bestehen aus stoffumwickelten Drahtgestellen; die Arme, Hände, Füße und Köpfe sind aus Holz geschnitzt. In einer Zeit, in der Krippenfiguren aus Gips den Markt beherrschten, waren die Krippen von Lamers-Vordermayer etwas Besonderes. So sah schon 1914 der Krippensammler Max Schmederer in den Werken der Münchenerin „moderne Krippen, die die Krippe wieder aus der Tiefe ihrer Verunstaltung herauszieht und sie künstlerisch und religiös läutert.“

Eine Besonderheit der Krippe war lange rätselhaft: Während einige Figuren wie Maria oder der Verkündigungsengel fein geschnittene Gesichtszüge haben, sind andere Gesichter wie das von Josef oder eines der drei Könige viel gröber geschnitten. Hermann-Josef Bentler erinnerte sich an Erzählungen und Schwarz-Weiß-Fotos seines Großvaters, der Küster der Marktkirche war. Die Fotos, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden waren, zeigten noch Wandel: Im Juli 1945 wollten sowjetische Soldaten die Marktkirche plündern. Vergeblich versuchten sie Kunstgegenstände von großem Wert mitzunehmen. Es gelang ihnen aber, einige Kisten zu greifen. In diesen Kisten waren die Krippenfiguren der Marktkirche verstaut. Wenige Tage später fand der damalige Küster die Figuren zwischen den Trümmern. Die meisten von ihnen waren erhalten geblieben, einige waren aber stark beschädigt, ihnen fehlten die Köpfe oder einzelne Gliedmaßen. Wenige Figuren, wie das stehende Jesuskind, blieben ganz verschwunden. „Die fehlenden Teile müssen dann bald ergänzt worden sein. So erzählt die Krippe nicht nur die Weihnachtsgeschichte sondern an ihr ist auch ein wichtiges Kapitel der Paderborner Stadtgeschichte abzulesen“, erklärt Heine-Hippler.

Die Gesichtszüge dieses Königs sind recht grob, er gehört zu den beschädigten Figuren.
Die Gesichtszüge dieses Königs sind recht grob, er gehört zu den beschädigten Figuren.

2011 ließ die Kirchengemeinde alle Krippenfiguren von der Beckumer Restauratorin Brigitte Schröder restaurieren. Dabei hat sie die Verklebungen an den Gelenken abgenommen, fehlende Finger ergänzt und kleinere Fehlstellen retuschiert. Die Kosten hat die Kirchengemeinde getragen, indem sie für die einzelnen Figuren Paten suchte, die für „ihre Patenfigur“ die Restaurierungskosten übernommen haben.

Hintergrund
Anfang des 17. Jahrhunderts brachten die aus Süddeutschland nach Paderborn kommenden Jesuiten die Idee mit, zur Weihnachtszeit eine Krippe aufzustellen. Damit begründeten sie einen Brauch, der bis heute von nahezu allen christlichen Kirchengemeinden auch außerhalb des Kreises Paderborn praktiziert wird.
Die Paderborner Kirchenkrippe ist ein Werk der 1870 in München geborenen Krippenkünstlerin Johanna Lamers-Vordermayer. Sie stammte aus einer Künstlerfamilie. Ihr Vater Hans Vordermayer war Lehrer für Schnitzkunst in Oberammergau, ihr Bruder Rupert Maler und ihr Bruder Matthias Bildhauer in Berlin, wo er mit dem Figurenschmuck des von Paul Wallot errichteten Reichstagsgebäudes betraut war. 1895 heiratete sie den aus Kleve stammenden Kirchenmaler Heinrich Lamers. Über ihn lernte sie den Münchener Kommerzienrat und Bankier Max Schmederer kennen, der Ende des 19. Jahrhunderts über eine große Sammlung neapolitanischer Krippen verfügte. Schmederer beauftragte Lamers-Vordermayer damit, Vorträge im Rahmen seiner umfangreichen Ausstellungstätigkeiten zu übernehmen; eine Aufgabe, die für ihren weiteren beruflichen Lebensweg von entscheidender Bedeutung sein sollte. Ausgehend von der Idee der neapolitanischen Krippenfiguren begann Lamers-Vordermayer mit der Gestaltung eigener, beweglicher Krippenfiguren.

