Abblätterndes …

… so hieß der Titel des gestrigen „LIES-was“-Abends im Bielefelder Café Künstlerei. Die beiden Initiatorinnen Alexa Förster und Natalie Nicola führten durch einen heiter-besinnlichen Abend, an dem wieder Geschichten, Gedichte und Gedanken von Schreibenden vorgetragen wurden. Auch ich durfte dieses Mal mit von der Partie sein mit meiner „Eloge an den Regen“.

Alexa Förster und Petra Zreik auf dem „Lesesofa“.

Wer Lust hat, kann diese Geschichte hier noch einmal nachlesen. Am 1. Dezember findet übrigens der nächste „LIES-was“-Abend statt, dann zum Thema „Berührendes“.

Eloge an den Regen

Das war ja gar kein richtiger Sommer nun ist schon wieder Herbst wenn wir wenigstens einen schönen Altweibersommer gehabt hätten aber es regnet und regnet und jetzt fallen auch noch die Blätter …

So das Jammern vieler Menschen nach einem normalen Sommer, also einem Sommer, der bezüglich des Wetters ein wenig unbefriedigend war. Nach diesem Supersommer 2018 jedoch denke ich, dass mich viele Mitmenschen besser verstehen, wenn ich meine Freude auf den Herbst und sogar meine Eloge an den Dauerregen kundtue.

Denn ich mag den Herbst und ich mag Regen, ja ich mag sogar Schmuddelwetter.

Normal ist das nicht, ist es doch für die meisten das Nonplusultra, bis nach Mitternacht bei lauem Lüftchen draußen zu sitzen. Mache ich auch gern, aber was ist das schon gegen ein Aufwachen am frühen Morgen und draußen ein leichtes Rauschen zu vernehmen? Kaffee im Bett bei Regen. Ein Träumchen! In solchen Momenten spüre ich eine absolute Zufriedenheit in mir, sprachlos vor Dankbarkeit, geboren worden zu sein.

Oder lange düstere Regennachmittage. Die Pflichten des Tages erfüllt und ab mit einem guten Buch unter die warme Decke. Eintauchen ins Land der verwunschenen Wörter, der versteinerten Zeit. Eine Reise, auf der man milder, liebevoller, menschenfreundlicher wird. Denn Bücher sind Bewahrer all der guten Worte, die wir viel häufiger benutzen sollten: Güte. Liebe. Nachsicht. Wahrheit. Zauber.

Wann könnten wir all dies besser entdecken, als eben an so einem verregneten Tag, wenn wir draußen nichts versäumen?

Und wenn wir doch mal raus müssen?

Ich habe einen Hund, besser gesagt eine super bezaubernde kleine Hündin, und die will spazieren gehen. Bei jedem Wetter. Sicher gibt es angenehmere Gefühle, als kaltes Wasser, das den Nacken hinunterläuft oder von der Regenjacke tropfend die Hosenbeine durchnässt. Aber mal ehrlich: Wann spüren wir die Ruptur im bekannten Gewebe aus Alltag und Gewohnheit besser als in diesen Momenten, wenn wir keinen trocknen Faden mehr am Leib haben und die nassen Haare im Gesicht hängen? Wenn der Regen alle unsere Farben abwäscht? Wenn wir auf einmal wieder das Mädchen in uns fühlen. Mit Sternen und Meer in den Augen?

Und dann das Heimkommen, sich aus den nassen Klamotten schälen, sich (und den Hund) abtrocknen und sich dann in etwas Warmes, Weiches begeben. Das pure Glück!

Dann gibt es ja noch ganze verregnete Wochenenden. Dazu die Kühle des herannahenden Herbstes. Wundervoll. Schimpft bitte nie mehr über Lebkuchen, der schon im September in den Supermarktregalen auftaucht. Auch die Dominosteine sind im Frühherbst am frischesten. Draußen Regen und drinnen genügend Nahrung im Haus und die komplette Staffel einer Serie in petto. Die perfekte Symbiose!!!

Manchmal stelle ich mir dann vor, ich müsste noch irgendwo hin. Auf eine Party, ins Theater oder auf einen Geburtstag. Ich müsste mich ankleiden und zurechtmachen. Und spüre echte Dankbarkeit.

Das Leben kann einfach sein!

Foto: Torsten Förster

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