Reinert lässt blankziehen

Calendar Boys von Reinert

Was die Calendar Girls konnten, können die Männer der Firma Reinert aus Versmold auch. Sie machten sich nackig für einen Kalender, der vorwiegend an Fleischereifachverkäuferinnen verteilt wird. Wer’s mag….

„Versmold … macht Appetit

Gemessenen Schrittes in der Versmolder „Guten Stube“ nahe St. Petri

Er hat es an diesem frühen Morgen, der andere schon in Herrgottsfrühe an den Frühstückstisch schickte („Morgenstund hat Gold im Mund“) nicht eilig, gegenüber St. Petri, dem Wahrzeichen  von Versmold, Raum zu gewinnen. Aber man schaut doch hin. Wann sieht man schon einmal einen Wandergesellen „auf Walz“. Er nähert sich einem anderen Wahrzeichen, das seit zehn Jahren vor sich hinplätschert: der Schweinebrunnen.

Der Schweinebrunnen von Versmold

Die Geschäftsleute an diesem schönen Sommermorgen tragen einen Teil ihrer Auslagen auf den weiträumigen Platz, der auch den Wochenmarkt beheimatet. Es geht ruhig, gediegen und systematisch vor sich, was die Menschen da tun. „Passt irgendwie“, denkt man sich. Hat doch das ganz im Westen gelegene Städtchen Versmold den Beinamen „Fettfleck Westfalens“, was sich geschichtlich begründet. Versmold erhielt 1719 vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. die Stadtrechte. Das sorgte für die Ansiedlung von Leinenhändlern. Die Stadt entwickelte sich schnell zu einem Handelszentrum für die in im heutigen Ostwestfalen-Lippe schon lange verbreitete Leinenweberei und Garnspinnerei. Exportschlager war beispielsweise Segeltuch. Herstellung und Handel florierten bis Mitte des 19. Jahrhunderts und wurden dann zunehmend durch die maschinell gewebte Baumwolle aus England verdrängt. Doch klug wie man im münsterländischen Becken zwischen Halle und Borgholzhausen nun mal ist, stieg man auf die Herstellung von Fleischwaren um. Schließlich betrieb man die Schweinemast in bäuerlicher Tradition schon seit altersher. Die Vermolder Gegend ist so eine Art Sandbüchse ohne nennenswerte Höhen und Tiefen., aber vielen kargen Flächen. Landwirtschaftlich kaum nutzbar. Die Bauern trieben ihre Schweine in die Wälder, wo sie sich besonders von Eicheln und Bucheckern ernährten. Das Fleisch wurde besonders kernig, die Nachfrage nach Schinken, Mettwürsten und Speck wuchs rasant. Ende des 19. Jahrhunderts begann eine Industrialisierung der Fleischverarbeitung auf den Bauernhöfen und der Viehbestand vervielfachte sich. Die Höfe wurden nach und nach zu Fabrik en. Mit  den Fleischverarbeitungsfirmen Reinert, Wiltmann und Heinrich Nölke (Geflügelfleischproduktehersteller der Marke Gutfried) sitzen hier gleich drei namhafte deutsche Unternehmen. Versmold wird scherzhaft auch als die „Wurstküche Westfalens“ oder als „Fettfleck Deutschlands“ bezeichnet. Aber seit November 2006 lautet der neue Slogan der Stadt:

„Versmold … macht Appetit!“

Wahrzeichen von Versmold: Petrikirche