Fotos: LWL/B. Hippler

Bruder Werners Nussecken

Lichtenau-Dalheim (lwl). Wenn Schwester Doris am Zapfhahn steht und Bruder Werner seine Nussecken mitbringt, dann ist Zeit für Europas größten Klostermarkt, zu dem das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, am Samstag und Sonntag (24. und 25. August) nach Lichtenau (Kreis Paderborn) einlädt. Zum zwölften Mal bieten Brüder und Schwestern aus rund 40 Stiften, Abteien und Klöstern jeweils von 10 bis 18 Uhr ihre Waren auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Augustiner an. Die Ordensleute kommen aus Weißrussland, Tschechien, Österreich und dem gesamten Bundesgebiet. „Es ist wieder die gesamte europäische Klosterwelt zu Gast“, freute sich Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag (22.8.).

Ort der Begegnung: "Der Markt ist für uns eine authentische Plattform, um die klösterliche Spiritualität, aber auch ganz pragmatische Lebenskultur zu transportieren", sagt Pater Werner (rechts). Der Benediktinerpater aus der Abtei Königsmünster gehört zu den Urgesteinen des Dalheimer Klostermarkts.  Foto: LWL/Tillmann
Ort der Begegnung: „Der Markt ist für uns eine authentische Plattform, um die klösterliche Spiritualität, aber auch ganz pragmatische Lebenskultur zu transportieren“, sagt Pater Werner (rechts). Der Benediktinerpater aus der Abtei Königsmünster gehört zu den Urgesteinen des Dalheimer Klostermarkts.
Foto: LWL/Tillmann

Ob handgebrautes Bier von den Schwestern im bayerischen Mallersdorf, Käse und Most aus der Benediktinerabtei Königsmünster im Sauerland, frisch gebackenes Brot der Augustiner-Chorherren aus dem Stift St. Florian in Österreich, Ikonen aus einem Kloster im weißrussischen Minsk, selbst gefertigter Silberschmuck der Eremitinnen des Hl. Chariton, exotisch anmutende Waren der Missionsschwestern aus Neuenbeken, die Blumengestecke der Benediktinerinnen aus Herstelle oder hölzerne Gartenmöbel und Kinderspielzeuge der Barmherzigen Brüder von Algasing: Das Warenangebot auf dem Dalheimer Klostermarkt ist ebenso vielfältig wie die vertretenen Ordensgemeinschaften.

Eines haben sie jedoch gemeinsam: Immer stehen die Erzeugnisse der Ordensleute in der Tradition der Klöster für achtsame Herstellung, außergewöhnliche Qualität, Reinheit und Naturnähe. Dabei spielt das Handwerk eine große Rolle: „Ob Brot und Wein, Wurstwaren, Käse und Marmeladen, Teemischungen und Säfte, Balsame und Seifen, Handarbeiten, Keramik und Schmiedewaren – alles wird sorgfältig und oft per Hand gefertigt“, sagte Kirsch mit einem Hinweis auf die Benediktregel, die schon vor 1.500 Jahren die Arbeit zu einer der Grundfesten des Klosterlebens machte.

Pflichtprogramm: Ein Bier oder eine Limonade von Braumeisterin Sr. Doris von den Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie aus Mallersdorf gehört zum Dalheimer Klostermarkt dazu. Das findet auch Pater Werner aus der Abtei Königsmünster.  Foto: LWL/Tillmann
Pflichtprogramm: Ein Bier oder eine Limonade von Braumeisterin Sr. Doris von den Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie aus Mallersdorf gehört zum Dalheimer Klostermarkt dazu. Das findet auch Pater Werner aus der Abtei Königsmünster.
Foto: LWL/Tillmann

„Selten ist ein Markt so authentisch wie der Dalheimer Klostermarkt“, erläutert Marianne Rosar: „Die Besucher kaufen direkt vom Produzenten. Was hier angeboten wird, ist selbstgehäkelt, selbstgebacken oder selbstgebraut.“

Viele der Ordensgemeinschaften sind Stammgäste in Dalheim. Sie empfinden den Klostermarkt als authentische Plattform für ihre klösterliche Lebenskultur und Spiritualität. Dafür nehmen sie weite Wege in Kauf: Die Schwestern der Hl. Elisabeth aus Minsk sind zum Beispiel knapp zwei Tage unterwegs, bevor sie ihre Ikonen und Devotionalien in Dalheim präsentieren können. Nach fünf Jahren Abstinenz werden 2013 die Hildegard-Schwestern aus Rüdesheim mit ihrem berühmten Wein, den klösterlich-schokoladigen Hildegard-Keksen und Dinkel-Produkten in der Tradition der mittelalterlichen Äbtissin und Ernährungsexpertin Hildegard von Bingen zu Gast sein.

