Johanniskraut: Wirkung auf unsere Gesundheit

Ein Beitrag von Andreas Humbert

Johanniskraut – St Johns wort 33

 

Menschen verwenden Johanniskraut bereits seit Jahrhunderten als Heilpflanze. Heutzutage ist es vor allem für seine stimmungsaufhellende Wirkung bekannt und kommt zur Linderung von leichten Depressionen zum Einsatz.

Was ist Johanniskraut?

Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine blühende Pflanze aus der Familie der Hartheugewächse (Hypericaceae). Seinen Namen hat die Pflanze von den leuchtend gelben Blüten, die angeblich um den Geburtstag von Johannes dem Täufer herum zum ersten Mal blühten. Im Englischen kennt man das Johanniskraut unter dem Namen St. John’s Wort.

Die Wirkung von Johanniskraut

Das Johanniskraut ist eine Pflanze mit vielen Blüten. Und genau diese sind auch für seine Wirkung verantwortlich. Man verwendet die Blüten, um Tees, Extrakte oder auch Pillen herzustellen.

Die antidepressive Wirkung von Johanniskraut ist allgemein bekannt. Doch was sagt die Studienlage hierzu?

Eine Metastudie von 2008 untersuchte hierzu 29 Studien mit insgesamt 5489 Patienten und kam zu dem Schluss, dass Johanniskraut bei der Behandlung von Depressionen wirksam sein kann (1).

Einer weiteren Metastudie aus dem Jahr 2016 zufolge sei Johanniskraut bei leichten bis mittleren Depressionen sogar ähnlich wirksam wie verschreibungspflichtige Antidepressiva (2).

Auch wenn die Wirkweise von Johanniskraut noch nicht entschlüsselt ist, so vermutet man doch sehr stark, dass die Wirkstoffe Hypericin und Hyperforin für die Wirkung verantwortlich sind. Sie scheinen unsere Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin positiv beeinflussen und dadurch unsere Stimmung zu verbessern.

Leider wird Johanniskraut als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft mit der Folge, dass es Ärzte nicht auf Rezept verschreiben und die Krankenkassen die Kosten nicht erstatten dürfen. So bleibt den Betroffenen nur die Option, Johanniskraut auf eigene Kosten selbst auszuprobieren.

Wie lange dauert es, bis Johanniskraut wirkt?

Johanniskraut ist kein Wundermittel, welches von heute auf morgen wirkt. Wer hätte das gedacht?

Zwar kann es bei „nur“ leichten depressiven Verstimmungen bereits nach wenigen Tagen zu einer Verbesserung der Stimmungslage kommen. Je nach Schwere der Depression kann es aber auch mehrere Wochen und manchmal sogar Monate dauern, bis die Wirkung einsetzt. Das kennen wir so ganz ähnlich von rezeptpflichtigen Antidepressiva.

Dosierung von Johanniskraut

Die typische Dosierung von Johanniskraut liegt zwischen 300 mg und 1200 mg täglich. Sie wird üblicherweise in 2-3 Tagesdosen aufgeteilt: z.B. morgens und abends 600 mg oder morgens, mittags und abends je 300 mg.

Auch wenn Johanniskraut weniger Nebenwirkungen als echte Antidepressiva hat, so sollte man dennoch mit einer kleinen Dosis von 300 mg beginnen, um die Verträglichkeit zu testen. Anschließend kann man die Dosis dann schrittweise auf 600 mg, 900 mg und 1200 mg erhöhen.

Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Johanniskraut hat leider den Nachteil, dass es viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann. Deswegen ist bei der Kombination mit anderen Arzneimitteln Vorsicht geboten.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass Johanniskraut die Aktivität bestimmter Leberenzyme beeinflussen. Das hat zur Folge, dass andere Arzneimitteln in unserer Leber schneller abgebaut werden könnten. Das würde die Dosis und Wirkung der anderen Medikamente herabsetzen. So sind u.a. Wechselwirkungen mit Blutverdünnern, Verhütungsmitteln und Medikamente gegen Epilepsie bekannt.

Eine Studie aus 2011 fand Hinweise, dass Johanniskraut die Wirksamkeit von Xanax verringern kann (3). Xanax ist ein Benzodiazepin, welches in Notfällen zur Linderung von Angstzuständen eingesetzt wird .

Auch eine Kombination mit anderen Antidepressiva ist kritisch. Vermutlich aufgrund ähnlicher Wirkweisen, kann Johanniskraut in der Kombination mi Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) und MAO-Hemmern zu einem gefährlichen Anstieg von Serotonin kommen, dem Serotonin-Syndrom. Dies macht sich in Form von Verwirrung, Fieber, Herzrasen, Schüttelfrost, Durchfall und Muskelkrämpfe bemerkbar und kann sogar tödlich enden.

Insgesamt lautet deshalb die Empfehlung, dass man Johanniskraut am besten gar nicht mit anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten kombinieren sollte.

Auch Schwangere und Stillende sollen sicherheitshalber auf die Einnahme von Johanniskraut verzichten.

Zuletzt sollte man noch auf dem Schirm haben, dass die Einnahme von Johanniskraut zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit führen kann. Also besser die Sonne meiden oder mit ausreichend Sonnenschutz einem Sonnenbrand vorbeugen.

Fazit

Johanniskraut ist ein Heilkraut, dessen antidepressive Wirkung es bei leichten bis mittleren Depressionen locker mit rezeptpflichtigen Antidepressiva aufnehmen kann. Dies ist durch eine große Anzahl an Studien und Metastudien belegt.

Voraussetzung ist jedoch, dass man sonst keine Medikamente einnimmt, da es durch die Kombination mit Johanniskraut zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen kann.

Leider wird Johanniskraut als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft und kann deswegen nicht „auf Kasse“ verordnet werden. Das kann einen nachdenklich stimmen.

Sollte nicht die Wirksamkeit der ausschlaggebende Punkt sein und nicht die Tatsache, ob etwas pflanzlich oder pharmakologisch ist?

Quellen:

  1. https://www.cochrane.org/CD000448/DEPRESSN_st.-johns-wort-for-treating-depression.
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5010734/
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22139684

https://www.healthline.com/health-news/is-st-johns-wort-safe-08061

Foto: clipdealer

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