Single + Mama = allein?

 

Als ich noch verheiratet war, meinte meine damalige beste Freundin zu mir: „Das waren schöne Zeiten, als Du noch Single warst. Weißt Du noch, wie wir es uns bei Dir gemütlich gemacht haben in Deiner kleinen Wohnung? Oder wir konnten spontan ins  Kino gehen.“

Als ich dann ein Jahr später tatsächlich getrennt war, erinnerte ich sie an ihre Worte,  denn ich wäre gern mal auf Gedanken gekommen, die nichts mit Scheidung und dergleichen zu tun hatten. Als ich sie fragte, ob wir nicht mal wieder – so wie früher – gemeinsam ausgehen wollen, druckste sie herum. Schließlich meinte sie: „Du, triff dich doch lieber mit Frauen, die so sind wie Du …“ Wie ich? Ich verstand nicht sofort. Sie setzte nach: „Na, Single-Mütter halt.“

Die Worte meiner ehemals besten Freundin trafen mich unerwartet. Sie lebte mit Mann und Kindern ihren Kleinfamilie-Traum, ich hatte mich gerade getrennt und wollte auf andere Gedanken kommen. Da wusste ich zum ersten Mal: Jetzt bist du in den Augen der anderen, „anders“. Alles nur wegen des Beziehungsstatus’? Sollten wir wirklich alle noch so ticken?

In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft rühmt, alles anzugleichen: Väter nehmen Elternzeit, Frauen arbeiten in Männerberufen, Gleichgeschlechtliche Ehen und eine Vielzahl an getrennten Paaren und Unmengen von Alleinerziehenden. In so einer Zeit bist Du als Singlemutter plötzlich irgendwie übrig?

Das war meine erste Erfahrung damit, wie es ist Singlemom zu sein. Plötzlich war ich „anders“.

Es setzte sich fort. Zur Einschulung stellten sich die Eltern vor – ich war die einzige ohne Ehemann. Das fühlte sich schon etwas seltsam an und irgendwie war ich das „fünfte Rad am Wagen“. Es war für mich auch nicht so einfach, die Termine in der Schule unter einen Hut zu bekommen. Elternabende und gleichzeitig Kinder betreuen. Alles, bei dem ich die Kinder NICHT mitnehmen konnte, fiel für mich aus. Verständnis dafür brachte mir niemand entgegen. Eine Lehrerin meinte einmal, als ich leider absagen musste, „andere schaffen das doch auch!“ Ich bat sie: „Okay, dann nennen Sie mir doch bitte die Namen dieser anderen Singlemutter, damit ich sie fragen kann, wie sie es schafft, alles „unter einen Hut“ zu bekommen, damit ich es ändern kann.“ Das konnte sie nicht. Denn sie verglich mich tatsächlich mit einem Paar, das sich bei der Kinderbetreuung abwechselte und nicht mal ansatzweise mit meiner Konstellation zu tun hatte. Also schwieg sie.

Ich konnte abends keinen Papa aus dem Hut zaubern, der auf die Kinder aufpasste, damit ich zum Elternabend gehen konnte.  Ich hatte ein Stillkind zu Hause und konnte deshalb den Schulausflug nicht begleiten.  Sollte ich jemals erwartet haben, dass Eltern Rücksicht oder Verständnis zeigten, so wurde ich eines besseren belehrt. Man wird so „blind“, wenn man einen Partner an der Seite hat. Man verliert das Gefühl dafür, wie es ist, WIRKLICH allein zu sein. Und dabei jeden Tag alles alleine organisieren zu müssen. Und man wird scheinbar auch überheblich und übersieht völlig, was allein sein tatsächlich bedeutet. Ich hatte keinen Helfer in der Hinterhand, der einsprang, wenn ich nicht konnte. Ich war mein eigenes Sicherheitsnetz.

Zudem kam die Einsamkeit. Ich wurde nicht mehr eingeladen. Eine Freundin vertraute mir hinter vorgehaltener Hand an, dass ich mich bestimmt nicht wohlfühlen würde, so unter Paaren. Und, na ja, ich wäre halt irgendwie „übrig“.