Traditionsgemäß steht beim Dalheimer Marktgeschehen der persönliche Kontakt zwischen Ordensleuten und Besuchern im Mittelpunkt, die sich sowohl am Verkaufsstand wie auch beim gemeinsamen Gottesdienst (Samstag 17 Uhr, Zelebrant: Pater Martin Lütticke OFM, Franziskanerkloster Wiedenbrück) begegnen.

Gutes für Leib und Seele: Ordensleute aus rund 40 Klöstern, Stiften und Abteien in Österreich, den Niederlanden, Tschechien, Weißrussland und der gesamten benachbarten Region zeigen beim Dalheimer Klostermarkt, welche Kostbarkeiten in ihren Küchen, Kellern und Werkstätten entstehen. Seit Beginn mit dabei sind die Vincentinerinnen aus Paderborn.  Foto: LWL/Tillmann
Gutes für Leib und Seele: Ordensleute aus rund 40 Klöstern, Stiften und Abteien in Österreich, den Niederlanden, Tschechien, Weißrussland und der gesamten benachbarten Region zeigen beim Dalheimer Klostermarkt, welche Kostbarkeiten in ihren Küchen, Kellern und Werkstätten entstehen. Seit Beginn mit dabei sind die Vincentinerinnen aus Paderborn.
Foto: LWL/Tillmann

Vielfältiges Rahmenprogramm
Bis zu 15.000 Besucher aus der Region und dem gesamten Bundesgebiet kommen jedes Jahr zum Dalheimer Klostermarkt, der nicht nur mit seinen außergewöhnlichen Produkten große Anziehungskraft ausübt, sondern auch aufgrund seines Rahmenprogramms.

Es gibt Vorführungen historischer Handwerkstechniken wie z. B. Grünholzdrechseln, Schmiedekunst, dem Weben am Schaftwebstuhl sowie am Sonntag dem Schaubrauen in der museumseigenen Brauerei.

Kinder filzen im Spiele-Paradies Bälle, basteln Murmelharfen, Kreisel aus Holz und Spielzeug aus Ton und probieren historische Kinderspiele (Materialkosten pro Kind: 3 Euro).

Am Sonntag erwarten die Besucher in der Klosterkirche meditative Klänge vom Musikinstrument Hang mit Rainer Galota und klassische Bläsermusik mit dem Ensemble „Brass in 5“, bestehend aus Studierenden und Absolventen der Folkwang Universität Essen.

Im Eintrittspreis zum Markt enthalten ist der Besuch aller Ausstellungen des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur, das an beiden Tagen kostenlose Führungen durch die Klosteranlage, die Klostergärten und die Sonderausstellung anbietet.

Am Samstag, 24. August, findet um 17 Uhr ein Gottesdienst unter freiem Himmel (bei schlechtem Wetter in der Klosterkirche) statt. Der Zugang zum Gottesdienst ist frei.

Eintrittspreise
Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder/Jugendliche bis 16 Jahre 1,50 Euro, Kinder bis 10 Jahre frei.

Das Klosterwirtshaus ist, anders als im regulären Museumsbetrieb, während des Klostermarktes nicht frei zugänglich.

„Zeitenwende“: Wie die Moderne aufs Land kam

Der Fotograf Johann Hermann Jäger um 1900
Der Fotograf Johann Hermann Jäger um 1900

Brakel (lwl). Die industrielle Revolution läutete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Zeitenwende ein. Fotodokumente dieser Phase aus Westfalen sind rar gesät. Umso mehr freut sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), dass über 2.000 Glasnegative des Fotoateliers Jäger aus Harsewinkel (Kreis Gütersloh) in das Bildarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen übernommen werden konnten. Unter dem Titel „Zeitenwende“ hat der LWL die aussagekräftigsten Fotos in einerAusstellung und einem Bildband zusammengestellt.

