Das Leben wortwörtlich

Lesung findet ohne Martin Walser statt.

Martin Walser. Foto: Karin Rocholl

Der Gräfliche Park Bad Driburg teilt mit, dass der Schriftsteller Martin Walser nicht wie angekündigt an der Lesung „Das Leben wortwörtlich“ am 22. April 2018 teilnehmen wird. Der 91-jährige kann aus gesundheitlichen Gründen die Reise vom Bodensee bis Bad Driburg nicht antreten. Erfreulicherweise wird sein Sohn Jakob Augstein die Lesung allein abhalten. Wer bereits erworbene Karten zurückgeben möchte, kann dies an der entsprechenden Vorverkaufsstelle tun.

Wir wünschen Martin Walser gute Genesung!

Das Leben wortwörtlich

LESUNG und GESPRÄCH mit
Martin WALSER und Jakob AUGSTEIN

Martin Walser. Foto: Karin Rocholl
Jakob Augstein. Foto: Franziska Sinn

Sonntag, 22. April um 18 Uhr
im „Gräflicher Park Grand Resort“ Bad Driburg

Es sind Jahrzehnte, die Vater und Sohn fehlen. Jahrzehnte, in denen sie keine gemeinsame Zeit hatten, denn der Publizist  Jakob Augstein als Sohn wusste nicht, dass Martin Walser sein leiblicher Vater ist. Erst im Jahr 2002, nach 35 Jahren, erfuhr Jakob Augstein die wahren Verwandtschaftsverhältnisse. Und nun sprechen sie. Gemeinsam. In „Das Leben wortwörtlich“ werfen Vater und Sohn einen Blick auf die Kindheit Walsers, die deutsche Vergangenheit und wie er den Krieg erlebt hat. Über Walsers Vater, der Hölderlin gelesen hat, und die Mutter, die das Gasthaus führte. Sie sprechen über seine umstrittene Rede in der Paulskirche und  die öffentliche Fehde mit Marcel Reich-Ranicki. „Das Leben wortwörtlich“ ist keine Autobiographie: „Ich würde nie eine Autobiographie schreiben. Das zwingt zu einer mir unangenehmen Art von Lüge. Die Lüge im Roman ist wunderbar. Sie ist eine Variation der Wahrheit“, so Walser. In ihrem Gemeinschaftswerk sprechen Martin Walser und Jakob Augstein über sich –  und die Jahre, die ihnen als Vater und Sohn fehlen. Bewegend und voller überraschender Einsichten.

MARTIN WALSER

Der Schriftsteller wurde 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren. Im Krieg geriet er in amerikanische Gefangenschaft, ab 1947 studierte er Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie. 1998 wurde ihm der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Die Rede, die dazu in der Paulskirche hielt, war umstritten und sorgte in der Öffentlichkeit für Aufruhr, ebenso wie seine in den Medien ausgetragene Fehde mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

JAKOB AUGSTEIN

Jakob Augstein, geboren 1967, studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Politikwissenschaft in Berlin und Paris. Nach Stationen bei der Süddeutschen Zeitung und der Zeit ist er seit 2008 Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag. Er war zuletzt im Januar 2017 im Gräflichen Park und lieferte sich  – wie in der TV- Diskussionsrunde „Augstein und Blome“ – hitzige Diskussionen mit Nikolaus Blome. Die Sendung wird noch immer wöchentlich auf Phoenix ausgestrahlt.

VORVERKAUF

Der Eintrittspreis für die Veranstaltung beträgt im Vorverkauf 15 Euro, an der Abendkasse 3 Euro mehr (außer für die Mitglieder der Diotima Gesellschaft). Schüler/Studenten haben freien Eintritt bei Vorlage ihres Ausweises.

Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Das Ende ist für 19.30 Uhr vorgesehen.

Karten können an den bekannten Vorverkaufsstellen erworben werden:

  • Buchhandlung Saabel, Lange Str. 86, Bad Driburg, Tel. 05253 4596
  • Bad Driburger Touristik GmbH, Lange Str. 140, Bad Driburg, Tel. 05253 9894-0
  • Gästeservice Center im Gräflichen Park, Bad Driburg, Tel. 05253 95 23700
  • Buchhandlung Linnemann, Westernstr. 31, 33098 Paderborn, Tel.: 05251 28550
  • Buchhandlung Brandt, Westerbachstr. 8, 37671 Höxter, Tel.: 05271 1233
  • Online über www.eventim.de

Die Tochter des „Muttersohn“ und OWL

Martin Walser „Muttersohn“

Muttersohn“ heißt sein  jüngster Roman. Die Eltern betrieben die Bahnhofsrestauration und eine Kohlenhandlung in Wasserburg am Bodensee. Die Rede ist von Martin Walser, einem der größten lebenden Schriftsteller deutscher Sprache. Nicht unumstritten und streitbar. Unvergessen seine Rede 1998 in der Frankfurter Paulskirche anläßlich der Verleihung des „Friedenspreises des Deutschen Buchhandels“ an ihn, in der sein Schlußsatz „Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung. Was durch Ritualisierung zustande kommt, ist von der Qualität des Lippengebets ….“ für Aufsehen sorgte. Ignatz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, blieb sitzen und spendete keinen Beifall.

Alissa,  Tochter des „Muttersohnes“ Walser, spannt nun die Fäden nach Ostwestfalen-Lippe, genauer Gut Böckel. Am 21. Oktober 2011 erhält die Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin dort vor geladenen Gästen den „Hertha-Koenig-Preis 2011“ der Hertha-Koenig-Gesellschaft.  Als Trägerin des „Kleinen Hertha-Koenig-Preises 2011“ hat die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin von 1992 die Nachwuchsschriftstellerin Nadja Einzmann benannt.

Die „Buchhandlung am Kirchplatz“ Steinhagen von Susanne Lechtermann hatte den „Muttersohn“ liebevoll eingepackt, bevor ihn eine liebende Seele an jemand verschenkte, der gerne Walser liest.

PS: Es wird berichtet, der „Muttersohn“ habe neben den vielen „Schoßgebete„- Exemplaren, die gleichzeitig  auf Käuferwunsch bewußt nicht eingepackt wurden, einwandfrei wie „richtige“ Literatur ausgesehen.