Selbst in der Nachbarschaft spalteten sich die Gemüter: ich erinnere mich, das die Nachbarn neu renovierten und mich der Vater eines Tages fragte, ob ich mir mal die neuen Räume ansehen möchte. Es war heller Tag, die Kinder – deren und meine – spielten dort und so ging ich hinüber. Ich bewunderte gerade die tolle Tapete, da kam seine Frau nach Hause. Sie beachtete mich gar nicht, sondern fuhr ihren Mann an, warum er herumstehen würde. Ich bedankte mich für die Führung und wollte mich verabschieden. Sie verbot ihm mich hinauszubegleiten. Wie gesagt, die Kinder waren dabei, es war nichts Verwerfliches an der Situation. Trotzdem. Seitdem grüßte er mich nur noch, wenn seine Frau nicht dabei war. Ich war scheinbar plötzlich zu einer Gefahr für die Ehefrauen geworden: ich war das, was sie nicht sein wollten: Eine Singlemom. Und natürlich hat jede Singlemom nichts besseres im Sinn, als einer anderen Frau den Ehemann auszuspannen.

Wohingegen ich auch die Erfahrung machte, dass die Ehemänner, vereinzelt, aber immerhin, mir eindeutige Avancen machten. Nach dem Motto: die arme Frau ist bestimmt froh, wenn sie mal wieder einen Mann im Bett hat. Ich wäre sehr gern abends mal ausgegangen, so ich denn die Zeit gefunden hätte. Einfach mal mit jemandem ins Kino. Aber für die Ehefrauen ging das nur, wenn es ein Mädelsabend war. Was selten genug vorkam. Bei diesen seltenen Abenden ging es dann meistens um die Familie: was der Mann so macht, wohin sie verreisen, wer wo gebaut hat und was für eine Party man mal machen könnte. Einen Mann hatte ich nicht, für Reisen fehlte mir das Geld und für Partys fehlte die Begleitung.

Natürlich trifft man auch Singlefrauen. Aber weil sie keine Kinder hatten, war auch der Kontakt schwierig. Für nächtelange Züge durch die Disco fehlte mir die Energie und der Babysitter und zu einer Zeit, in der sie arbeiteten, war ich zu Hause und spielte mit den Kindern im Sandkasten oder machte Hausaufgaben. Ich kam dann tatsächlich auch mit einer Singlemutter ins Gespräch. Es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass sie eher eine kostenlose Kinderbetreuung suchte, denn eine Freundschaft. Also verblieb der Kontakt.  Ich war scheinbar eine neue Spezie: für die einen fehlte mir der Mann, für die anderen hatte ich zu viele Kinder. Ich war Single und eigentlich doch wieder nicht, ich hatte ja Familie. Ich war Familie und eigentlich doch wieder nicht, ich hatte ja keinen Partner.

Das alles habe ich mir später in meinem Buch „Mama will Meer“ von der Seele geschrieben. Und zu diesem Buch gab es einen Artikel in der Tageszeitung. Daraufhin bekam ich einen Schwung Leserbriefe: Briefe, die mich echt überraschten. Von Frauen, die genau das auch erlebten!! Man wird nicht mehr eingeladen, es fehlt der Mann. Ist man doch irgendwo dabei, geht es nur um den nächsten Urlaub (den man sich selbst nicht leisten kann), um Spieleabende (zu denen man nicht eingeladen wird), um finanzielle Dinge, die als Alleinerziehende nicht zu stemmen sind und sollte man nur kurz erwähnen, wie anstrengend es ist, alles allein machen zu müssen, dann fährt einem irgend eine Mutter über den Mund mit einem: „Denkst Du, mein Mann hilft mir mit? Im Prinzip sind wir doch alle alleinerziehend!“. Und schon schweigt man still, weil man weiß, diese Frauen kannst Du nicht überzeugen. So lange sie nicht selbst RICHTIG alleinerziehend sind, also allein – ohne Partner und sei er auch noch so abwesend – so lange werden sie dich nicht verstehen.

Diese Leserinnen berichteten darüber, wie einsam sie sich oft fühlten und wie ausgegrenzt dazu. Lernt man tatsächlich mal einen Mann kennen und die Kinder kommen ins Spiel, dann ist man für den Mann höchstens ein Spielball, aber mehr nicht.  Welcher Mann bindet sich die Kinder eines anderen ans Bein? Du bist wie Secondhandware, schon benutzt und irgendwie dadurch auch nicht mehr Frau, sondern eigentlich nur noch Mutter. Du wirst ausgegrenzt und gleichzeitig nimmt man Dich nicht ernst. Und diese Frauen wollten alle eins: Sie wollten sich selbst wieder wertschätzen können. Sie wollten anerkannt werden, dazu gehören.