 
 

Die Ausstellung, die vom 18. August bis zum 13. Oktober im Stadtmuseum Brakel, am Standort Alte Waage, am Markt 4, zu sehen ist, zeigt eine Auswahl von 40 Fotografien, darunter Porträts, Motive vom Leben auf dem Land sowie Aufnahmen von Gebäuden. „Die Bilder veranschaulichen, dass der Einbruch der Moderne im ländlichen Westfalen mit dem Verschwinden alter Traditionen einher ging“, so Dr. Volker Jakob, Leiter des Bild-, Film-, Tonarchivs im LWL-Medienzentrum.

Anton Monke und Frau, 1898
Anton Monke und Frau, 1898

Das Besondere an der Sammlung: „Über 100 Jahre lang haben vier Generationen des 1884 gegründeten Fotoateliers Bilder ihrer Heimat aufgenommen. Die Fotos zeigen, wie sich der Ort Harsewinkel vom späten Biedermeier hin zur Moderne entwickelte“, erklärt Jakob. „Beispielhaft lässt sich auf Grund einer gesicherten Überlieferung die technische, wirtschaftliche und ästhetische Geschichte des fotografischen Gewerbes im ländlichen Raum Westfalens skizzieren. Eine einzigartige Gelegenheit, orts- und landesgeschichtliche Aspekte der Geschichte der Fotografie in Westfalen zueinander in Beziehung zu setzen“, so Jakob weiter.

Der Klosterbrand in Marienfeld im Jahre 1900
Der Klosterbrand in Marienfeld im Jahre 1900

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 152 Bildern aus der Sammlung Jäger erschienen. Volkskundler, Bildwissenschaftler und Historiker erklären einleitend die westfälische Fotografie am Ende des 19. Jahrhunderts. Sie geben einen Überblick über Arbeit und Freizeit auf dem Land zwischen 1890 und 1930 und skizzieren die Geschichte Harsewinkels zwischen 1800 und 1914.

Fotoausstellung Zeitenwende
Stadtmuseum Brakel
Standort Alte Waage
am Markt 4
33034 Brakel

Bildband Zeitenwende
Aspekte der westfälischen Fotografie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
212 Seiten, 139 Schwarz-Weiß Fotos, 12 Color-Fotos
Verlag Kettler
ISBN 978-3-86206-202-7
19,90 Euro

Fotos: LWL

 

„Ehrlich sei der Mensch, hilfreich und gut“ oder…

… „Sei wie das Veilchen im Moose,
sittsam, bescheiden und rein.
Und nicht wie die stolze Rose,
die immer bewundert will sein.

Poesiealbum Living in OWL

Solche und ähnliche Sinnsprüche fanden die Älteren unter uns früher in ihren Poesiealben. Am 30. Juli ist der Internationale Tag der Freundschaft. Katharina Klapdor von der Volkskundlichen Kommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) berichtet über solche Poesiealben und Freundschaftsbücher

Poesiealben sind seit langer Zeit ein beliebtes Mittel, um Worte der Freundschaft schriftlich festzuhalten und damit für die Zukunft zu bewahren. „Und dies im wahrsten Sinne des Wortes“, wie sie anlässlich des Internationalen Tages der Freundschaft am 30. Juli erklärt. „Wer ein Poesiealbum besitzt und eine andere Person auffordert, sich dort zu verewigen, signalisiert, dass er sich für die Person interessiert und diese in Erinnerung behalten will.“

Im Archiv der LWL-Kommission bewahren die Volkskundler Poesiealben, die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. War es zunächst nur in Adelskreisen üblich, Poesiealben zu pflegen, erreichte diese Sitte schnell auch bildungsbürgerliche Kreise. Wer ein Poesiealbum besaß, ließ aber nicht nur Freunde und Freundinnen etwas hineinschreiben, sondern auch Lehrer, Pfarrer, Eltern oder Personen, die man bewunderte. In dieser Zeit waren es vor allem Erwachsene, die diese Bücher pflegten. Der Sinnspruch war als Eintrag stets beliebt, die Einträge aus dieser Zeit haben häufig einen Bezug zum christlichen Glauben. So schrieb Johanne H. aus Bielefeld im Jahr 1897 für ihre Freundin Johanne K.: „Verzage nicht! Ergib dich Gottes Willen; Mag auch in Nacht sich deine Zukunft hüllen, der lebt ja noch, der spricht: ‚Es werde Licht!‘ Verzage nicht!“

