von Petra Uhmeier

Am Internationalen Frauentag wird viel über starke Frauen gesprochen.
Über Gleichberechtigung, Chancen und Selbstbestimmung.
Ich denke an diesem Tag oft an zwei Frauen, die nie von sich behauptet hätten, stark zu sein.
Meine Großmütter.
Sie hätten vermutlich nur gesagt: Wir haben einfach gelebt. Und genau dieses Leben war oft härter, als wir es uns heute vorstellen können.
Eine Kindheit mit wenigen Möglichkeiten
Meine Großmutter väterlicherseits wurde 1897 geboren als Älteste von zehn Kindern. Ihre Welt war klein, die Möglichkeiten noch kleiner. Als junge Frau arbeitete sie in einer Keksfabrik. Dort verliebte sie sich in den Sohn des Inhabers. Eine Geschichte, die damals kaum gut ausgehen konnte. Sie wurde schwanger, verlor ihre Arbeit und brachte ihr erstes Kind unehelich zur Welt.
Später heiratete sie. Nicht aus romantischen Gründen. Man tat das damals einfach. Fünf Kinder, zwei Weltkriege, ein Leben voller Arbeit. Ihr Mann trank. Wenn er betrunken war, randalierte er. Niemand hätte von häuslicher Gewalt gesprochen. In der Familie hieß es nur, er habe die Küche „umgeräumt“. Als er 1959 starb, war das für meine Großmutter, so erzählte man später, eine Art Befreiung.
Ein Leben, das plötzlich allein weitergehen musste
Meine andere Großmutter wurde 1909 geboren. Sie war Näherin. Einer der wenigen Berufe, die Mädchen damals offenstanden. Näherin, Wäscherin, Küchenhilfe. In eine fundierte Ausbildung investierte kaum jemand. Man ging davon aus, dass Frauen ohnehin heiraten würden. Und mit der Heirat endete meist auch der Beruf.
Auch ihre Ehe verlief nicht glücklich. Nach dem Krieg kam die Katastrophe. Mein Großvater kollidierte an einem unbeschrankten Bahnübergang mit seinem Auto mit einem Zug und starb. In der Familie wurde später gemunkelt, es wäre kein Unfall gewesen. Meine Großmutter blieb allein zurück, mit meiner Mutter als Kind. Einen anderen Mann hat sie nie wieder angesehen.
Frauenleben früher
Wenn man diese Lebensgeschichten nebeneinander legt, wird schnell klar, wie anders die Welt damals war. Frauen hatten kaum wirtschaftliche Unabhängigkeit. Wer heiratete, gab seinen Beruf auf. Wer unglücklich war, blieb trotzdem. Scheidungen waren selten und gesellschaftlich kaum akzeptiert. Man harrte aus.
Was heute selbstverständlich wirkt
Heute ist vieles anders.
Junge Frauen können studieren, Berufe wählen, Unternehmen gründen. Sie können eine Ehe beenden, wenn sie nicht mehr funktioniert. Sie können ihr Leben neu beginnen. Diese Freiheit wirkt selbstverständlich. Sie ist es nicht.
Die Freiheiten von heute stehen auf den Schultern der Frauen, die nie darüber gesprochen haben.
Die Frauen vor uns
Meine Großmütter hätten sich vermutlich nicht als Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung gesehen.
Die eine stand in einer Keksfabrik und verlor ihre Arbeit, weil sie schwanger war.
Die andere saß an der Nähmaschine und zog ihr Kind allein groß.
Sie hätten keine Reden über Gleichberechtigung gehalten. Sie hätten nur gesagt: „Das Leben musste weitergehen.“
Und genau das hat es getan.
Über mich
Ich schreibe auf livinginowl Kolumnen, Porträts und Reportagen über Menschen, Selbständige und Projekte aus Ostwestfalen-Lippe, über das, was sie tun, was sie antreibt und was sonst oft nicht erzählt wird.
Außerdem schreibe ich Texte für Websites, Blogartikel und Artikel über Selbständige und ihre Arbeit.
Wenn du dir einen Text über dich und deine Arbeit wünschst, findest du hier weitere Informationen:
→ Zur Leistungsseite



