Ralf J. Wigand: Polyneuropathie – Hilfe bei unheilbarer Krankheit

Der Bielefelder Heilpraktiker Ralf J. Wigand über ein vermeidbares Schicksal

Teil 1

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Zum peripheren Nervensystem gehören alle Nerven, die außerhalb vom zentralen Nervensystem liegen. Das periphere Nervensystem fängt bei den Nervenwurzeln, die seitlich an der Wirbelsäule austreten, an und endet an den feinen Verästlungen in den Muskeln und der Haut. Die Polyneuropathie gehört zu den Erkrankungen, bei der die Weiterleitung der Nervenimpulse gestört ist. Aufgrund der physiologischen Länge der Nerven an den Armen und Beinen machen sich die ersten Symptome besonders an den Extremitäten bemerkbar. Sinnesreize werden entweder vermindert oder verstärkt an das Gehirn weitergeleitet. Im finalen Stadium der Erkrankung werden keinerlei Sinnesreize mehr weitergeleitet. Die ersten Beschwerden äußern sich in Missempfindungen wie z.B. Kribbeln, Brennen sowie erhöhtem Berührungsempfinden. Im Verlauf der Erkrankung entstehen häufig unerträgliche Schmerzen und nicht selten völlige Taubheit der Füße. Viele Betroffene sind im Endstadium der Erkrankung auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen.

livinginowl: Wie sind die „therapeutischen“ Maßnahmen der Schuldmedizin?

Ralf Wigand: Polyneuropathie zählt zu denjenigen Erkrankungen, bei der die Schulmedizin in ihren therapeutischen Optionen hilflos dasteht. Die einzige Möglichkeit besteht in der Verordnung von Psychopharmaka, welche rein symptomatisch und zudem häufig mit multiplen Nebenwirkungen das Schmerzempfinden reduzieren.

Die Erkrankung selbst und der fortschreitende Verlauf der Erkrankung wird in der medizinischen Leitlinie als nicht therapierbares Schicksal definiert. Einzige Ausnahme ist die Behandlung der sehr seltenen Polyneuropathie-Variante CIPD. Diese Erkrankung zählt zu den Autoimmunerkrankungen und kann durch regelmäßige Infusionen mit Immunglobulinen und/oder Cortison zumindest im Verlauf gebremst und in glücklichen Fällen (nach Aussage der medizinischen Leitlinien) gestoppt werden.

livinginowl: Gibt es Möglichkeiten der Vermeidung dieser Krankheit?

Ralf Wigand: Der wohl wichtigste therapeutische Ansatz liegt aus der Sicht der Naturheilkunde in der Vermeidung der Entstehung einer Polyneuropathie. Hierfür steht an erster Stelle die aktive Mithilfe der prädestinierten Patienten. Polyneuropathie als Folgeerkrankung auf langjährige Diabetes steht im Ranking der Erkrankungshäufigkeit an erster Stelle. Eine Schlüsselfunktion, die Entstehung einer Polyneuropathie zu minimieren, ist neben Umstellung der Ernährung die regelmäßige Zufuhr von Alpha-Liponsäure. Bis 1995 bekamen selbst gesetzlich versicherte Diabetiker als normale Kassenleistung in ihrer Hausarztpraxis zum Schutz der peripheren Nerven prophylaktisch regelmäßig Alpha-Liponsäure-Infusionen und/oder Tabletten verabreicht. Trotz belegbarer Erfolge wurde diese hilfreiche Therapie wegen angeblicher Wirkungslosigkeit aus dem Leistungs-Katalog der Krankenkassen entfernt. Mit dem  preiswerten Schutzstoff Alpha-Liponsäure lässt sich halt im Unterschied zu verordneten Psychopharmaka keine goldene Nase verdienen.

Prävention nicht erwünscht. Anstatt jährlich einige Millionen Euro in die Prävention der Polyneuropathie zu investieren, verjubeln die Krankenkassen Milliarden Euro für die Folgekosten der Erkrankung. Eine Erklärung für dieses paradoxe Verhalten liegt vermutlich in der geschäftlichen Struktur der Krankenkassen. Wirtschaftlich gesehen sind Krankenkassen ein gewerbliches Schlaraffenland. Die Vorstände beziehen unabhängig von wirtschaftlichen Gewinnen hohe Gehälter ohne jegliches unternehmerische Risiko. Spitzenreiter war 2018 der Vorstand der Barmer-Ersatzkasse mit einem pro Kopf Jahreseinkommen von 378.269,00 €. Übersteigen die jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Kassen die Höhe der Einnahmen, werden als Folge der finanziellen Misswirtschaft die Beiträge sämtlicher Mitglieder erhöht. Jeder selbstständige Unternehmer kann von einem derartigen „Sorglos-System“ nur träumen.