Neben diesen aufmunternden Botschaften finden sich in den Poesiealben aber auch mahnende Worte. Wilhelmine Q. aus Unna schrieb ihrer Cousine Clara Sch. im Jahr 1905: „Das Glück hat enge Grenzen, gar klein ist sein Gebiet. Verlange nicht nach Kränzen, wenn dir dein Stündlein blüht.“

Waren Poesiealben zu dieser Zeit Bücher, die lediglich auf den Einbänden reich verziert und sonst mit leeren Seiten bestückt waren, sind die Poesiealben heutzutage bereits vorformatiert. Bekannt sind Poesiealben heute vielerorts als Freundschaftsbücher. Häufig werden Fragen vorgegeben, die beantwortet werden sollen, wobei der Antwort nur eine bestimmte Zeilenanzahl eingeräumt wird. Die Fragen reichen vom Namen und dem Geburtsdatum und über Frage nach Hobbys, Lieblingsbüchern oder Lieblingsmusik bis zu der Aufforderung, dem Besitzer mitzuteilen, „Was ich dir schon immer mal sagen wollte.“ „Diese Aufforderung führe häufig zu der einfachen aber gutgemeinten Bitte: Bleib wie du bist!“, wie Klapdor hinzufügt. Die Tatsache, dass die Eintragungen im Poesiealbum, wenn sie einmal niedergeschrieben stehen, nicht wieder rückgängig gemacht werden können, führe dazu, das in diesen Alben damals wie heute ein überaus höflicher Ton herrscht.

„Poesiealben und Freundschaftsbücher geben Aufschluss darüber, wie die Menschen zu einer bestimmten Zeit in ihrem Umfeld mit Freundschaft umgegangen sind, was sie einander wünschten und mit welchen Worten sie dem jeweiligen Freund in Erinnerung bleiben wollten“, erklärt Klapdor.

Foto: © Ulrike Steinbrenner – Fotolia.com

Schöne Gärten und Parks am 9./10. Juni

Bad Driburg: Piet Oudolf-Garten Bild: Kellein

Westfalen-Lippe blüht auf. Über 100 Gärten und Parks in Westfalen-Lippe laden am ersten Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe am 9. und 10. Juni zum Entdecken ein – darunter 35 der schönsten öffentlich zugänglichen Anlagen sowie rund 70 kleinere private Gärten. Und auf der neuen, touristisch ausgerichteten Website präsentiert das Projekt „Kultur in Westfalen“ zusammen mit dem Land- schaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die kulturell bedeutendsten Anlagen aus Westfalen-Lippe

Besonders interessant für uns Ostwestfalen-Lipper: Spanferkel essen im Gräflichen Park in Bad Driburg (Kreis Höxter), im Maximilianpark in Hamm alles über die mittelalterliche Kräuterlehre erfahren oder – knapp hinter der OWL-Regionsgrenze an einer Fackelführung im Vier-Jahreszeiten-Park in Oelde (Kreis Warendorf) teilnehmen – das sind Beispiele, was man alles am Tag der Gärten und Parks in West- falen-Lippe erleben kann.

„In Westfalen-Lippe gibt es insgesamt über 300 kulturell bedeutsame Gärten und Parks. Dazu gehören Gärten an mittelalterlichen Klosteranlagen, Barock- und Landschaftsparks bis hin zu zeitgenössischen Gartenanlagen. Umso mehr gilt es, den Reichtum und die Vielfalt der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe insgesamt besser bekannt zu machen und ihre Bedeutung für die Kulturlandschaft Westfalen herauszustellen“, so LWL-Kultur-dezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. „Das ist mit der neuen Website sehr gelungen. Insbesondere freue ich mich, dass so viele Gartenbesitzer sich am Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe beteiligen.“

