von Petra Uhmeier

Mein Morgen beginnt mit Lärm.
Die Kaffeemaschine nimmt keine Rücksicht auf mein Bedürfnis nach Stille.
Wenn der Kaffee fertig ist und ich mich mit der Tasse ins Wohnzimmer setze, wird es ruhig.
Drinnen duftet der Kaffee. Draußen ist es noch dunkel oder wird gerade erst hell. Kurz darauf kommt Emmy ins Wohnzimmer. Sie legt sich neben mich aufs Sofa und schläft weiter. Gassi gehen ist später.
Eine Zeit, die viele verschlafen
Es gibt Stunden am Morgen, die die meisten nicht kennen. Weil sie noch schlafen.
Der frühe Morgen fühlt sich anders an als die Nacht. Die Nacht ist dunkel und ein wenig unheimlich. Der frühe Morgen ist still und tut noch nichts. Als würde der Tag noch leise überlegen, wie er weitergehen soll.
Das Telefon klingelt nicht. Nachrichten kommen, wenn überhaupt, nur von Menschen, die selbst wach sind und wissen, dass ich es auch bin.
Bevor der Tag etwas von mir will
Ich kann in dieser Zeit denken. Wirklich denken, nicht nur reagieren.
Ideen kommen leiser, aber klarer. Gedanken haben Platz, weil noch nichts da ist, was sie sofort wieder verdrängt.
Später füllt sich alles. Termine, Texte, Nachrichten. Aber jetzt ist noch nichts entschieden. Noch nichts schiefgegangen. Noch nichts zu spät.
Ich schreibe gerne in dieser Zeit. Oder ich sitze einfach da, mit Kaffee und einem schlafenden Hund neben mir, und habe das Gefühl, der Tag wartet noch einen Moment, bevor er anfängt.
Ich mag diesen Moment. Auch am Sonntag.