Der Diabetes Typ 2 ist aus meiner Sichtweise kein Schicksal, sondern eine „hausgemachte“ Erkrankung unserer Wohlstandsgesellschaft. Diabetes Typ 2 kann durch fundierte Therapie verhindert werden, eine schon entstandene Problematik unter aktiver Mithilfe der Betroffenen rückgängig gemacht, eine im weiteren Verlauf der Erkrankung drohende Insulinpflicht sowie eine mögliche Polyneuropathie und weitere Spätschäden verhindert werden. Beim Diabetes Typ 1, also bei der insulinpflichtigen Variante, können aus meiner Erfahrung Spätschäden durch naturheilkundliche Maßnahmen zumindest deutlich reduziert werden.

livinginowl: Welche Rolle spielt Alkoholkonsum?

Ralf Wigand: Die Entstehung einer Polyneuropathie als Folge von erhöhtem und regelmäßigem Alkoholkonsum ist ebenfalls beeinflussbar. Alkohol hat ein hohes Suchtpotential und sollte selbstverständlich aus medizinischer Sicht vermieden oder zumindest der regelmäßige Konsum eingeschränkt werden. Nur leider ist dieses häufig für Betroffene leichter gesagt als getan. Anstatt einzig und allein Menschen mit Alkoholproblemen den erhobenen Zeigefinger zu zeigen, sollte man als Therapeut mögliche Optionen anbieten.

Entgiftungszentrum Leber. Der Abbau von Alkohol findet überwiegend in der Leber in drei aufeinander folgende Stufen statt. Im ersten Schritt wandelt das Enzym Alkoholdehydrogenase den Alkohol in Acetaldehyd um. Acetaldehyd ist für Körper und Nervensystem äußerst schädlich und wird aus diesem Grund enzymatisch in weniger giftige Essigsäure umgewandelt. Als letzter Schritt wird die Essigsäure zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut. Eine gut funktionierende Leber kann das zeitliche Ausmaß der alkoholischen Entgiftung entscheidend beeinflussen und das Zeitfenster der toxischen Eigenschaft verkürzen.

Bedingt durch regelmäßigen und vor allem übermäßigen Alkoholkonsum reduziert sich die Entgiftungsleistung der Leber und es entsteht ein gesundheitlicher Teufelskreis. An dieser Stelle sei vorsichtshalber erwähnt, dass die folgenden „leberfreundlichen“ Vorschläge allein zur Prophylaxe einer Entstehung der Erkrankung und nicht als Animationshilfe für Schluckspechte missverstanden werden sollten. Bei bestehender Polyneuropathie ist völlige Alkoholkarenz ratsam.

Hilfe für die Leber. Es gibt einige Möglichkeiten, die Leber in ihrer Entgiftungsfunktion zu unterstützen. Eine Schlüsselrolle bei der Entgiftung spielt der körpereigene Baustoff Glutathion. Bei der Umwandlung von Alkohol werden in der Leber große Mengen Glutathion verbraucht. Bei übermäßigem Alkoholkonsum kann die überforderte Leber diesen biologischen Schutzstoff nicht mehr ausreichend synthetisieren.  Eine regelmäßige Zufuhr von externem Glutathion z. B. über Injektionen kann der Leber wertvolle Schützenhilfe bieten und die Folgeschäden von erhöhten Alkoholkonsum bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Weitere biologisch hilfreiche Substanzen für eine optimale Leberfunktion sind u. a. Alpha-Liponsäure, Cholin, hochdosierte B-Vitamine, Omega 3 Fettsäuren, Kurkuma und ein pflanzlicher Extrakt aus der Mariendistel.

livinginowl: Gibt es weitere Ursachen für die Entstehung von Polyneuropathie?

Ralf Wigand: In der Rangliste der auslösenden Faktoren der Polyneuropathie steht an erster Stelle ein langjährigem Diabetes (ca. 35% der Betroffenen), dicht gefolgt von langjährigem Alkoholmissbrauch (ca. 25% der Betroffenen). Weitere Auslöser, auch unter der Sammelbezeichnung „idiopathische Polyneuropathie“ zusammengefasst, findet man unter anderem als Folge von Langzeit-Antibiotika-Behandlung z.B. bei Borreliosen, Nervenschädigung durch Chemotherapie, der Einnahme diverser Medikamente wie z.B. Cholesterinsenker und chronischer Schwermetall- und Giftstoffbelastung. Die Erkenntnis der beiden letzteren Problematiken bleibt schulmedizinisch ohne Berücksichtigung und führt leider auch in der alternativen Medizin häufig ein diagnostisches und therapeutisches Schattendasein.

Die idiopathischen Varianten der Polyneuropathie. Wie eingangs erwähnt leiden ca. 60% der Betroffene an der diabetischen und/oder alkoholbedingten Variante. Demnach leiden die restlichen 40% an irgendeiner unbekannten Variante. Nicht wenige Betroffene finden erst nach diagnostischer Odyssee den Weg in meine Praxis. Durchgeführte Rückenmarkpunktionen, Nervenbiopsien und diverse Geräte-Diagnostik bestätigen eigentlich nur eine von vornherein feststehende Diagnose. Es stellt sich mir immer wieder die Kardinalfrage: Was nützt Patienten eine diagnostische Prozedur ohne anschließende therapeutische Option? Diagnostisch aussagefähig ist die simple und vor allem gefahrlose Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Hierdurch kann die Polyneuropathie sowie deren Verlauf objektiv nachgewiesen und dokumentiert werden.

livinginowl: Welche Hilfe gibt es für Betroffene?

