Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

von Alexa Förster

Wieder geht ein Jahr zu Ende und wieder ging es irgendwie zu schnell vorbei. Die Erinnerung an den letzten Sonntag im Januar fällt schwer. Zu viel Zeit ist vergangen, zu viele Wochen, Tage, Stunden sind verstrichen, sind zu einem Potpourri aus Momentaufnahmen verschmolzen. Erinnerungsschichten liegen mit Marmelade verklebt aufeinander, sind mit Zuckerguss überzogen zu einem Kuchenklumpen verbacken, an dem der Sonntag als Einzelelement bis zur Unkenntlichkeit vermengt zu sein scheint.

Warum ausgerechnet dieser Sonntag? Warum denke ich ausgerechnet an ihn?

Vermutlich war es nur ein Sonntag von vielen. Einer, der nicht sonderlich nennenswert ist, der sich nicht in meinem Gedächtnis eingerichtet und dort verankert hat. Einer, an dem nur das Übliche passierte, also nichts Besonderes, nichts, das ihn so wichtig machte, dass ich ihn mir hätte merken können. Ein Sonntag, der zu einer Zeit ohne Zeit, einem Tag ohne Tag und irgendwie zu einem Nichts im Allem geworden ist.

Das war´s also! Der größte Teil meiner gelebten Zeit wabert an mir vorüber und ertrinkt unbemerkt im Nirwana des ewig Gleichen.

Aber ist es das wirklich? Ist das mein Plan? Geht das jetzt so weiter? Weiter im Sinne von an mir vorbei? Hält das Leben einmal an? Macht es eine Pause, sodass ich in Ruhe herausfinden kann, was ich tun möchte – morgen, nächste Woche, nächstes Jahr oder auch für den Rest meines Lebens? Oder bleibt alles so, wie es ist, bis zum Ende meiner Tage?

Heißt es aufstehen, essen, arbeiten, schlafen, zwischendurch chatten, shoppen, netflixen oder fernsehen, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr? Heißt es, dass die Jahre wie im Fluge vergehen und vergangen sind, bevor ich wahrnehme, dass es meine eigenen Jahre waren, die an mir vorbeirauschten, wie ein ICE auf freier Strecke?

Und was, wenn mich die Aussicht auf das, was kommt, traurig stimmt? Wenn sich ein Gefühl beißenden Verlustes einstellt, lange bevor ich begonnen habe, wirklich etwas zu verlieren?

Was wäre, wenn ich anfinge, etwas zu ändern, anfinge, hinzuschauen und mich fragen würde, wie ich mein Leben gestalten möchte? Wie und womit ich meine Zeit verbringen möchte? Was wäre, wenn ich mich jetzt, zum Abschluss eines Jahres hinsetzen und mich fragen würde:

Was war? Was wird? Was möchte ich und was nicht mehr?

Fragen würde, was eine Perspektive oder ein Herzenswunsch sein könnte?

Und was wäre, wenn ich mir dann Stift und Papier schnappen und alles aufschreiben würde? Schreiben würde, woran ich Interesse habe? Was ich unbedingt einmal tun möchte und was mich bislang davon abgehalten hat, es zu tun? Was mich reizen und aus meiner Komfortzone hervorlocken könnte?

Wenn ich beschließe würde, einen Plan zu entwerfen, mir eine Perspektive zu schaffen? Ja, was wäre dann?

Auch ein kleiner Schritt, ist ein Schritt. Es muss ja nicht gleich das ganze Leben sein, das in die Waagschale der Selbstgestaltung hineingeworfen wird. Ein Rückblick auf das was war, kann den Weg ebnen für das, was kommen mag, aber auch das, was kommen soll. Vielleicht genügt es, zu schauen, was das Positive und auch das Negative im letzten Jahr war, um zu entscheiden, was weitergehen darf und was nicht weitergehen sollte. Hinzuschauen, um sich Ankerpunkte im Leben zu schaffen, die nicht den Tag im Tag, die Woche in der Woche und das Jahr im Jahr verschwinden lassen und so die Zeit zu etwas Wertvollem, Einzigartigen machen, zu etwas, das wir selbst gestalten können.

Mehr von der Autorin, Moderatorin und Persönlichkeitsentwicklerin Alexa Förster auf der Seite  ZEIG-WAS.

Fotos: Pixabay

 

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