Kraftort Externsteine, Teil 2

Bei den Externsteinen gibt es so viel zu entdecken, dass ein einziger Besuch dort längst nicht ausreicht. So machten wir uns zusammen mit Andreas Hauer, der uns auch beim ersten Mal begleitet hatte, wieder auf den Weg, dieses Mal mit den richtigen Schuhen.

Besonders zur Walpurgnisnacht und zur Sommersonnenwende treffen sich im Zuge eines zunehmenden Interesses an Esoterik, mystischer Romantik und altem Brauchtum viele Menschen rund um die Externsteine und unter der großen Kastanie. Aber auch an anderen Tagen trifft man dort ein buntes Völckchen an.

Rund um die Externsteine

Andreas Hauer erzählte uns die folgende überlieferte Geschichte:

Es war zu der Zeit, als es noch Feen gab und Zwerge, als das Wünschen noch geholfen hat und der Stich einer Spindel ein Königreich in einen hundertjährigen Schlaf versetzen konnte. Da fiel Regen auf die junge Erde und nagte an ihrer Oberfläche und riesige Steine schälten sich aus ihr hervor. Der Regen fiel weiter Jahr für Jahr und rann in jede Spalte und wusch die Felsen aus. Und als er versiegte, da waren sie schrundig geworden wie das Gebiss eines uralten Riesen. Es waren 13 an der Zahl, steil und hoch, wiesen sie wie mahnende Finger gen Himmel. Und wieder vergingen viele Jahrtausende und haben viele Figuren und rätselhafte Zeichen in die Wände gemeißelt, wie von unbekannter Hand. Und die Menschen, die sie sahen, spürten, dass dies ein Ort der Anbetung ist, ein Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren.

"Gebiss des uralten Riesen"

Die erste Figur, die wir an diesem Morgen in dem Felsen entdecken, wird „Der Hängende“ genannt. Die Christen glauben, dass es sich hier um eine Darstellung von Jesus am Kreuz handelt.

"Der Hängende"

Auf dem Foto sieht man ein Loch in der Lebergegend, während Jesus einen Lanzenstich im Herz hatte. Somit wird angenommen, dass es sich bei dem Hängenden um Loki handelt. Loki ist ein Gott aus der nordischen Mythologie und hat mit einem Mistelpfeil den Sonnengott Baldur getötet. Zur Strafe wurde er an einen Felsen gekettet, das Gift einer Natter wurde in sein Gesicht geträufelt und Raben pickten seine Leber aus.

Eine bemerkenswerte Sehenswürdigkeit ist auch das Kreuzabnahmerelief, das sich am Fuße des rechten Felsens befindet. Es ist von besonderer Bedeutung, weil es sich bei diesem um 1130 entstandenen Relief um die älteste deutsche in einen Felsen gehauene Großplastik handelt. Allerdings wird vermutet, dass Teile davon bereits aus vorchristlicher Zeit stammen, die von christlichen Künstlern später überarbeitet wurden.

Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen

Das Relief zeigt die Kreuzabnahme Jesu und rechts unten soll es sich angeblich um eine gebeugte Irminsul (Himmelssäule, Weltenesche) handeln. Die Irminsul war Heiligtum der heidnischen germanischen Alt-Sachsen, die von Kaiser Karl dem Großen im Zuge der Christianisierung zerstört wurde.

Der untere Teil des Reliefs ist ersichtlich älter als der obere Teil und soll Adam und Eva darstellen, wobei auch hier die Meinungen auseinandergehen, ob nicht doch vielleicht ein vorchristlicher Künstler am Werk gewesen ist.

Auf dem Felsen Nr. IV befindet sich der sagenumwobene Wackelstein, der allerdings im 19. Jahrhundert befestigt wurde.

Wackelstein

Abseits von Mystik und Metaphysischem gibt es am Fuß der Externsteine das Café-Restaurant Felsenwirt, wo wir uns ganz weltlich mit Apfelkuchen mit Sahne und Cappuccino stärkten.

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