Auch Dr. Niels Lange, Geschäftsführer der Stiftung Westfalen-Initiative, begrüßt die Initiative der Gärten und Parks: „Besonders die Beteiligung der vielen privaten Träger zeigt, wie Westfalen hier gemeinsam seine Vorzüge präsentiert. Das verbindet auf eindrucksvolle Weise auch unsere beiden Satzungszwecke: Die Stärkung von Eigen-initiative – vor allem des bürgerschaftlichen Engagements – und westfälischer Identität. Daher sind wir bei dem Projekt gern dabei.“

Auf der neuen Website werden rund 120 Anlagen in Bild und Text vorgestellt. Hier erfährt man alles von der Geschichte der Anlagen über die oftmals im Laufe der Zeit erfolgten Veränderungen bis zu ihrer heutigen Nutzung. Insgesamt rund 1000 Bilder sollen Lust auf einen Besuch machen, und ausführliche Besucherinformationen erleichtern die Ausflugsvorbereitung. Die vorgestellten Anlagen haben die Gartenexperten von der LWL-Denkmalpflege, Landschaft- und Baukultur in Westfalen erforscht, katalogisiert, bewertet und schließlich für die Website ausgewählt. Aus OWL sind neben dem Park in Bad Driburg auch die wunderschönen Anlagenvon Bad Lippspringe, Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen, Bad Wünneberg-Haaren, Bielefeld (Obersee u.a.) Borchen, Brakel, Lichtenau (Kloster Dalheim) dabei.Außerdem sind 70 private Gartenanlagen geöfnet. Die komplette Liste gibt es hier als ausdruckbares PDF: Gärten und Parks. Die Liste der Teilnehmer

Das Projekt „Kultur in Westfalen“ hat in Zusammenarbeit mit der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen die neue Website und den Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe initiiert. Das Projekt will Kultur in Westfalen-Lippe stärken und besser sichtbar machen und damit zur Profilierung der Region beitragen. Es wird getragen von der LWL-Kulturstiftung und der Westfalen-Initiative und vom NRW-Kultur- ministerium gefördert. Das Projektbüro ist beim LWL angesiedelt, der einzigen Einrichtung, die in ganz Westfalen-Lippe und in allen Kultursparten tätig ist.

Alte Campingfilme bitte an Maleen Knorr vom LWL

Leere Gasflaschen sucht der LWL sicher nicht . Diese hier geht zum toom-Baumarkt...

Im Urlaub mit dem Zelt ins Sauerland, mit dem Wohnwagen an die Nordseeküste oder im Reisemobil an den Gardasee? Für die Wanderausstellung „Campingkult(ur). Sehnsucht nach Freiheit, Licht und Luft“, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Juni 2013 in acht westfälischen Museen zeigt, sucht LWL-Ausstellungsmacherin Maleen Knorr interessante Exponate und aufregende Geschichten.

„Ich suche Gegenstände, die Reisende in der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg für den mobilen Urlaub gebraucht haben und vielleicht sogar immer noch nutzen. Das können neben Gebrauchs- und Einrichtungsgegenständen wie Essgeschirr, Campingstühlen oder Kleidungsstücken auch Objekte zur Freizeitgestaltung sein“, sagt Knorr. Ebenso willkommen sind ihr Reiseführer, Landkarten, Fotos, Dias und Postkarten. „Neben Reiseberichten und Amateurfilmen freue ich mich besonders über ganz normale Dinge, die mit besonderen Erlebnissen verbunden sind“, so Knorr weiter. „Vielleicht sind sogar einige Leihgeber bereit, in einem Gespräch über ihre persönlichen Erlebnisse zu berichten.“

Die Ausstellung, die in Herford, Werl, Bochum, Rhede, Brakel, Schmallenberg-Holthausen, Bielefeld und Wenden zu sehen sein wird, soll zeigen, wie Menschen aus Westfalen ihren Campingurlaub vorbereiten, wohin sie reisen und wie sie ihren Urlaubs- alltag gestalten. Dabei sollen auch die unterschiedlichen Motive, die die Reisenden zu dieser besonderen Ferienform antreibt, beleuchtet werden.