Eine sich ständig wiederholende Frage war: Gibt es irgendwo noch andere, die so sind wie ich? Denen es auch so geht? Was wollen diese Frauen also? Sie wollen Freundinnen haben, die ihre Situation verstehen. Das müssen gar keine Singlemoms sein. Sie sollten nur nicht das Gefühl vermitteln, „mit Kind bist Du schwierig“. Sie wollen als Frau gesehen werden, ohne abgewertet zu werden. Sie wollen auch eingeladen werden; wo steht geschrieben, dass man wie auf der „Arche Noah“ nur paarweise auftreten kann? Warum lädt man nicht mehrere Singlefrauen (und -männer) ein? Und zwar ohne dass es gleich wie eine Partnerbörse aussieht? Warum sehen Ehefrauen Singlemoms oftmals als Feinde? Was steckt wirklich dahinter? Kriselt es in der Beziehung? Sucht man den Feind an der falschen Stelle? Hat man Probleme mit dem eigenen Selbstbewusstsein?

Ich habe dazu eine Umfrage gemacht und Singlemütter verschiedener Altersgruppen befragt und die Antworten waren sehr unterschiedlich:

Regina, 43 Jahre, seit sieben Jahren alleinerziehend, drei Kinder berichtet:

„Ich habe noch immer den Freundeskreis, den ich auch vor meiner Ehe hatte. Teilweise kennen wir uns sogar aus dem Kindergarten. Die Kinder spielen zusammen, wir Mütter treffen uns regelmäßig ohne Männer und trinken Kaffee oder gehen mal Essen. Klar, ich bin nicht so frei, muss die Betreuung organisieren. Mein Exmann ist aber zuverlässig. Wenn er die Kinder hat, habe ich frei. Das brauche ich aber auch. Wenn mal was kaputt ist im Haus oder am Auto, „leihen“ mir meine Freundinnen auch mal ihren Mann aus. Allein würde ich das sonst nicht schaffen. Ich bin froh, das es so ist. Natürlich fehlt mir auch mal jemand zum „in den Arm nehmen“ oder um Probleme mit den Kindern zu diskutieren. Wie gesagt, mein Exmann nimmt die Kinder zwar regelmäßig, aber unser Verhältnis ist nicht so toll, als das wir miteinander mehr als nötig reden. Wenn ich dann sehe, wie es in anderen Beziehungen läuft, das tut manchmal schon weh. Ich bin nicht unbedingt einsam, aber ich sitze schon abends allein auf dem Sofa und meine Kommunikation beschränkt sich vorwiegend auf das Telefon oder über kurze Begegnungen. Als Paar hat man mehr Möglichkeiten. Und ja, manchmal beneide ich die anderen Frauen um ihre Beziehung, nicht um den Mann, aber darum, nicht immer alles allein entscheiden zu müssen.“

Tanja, 37, seit zwei Jahren getrennt, 1 Kind:

„Für mich hat sich die Situation durch die Trennung verbessert. Mein Ex kam gar nicht gut klar mit meinen Freunden. Er kam auch ungern mit, wenn wir mal eingeladen waren. Er ist lieber mit seinen Kumpels los oder zum Fußball. So hat jeder seinen Freundeskreis behalten. Derzeit geht es mir ganz gut so, wie es ist. Ich würde aber lieber wieder eine Beziehung haben. Ich hätte nicht gedacht, wie hart das ist, allein zu sein. Also immer. Wenn ich krank bin, wer kümmert sich um die Kleine? Wer bringt sie in den Kindergarten? Wer holt sie ab? Wer kocht? Wer kauft ein? Das Weggehen abends oder mal mit einer Freundin Kaffeetrinken ist ja das Eine. Aber mir fehlt eher jemand, der mich im Alltag unterstützt. Wenn ich krank bin, stoppt zu Hause alles. Ich kann dann meine Tochter nur zu Hause versorgen, Kindergarten fällt dann aus. Das ist schade, aber ich kann es nicht ändern. Das sehen viele Frauen gar nicht, die in einer Beziehung sind. Das man nämlich auf sich gestellt ist und keinen hat, auf den man zurückgreifen kann.“

Steffi, 29, frisch getrennt, Zwillinge:

„Ohne meine Familie wüsste ich nicht, wie ich das schaffen sollte. Sie springen ein, wenn ich mal nicht kann. Dafür bin ich dankbar. Ich weiß, das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich sehe das in der Schule, wenn die Alleinerziehenden abgehetzt zum Elternabend kommen, weil der Babysitter sich verspätet hat oder wenn ein Kind krank ist und dergleichen. Meine Eltern helfen mir da sehr. Das beruhigt mich natürlich und deshalb schiebe ich auch keine Panik, wenn die Erkältungszeit ist und wir krank sind. Dann kommt die Oma und kocht oder versorgt die Kinder. Freunde? Wenig. Eher oberflächlich. Ich kenne einige Mütter von der Schule oder vom Verein her. Richtig in Kontakt komme ich aber nicht. Es bleibt beim „Hallo“ und „Tschüss“. Ich fühle mich manchmal ausgegrenzt oder auch nicht verstanden. Familie ist gut, klar, aber nicht alles. Ich würde gern auch als Frau was machen, rauskommen, was unternehmen, tratschen, so wie früher. Wenn man mit anderen Müttern zusammensitzt, kommt aber meistens deren Familienleben auf den Tisch. Und wenn ich mich mal ausheulen will, dann verstehen die das nicht. Die können sich nicht vorstellen, wie es ist allein zu sein. Und auch der finanzielle Aspekt. Mir fehlt oft das Geld. Kann meinen Kindern vieles nicht kaufen. Ich habe nur einen Halbtagsjob und das reicht hinten und vorn nicht. Da kann ich nicht mal eben für 100 Euro eine Markenjacke kaufen. Dann fühl ich mich echt ausgeschlossen. Ich muss die Jacke gar nicht haben, aber ich will auch nicht ständig das Gefühl haben, wie arm ich eigentlich bin.“

Simone, 41, fünf Jahre getrennt, zwei Kinder:

„Freunde? Schwierig. Mein Freundeskreis hat sich irgendwann aufgelöst. Zu Geburtstagen wurden halt Paare eingeladen, da war ich nicht mit dabei. Am Anfang schon, dann nicht mehr. Vermutlich, weil ich keinen passenden Partner hatte. Ich hab auch gemerkt, dass mich manche Frauen anders behandelt haben. Wenn ich dem Mann was gesagt habe, wurden die schon zickig. Könnte ich als Kompliment sehen, wie begehrenswert ich doch sein muss, hat mich aber eher traurig gemacht: So sehen sie mich also? Ich habe das nach einem Elternabend, als wir noch in ein Bistro gegangen sind, mal knallhart gesagt: „Als ob eine Singlemutter sich einen Mann mit Kindern aus einer Beziehung nehmen würde. Wer will das schon? Die Frau, die das denkt, hat wohl eher Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein oder mit der Beziehung.“ Zack, das hat gesessen. Beim nächsten Mal sind sie ohne mich los. Da scheine ich wohl in ein Wespennest gestochen zu haben. Aber – so ist es doch? Warum sollte ich eine Freundschaft aufs Spiel setzen für einen gebundenen Mann? Überhaupt, der war vorher ein Freund und ist es noch, aber mehr nicht. Warum kapieren die Frauen das nicht?

Und dann sind sie ja alle irgendwie „alleinerziehend“. Der Mann arbeitet und schon sind sie mit mir auf einer Stufe. Die wissen gar nicht, wie gut sie es haben, dass sie finanziell anders eingestellt sind; dass jemand da ist, mit dem sie sich austauschen können. Mein Exmann ist nicht nur weg, er ist auch mein Feind. Wie oft versucht er, über die Kinder, mir Probleme zu machen? Lerne ich tatsächlich mal jemanden kennen, mischt er sich in die Beziehung ein, indem er die Kinder aufhetzt, damit sie den neuen Freund ärgern. Und wenn ich was mit ihm besprechen möchte, hat er keine Zeit oder kein Interesse. Dabei geht’s um die Kinder. So, das berücksichtigen die „Pseudo Alleinerziehenden“ nämlich gar nicht. Wie schwierig so ein Expartner sein kann. Und ja, ich hätte gern Freunde. Freunde, die mich einladen, auch ohne Partner. Und Freunde, die auch mal zuhören, wenn ich reden möchte. Wenn es mir nicht gut geht. Das ging doch früher auch? Warum jetzt nicht mehr? Das Alleinsein ist gar nicht das schlimmste, das schlimmste ist, wenn man alleingelassen wird.“

Thea, 33, zwei Jahre getrennt, ein Kind:

„Ich habe nach der Trennung erstmal völlig isoliert dagestanden. Ich hatte zwar eine gute Freundin, die steht auch zu mir. Aber das war es. Und alles auf sie abladen wollte ich auch nicht. Ich habe überlegt, was ich machen könnte. Wie hätte ich es früher als Single gemacht, ohne Kind? Also hab ich es erst im Sportverein versucht, aber da waren eher  Frauen ohne Kind. Die hatten mit Kindern auch noch nicht viel am Hut, also das war höchstens mal was Trinken nach dem Training. So Kontaktbörsen wollte ich nicht, ich suchte ja Frauen, keine Männer. Dann hab ich gedacht, vielleicht kann ich das nicht erzwingen, das muss sich ergeben. Ich mache jetzt was, was ich zeitlich und finanziell hinbekomme und wozu ich Lust habe. Es gab bei der Volkshochschule einen Nähkurs, da hab ich mich angemeldet. Ich wollte sowieso immer mal was für meine Tochter selbst nähen. Und im Kurs hab ich dann andere Frauen kennengelernt. Erst blieb es beim Treffen im Kurs, später haben wir uns dann auch bei uns zu Hause getroffen, zusammen genäht oder einfach nur mal was gegessen oder geredet. Da war das Singlemutter sein von mir kein Thema. Klar, ich bin schon anders, weil ich halt nichts vom Mann erzählen kann und bei manchen Themen bin ich nur Zuhörer, aber es geht. Es tut gut, einfach Kontakte zu haben. Es muss nicht immer der große Tiefgang sein, bei dem man sich total öffnet. Aber wir haben Spaß und ich kann mal nur ich sein, was mir richtig gut tut. Und sonst habe ich ja noch meine beste Freundin. Ich kann mir vorstellen, dass langjährige Freundschaften auch eine Trennung vom Partner überstehen. Weil man als man selbst wahrgenommen wird.“

Zwei Dinge kristallisierten sich heraus:

1. Echte gute Freunde, die bleiben.

2. Je offener die Frauen aufeinander zugingen, desto besser waren die Kontakte.

Am auffälligsten war, dass viele Frauen IN einer Beziehung sich selbst schon als alleinerziehend sahen, weil der Mann sich wenig in die Familie einbringt, beruflich viel unterwegs ist oder die Frau ebenfalls berufstätig sein muss. Dieses „ALLEIN“ in „Alleinerziehend“ scheint bei vielen gar nicht angekommen zu sein, was es tatsächlich bedeutet. Du hast niemanden, der mit Dir gleichberechtigt die Familie zusammenhält. Es ist entweder Hilfe über die Familie oder dem Freundeskreis oder Fremden (Tagesmutter, Kindergarten, etc.) vorhanden. Aber kein Partner, der den Alltag teilt, und sei es auch zeitlich eingeschränkt.

In vielen Fällen hat man dazu noch Probleme mit dem Expartner, die zusätzlich belasten oder man ist finanziell sehr eingeschränkt, immer am Limit, was die eigene Kraft betrifft. Und dazu die Sorge, was ist, wenn ich selbst ausfalle? Wer ersetzt mich, wer springt ein? Das ist belastend.

Dazu hatte ich ein Schlüsselerlebnis:

Meine damalige beste Freundin, die mit dem Superspruch und die mich immer ein wenig belächelt hat, wenn ich von meinem Alltag als Singlemom berichtete und wie schwer manches ist, die sagte mir: „Stell Dich nicht so an, Prinzessin. Du hast doch eine Wohnung und ein Auto, was willst Du noch? Ob nun mit Mann oder ohne, das spielt doch keine Rolle. Du hast wenigstens keinen Stress mit dem Mann, das ist doch auch was.“ Und diese besagte Freundin rief mich eines Tages an, sie war mittlerweile frisch getrennt und erlebte ihren Partner nun als völlig verändert, was die Trennung bewirkt hatte. Und sie sagte mir die magischen Worte am Telefon:

„Ich wollte mich bei Dir entschuldigen, für den ganzen Mist, den ich so gesagt habe. JETZT weiß ich erst, wie scheisse es ist, allein zu sein.“

Hier nun ein paar Ideen für Singlemütter:

a) Allem voran: Wie reagiert mein Freundeskreis? Werde ich noch eingeladen, gehöre ich dazu? Bekomme ich Hilfen? Wenn nicht – unbedingt ansprechen. Aber nicht beleidigt oder enttäuscht reagieren, sondern vielmehr das Gespräch suchen und schildern, wie es sich anfühlt, wie man gesehen werden möchte. Man wird schnell merken, ob das Gegenüber darauf eingeht oder eher unangenehm berührt reagiert. In dem Fall: das sind keine Freunde, höchstens Bekannte. Da lohnt es sich, die Erwartungshaltung zurückzuschrauben.