Ralf Wigand: Das Thema Polyneuropathie ist sehr umfassend und würde bei ausführlicher Beschreibung ein komplettes Buch ausfüllen. Die eigene Praxis-Erfahrung mit vielen hundert betroffenen Patienten hat gezeigt, dass eine erfolgreiche Therapie recht unabhängig vom Detail der Erkrankung ist. Meiner Auffassung nach ist durch fundierte Therapie ein Fortschreiten der Erkrankung absolut vermeidbar, eine deutliche Verbesserung realistisch und in einigen Fällen Beschwerdefreiheit zu erzielen.

Jedem Betroffenen möchte ich zur Vertiefung der Thematik das von Frau Sigi Nesterenko auch für Laien verständlich geschriebene Buch: „So therapieren Sie Polyneuropathie ganzheitlich und effektiv“ empfehlen.

livinginowl: Was sind die ersten Symptome? 

Ralf Wigand: Der Begriff „Polyneuropathie“ stammt aus den Griechischem und bedeutet übersetzt „Erkrankung mehrerer Nerven“. Das Auftreten der ersten Symptome ist unspezifisch und hat sehr viele verschiedene  Gesichter. Nicht wenige Patienten ignorieren anfänglich auftretende Symptome und finden erst im Laufe einer unangenehmen Manifestierung der Erkrankung den Weg in die ärztliche Praxis. Bei den meisten Betroffenen beginnt die Polyneuropathie als kribbelndes Gefühl in den großen Zehen mit aufsteigender Tendenz bis in die Oberschenkel. Auf das Kribbeln folgt im Verlauf der Erkrankung brennende Missempfindung und ein beengendes Gefühl der Haut, heftige Schmerzen und im finalem Stadium Taubheitsgefühl vor allem in den Füssen.

Zu heiß gebadet. Dieses Taubheitsgefühl der Füße ist nicht nur äußerst unangenehm, sondern birgt zusätzlich gesundheitliche Gefahren. So können z. B. unbemerkt Verbrennungen durch zu hohe Badetemperatur an den Füssen entstehen und sogar offene Verletzungen unter den Fußsohlen unbemerkt bleiben.

Ein massives Taubheitsgefühl der Füße und Beine birgt zudem die Gefahr von Stürzen. Die Zentren für unser Gleichgewicht liegen im Innenohr und Kleinhirn. Bei gestörter Reizleitung werden Signale aus den Beinen nicht mehr an das zentrale Nervensystem geleitet und das Gleichgewichtssystem ist außer Kontrolle. Anfänglich können Betroffene die Probleme über einen Rollator kompensieren, später droht ein restliches Leben im Rollstuhl.

livinginowl: Was empfiehlt die Schulmedizin?

Ralf Wigand: Das Psychopharmakon Lyrica gilt in den medizinischen Leitlinien zur Behandlung schmerzhafter Polyneuropathien als Mittel der Wahl. Der enthaltende Wirkstoff Pregabalin hat ähnliche Eigenschaften wie der im Gehirn gebildete Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA). In kontrollierten klinischen Studien bei peripheren neuropathischen Schmerzen kam es bei 35 % der mit Pregabalin behandelten Patienten zu einer 50%igen Verbesserung des Schmerzscores. Allerdings erreichten 18 % der Probanden den gleichen Effekt mit einem Placebo-Medikament.

Die Liste der zum Teil erheblichen Nebenwirkungen von Pregabalin ist sehr lang. Die häufigsten Nebenwirkungen sind ausgeprägte Mundtrockenheit, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtszunahme, Nervosität, Schlaflosigkeit, Angstzustände und Depressionen.

Einige wenige Patienten vertragen Pregabalin ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Bei guter Verträglichkeit ist eine initiale, zeitlich begrenzte Einnahme vertretbar. Allerdings sollte beachtet werden, dass das Medikament nur bei Schmerzen eine mögliche Wirkung entfaltet. Pregabalin hat bei Symptomen wie Kribbeln und Taubheitsgefühl keinen erkennbaren Nutzen und steht zudem unter Verdacht, eine medikamentöse Abhängigkeit zu erzeugen. Pregabalin wirkt rein symptomatisch und hat auf den Verlauf der Erkrankung keinerlei positiven Einfluss.

Laut eigener Angabe erwirtschaftete der Pharmariese Pfizer 2018 mit seinem Medikament Lyrica 4,97 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Was bietet die Naturheilkunde zur Behandlung von Polyneuropathie an? Lesen Sie Teil 2 unter diesem Link!

 

Foto: Florian Freimuth www.FotoFreimuth.deNaturheilpraxis Ralf J. Wigand
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Telefon 05206-4484
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