Wer Gegenstände oder Berichte für die Ausstellung zur Verfügung stellen will, erreicht Maleen Knorr im LWL-Museumsamt unter der Telefonnummer 0251 591-4754 oder per E-Mail unter maleen.knorr@lwl.org. Natürlich bekommen die Eigentümer ihre Objekte nach der Ausstellung zurück. Ab Mai 2012 wird es zur Ausstellung einen eigenen Blog geben, auf dem der LWL erste Objekte und Campinggeschichten vorab präsentiert.

Unter http://www.campingsehnsucht-lwl-blog.de  kann sich dann jeder über die Ausstellung informieren und aktiv mitdiskutieren.

Hiesige LWL-Museen gut besucht

Über 1,2 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) besucht. „Entgegen dem bundesweiten Trend von sinkenden Besucherzahlen haben wir mit dem Jahr 2011 zum vierten Mal in Folge die 1,2 Millionen-Marke überschritten. Das zeigt, dass wir auch in 2011 ein interessantes, gutes und ausgewogenes Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm vorgehalten haben, das auf ein ungebrochenes Interesse der Besucher gestoßen ist. Hierbei war es uns besonders wichtig den Inklusionsgedanken zum Beispiel durch gebärdendolmetscherunterstützte Führungen für Hörgeschädigte und die Folgen des demographischen Wandels bei der Programmgestaltung, der musealen Infrastruktur und den begleitenden Service weiter auszubauen“, so die LWL-Kulturdezernentin Frau Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Für den Bezirk OWL Ostwestfalen-Lippe sehen die Besucherzahlen so aus:

Einen Besucherrekord meldet die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur. Insgesamt ließen sich im Jahr 2011 über 75.000 Besucher vom Flair des Museums inspirieren (2010: 55.000). Mit zu diesem Erfolg hat die Sonderausstellung „Macht des Wortes“ beigetragen.

Etwas weniger Besucher als im Vorjahr zählte das Ziegeleimuseum Lage (Kreis Lippe). 32.500 Menschen (Vorjahr 35.000) unternahmen eine Reise in die Geschichte der Ziegelherstellung und der Wanderziegler aus dem Lipper Land. Sehr gut besucht waren im letzten Jahr die Produktionstage sowie der traditionelle Töpfer- und der Weihnachtsmarkt.

Der verregnete Sommer, der viele Radfahrer und Tagesgäste von Fahrten zu den Ausflugszielen im Kreis Minden-Lübbecke abhielt, schlug sich in der Bilanz der Glashütte Gernheim in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) nieder: Mit knapp 20.000 (Vorjahr 21.000) Besuchern musste das Glasmacherdorf an der Weser leichte Einbußen hinnehmen. Im Jahr 2012 feiert die Glashütte Gernheim übrigens ihr 200-jähriges Jubiläum.

Für das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn mit seinen beiden Sonderausstellungen „Schätze des Mittelalters“ und „Bunte Schätze“ interessierten sich knapp 21.500 Museumsfreunde (2010: 28.500).

Einen guten Schritt voran machte das LWL-Freilichtmuseum Detmold. Mit über 186.000 Besuchern kamen rund 10.500 (plus sechs Prozent) mehr ins Museum als im Vorjahr (175.500). „Ein beachtlicher Erfolg“, so Rüschoff-Thale.

Des Dichters Handwerkszeug

Große Dichter? Davon hat Ostwesfalen-Lippe wenige....

Die seit dem Kulturkampf um 1870 herum zur größten deutschen Dichterin („katholisch“ und „westfälisch“) ernannte, wohnte jenseits des ostwestfälisch-lippischen Tellerrandes: Annette von Droste -Hülshoff (geboren 1797 auf Schloß Havixbeck bei Münster, gestorben 1848 auf Schloß Meersburg am Bodensee). Wir sind ganz sicher, oben ihr und aller Dichter Handwerkszeug zu zeigen: der gespitzte Bleistift.

In der heutigen Region OWL sind es der 1810 in Detmold geborene Ferdinand Freiligrath und der im Dezember 1801 ebenfalls in der heutigen Bezirkshauptstadt geborene Christian Dietrich Grabbe, die die feingeistig-dichterische Fahne hierzulande hochhalten. In der lippischen „Metropole“ ist es die Grabbe-Gesellschaft, die mit Aktionen, Veranstaltungen und einem hervorragenden digitalen Archiv die Erinnerung an den Dichter und tragischen Menschen wachhalten.