b) Vernetzen. Das Allerwichtigste! Schreibt Zettel und hängt sie aus: gute Plätze sind – Kinderarzt, Gynäkologe (da muss jede Frau ja mal hin), Supermarkt, Kindergarten, Schule, Sporthalle, etc. Überall da, wo ihr gern seid oder hingehen müsst und wo FRAUEN vermehrt auftauchen.

c) Im Internet nach Alleinerziehenden googeln. In den sozialen Medien gibt es viele Gruppen für Alleinerziehende. Dort kann man sich oftmals mit Postleitzahl vorstellen und so Kontakte knüpfen. Manchmal reicht auch, sich zu schreiben oder zu telefonieren. Wichtig ist, überhaupt in Kontakt zu kommen! Gemeinsam findet man oft Lösungen oder hat zumindest Gleichgesinnte zum Reden und Schreiben.

c) Sich ein Hobby zulegen, was finanziell und zeitlich passt: im Sportverein, Volkshochschule, Malkurs, Kochen, egal. Vielleicht auch mal Nachfragen, ob es Kurse speziell für Singles gibt oder für Frauen. VORSICHT! Manche Kurse sind tatsächlich für Singles, werden aber gern als Kontaktbörse gesehen. Nehmt auch Kurse, die nicht auf den ersten Blick nach Singles aussehen, was wolltet ihr immer mal gern machen? Den Sprachkurs? Klöppeln? Asiatisches Kochen? Egal – Gleichgesinnte haben schon mal eine Gemeinsamkeit, das verbindet. Vielleicht nur für den Kaffee nach dem Kurs, aber immerhin! Aus jedem Kontakt kann sich ein weiterer Kontakt knüpfen. Und es entspannt und entschleunigt den Alltag.

d) Sich nicht verbiegen oder anfangen, sich selbst zu verleugnen oder die Kinder abzulehnen, weil sie im Weg sind. Das kann passieren, wenn man ständig ausgegrenzt wird oder sich einsam fühlt.

e) Die Zeit mit den Kindern genießen, viel mit ihnen unternehmen. Das sind besondere Momente – ihr bestimmt, was ihr unternehmen wollt. Das kann eine ganz innige Zeit sein und ihr lebt für den Moment.

f) Diese Zeit auch für SICH nutzen: Schönheitspflege, abends gemütlich eine DVD gucken, wenn die Kinder im Bett sind; lesen, Musik hören, alles Dinge, die man gut allein machen kann und wichtig: das alles auch GENIESSEN!!

Diese Liste kann jederzeit ergänzt werden. Sicherlich ist alles davon abhängig, wie lange man schon miteinander befreundet ist, wo man wohnt, wie man sich selbst verhält. Aber – es lohnt sich, Dinge auszuprobieren. Wir haben heutzutage durch das Internet viel mehr Möglichkeiten uns zu kontakten, zu vernetzen, auszutauschen. Die erste Anlaufstelle sollten WIR sein.

Und was ist nun aus mir geworden? Ich habe in der Zwischenzeit selbst einige Singlemomgruppen gegründet oder bin in anderen Gruppen aktiv dabei. So habe ich seit Jahren wirklich gute Freundinnen getroffen – einige kenne ich sogar persönlich. Ansonsten tut es so gut, wenn man weiß, es ist jemand der, dem es genau so geht. Außerdem habe ich einen Mütter-Stammtisch vor Ort gegründet (Aushang damals im Kindergarten) – für alle Mütter, die Lust auf wöchentliches gemeinsames Frühstücken hatten. Diese regelmäßigen Treffen bringen Abwechslung in meinen Alltag.

Und dann habe ich über den Alltag einer Singlemom zwei Bücher geschrieben, mit allen Sonnen- und Schattenseiten, die sich so zeigen. Der rote Faden in den Büchern ist der Humor. Meiner Meinung nach das Wichtigste. Ehe ich mich über etwas aufrege, versuche ich die Sache mit Humor zu betrachten. Gelingt natürlich nicht immer – aber es wird besser. Wenn ich einen Wunsch habe, dann den, dass die Etikettierung wegfällt:

Ich bin in erster Linie ICH – und das ist gut so.
Das neue Buch von Sabine Christel „Frauen sind anders, aber Mann gewöhnt sich daran“ ist im Buchhandel oder über Amazon erhältlich.

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