Bürger Mit Wirkung in Steinhagen wollen mitreden

Ein Gastbeitrag von Dr. Birgit Lutzer

Bürger bleiben oft freiwillig außen vor, wenn es um politische Entscheidungen geht. Dabei betreffen große Bauprojekte und die Straßenverkehrsplanung den gesamten Ort. Auch die damit verbundenen Umwelteinwirkungen sind teilweise enorm.

Die Aktiven von BMW – Bürger mit Wirkung: von links Gerhard und Dr. Birgit Lutzer, Bettina Simon, Ann-Katrin Hanneforth, Julia Schlinkert und Christoph König.

 

Genau da setzt die Initiative BÜRGER MIT WIRKUNG STEINHAGEN an. Die Gruppe engagiert sich für mehr Bürger-Mitbestimmung in der Lokalpolitik und für mehr Umweltschutz.

Einer der beiden Gründer, Christoph König, beschreibt die Ausgangssituation, die Initiativen-Kollegin Dr. Birgit Lutzer und ihn zum Zusammenschluss bewegt hat: „Viele Bürger/innen werden erst dann auf politische Entscheidungen aufmerksam, wenn die Bagger plötzlich vor ihrer Haustür anrücken.“ Doch dann sei es zu spät, um Einfluss zu nehmen.

Lutzer ergänzt: „Alle Sitzungen im Rathaus haben einen öffentlichen Teil. Fakt ist, dass oft nur dann Gäste teilnehmen, wenn sie direkt betroffen sind.“ Außerdem stelle die Gemeinde umfangreiche Informationen auf ihrer Homepage zur Verfügung. „Doch genau in dieser Flut an Inhalten liegt eine Herausforderung, der sich nur wenige Bürger stellen.“

Bürger informieren und aktivieren

Aus diesem Grund führt die Initiative unter www.buergermitwirkung-steinhagen.de einen Blog mit Beiträgen über Rathaussitzungen Bau- und Verkehrsprojekte. Hinzu kommen Social Media- und Presseaktionen, Anfragen, Eingaben und Anträge. Auch Veranstaltungen zu Umweltthemen sind geplant. König: „Gern möchten wir auch andere Umwelt-Initiativen und -Vereine ab und zu an einen Tisch holen, um uns auszutauschen und die Kräfte zu bündeln.“

Presseaktion „Jakobskreuzkraut“ zusammen mit dem Imkerverein

Der Klimawandel mit Hitze und Trockenheit begünstigt die Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts. Von links Julia Schlinkert, Dr. Birgit Lutzer (Bürger mit Wirkung), Adrian Gansfort (Imkerverein Steinhagen), Bettina Simon (Bürger mit Wirkung) und Volker Schräder (Imkerverein).

 

Ein erster Schritt in diese Richtung ist gegangen durch eine Presseaktion der BÜRGER MIT WIRKUNG mit dem Imkerverein Steinhagen Anfang Juli. Sie drehte sich um das Jakobskreuzkraut, das im Sommer an allen Ecken und Enden sprießt. Beide Zeitungen – Haller Kreisblatt und Westfalen-Blatt – griffen das Thema mit umfangreichen Berichten auf.

Biologin Julia Schlinkert aus dem Team „Bürger mit Wirkung“ erläutert: „Das Pyrrolizidinalkaloid aus dem Jakobskreuzkraut ist giftig für Säugetiere, und damit auch für den Menschen. Diese Information hat sich inzwischen herumgesprochen.“ Weniger bekannt sei, dass die pflanzlichen Giftstoffe auch in unseren Nahrungskreislauf gelangen könnten. „Es gibt Honigprodukte, Tees, Kräutermischungen und Nahrungsergänzungsmittel, in denen der Schadstoff nachgewiesen worden ist.“

Kaum Kontrollen für manche ausländischen Produkte

Die Erzeugnisse stammten überwiegend aus anderen Ländern mit laschen Überwachungs- und Kontrollregulierungen. Problematisch daran laut der Pflanzenexpertin: „Die Produkte sind ungekennzeichnet, so dass sie auch in unseren Einkaufswagen und Küchenschränken landen.“

Einheimischer Honig ist unbedenklich

Adrian Gansfort ist Vorsitzender des Steinhagener Imkervereins. Er bestätigt: „Es stimmt, dass unsere Bienen den Stoff über den Nektar des Jakobskreuzkrautes aufnehmen. Er ist ungefährlich für die Insekten.“ Imkerkollege Volker Schräder schränkt jedoch ein, die so übertragenen Mengen seien gering. „Wenn Honig mehrere Monate lagert, ist der Schadstoff nicht mehr nachzuweisen.“ Abgesehen davon, gingen Honigbienen nur dann auf die Blüten des Jakobskreuzkrauts, wenn es an Alternativen mangele.

Einig sind sich Imker und Biologin, dass sich das Jakobskreuzkraut immer mehr ausbreitet. Gansfort: „Das Wachstum wird durch extensiv genutzte Grünflächen mit jährlich nur einem Pflegeschnitt gefördert.“ Schlinkert empfiehlt Gartenbesitzern, Jakobskreuzkraut mit Stumpf und Stiel auszureißen. „Denn sonst können zum Beispiel Kleinkinder versehentlich damit in Berührung kommen.“ Auch über die Haut gelangt das Pyrrolizidinalkaloid in den Körper, so dass beim Entfernen unbedingt Handschuhe getragen werden sollten.

Klimawandel begünstigt weitere Verbreitung der Pflanze

Eine wichtige Ursache für die zunehmende Verbreitung des Jakobskreuzkrauts sieht Pflanzenexpertin Schlinkert im Klimawandel. „Hitze und Trockenheit machen dem robusten Gewächs kaum etwas aus.“ Und genau deshalb sprießt es auch in Steinhagen an immer mehr Stellen leuchtend gelb. „Als Bürgerinitiative werben wir dafür, dass jeder Einzelne versucht, klimaschädigendes Verhalten zu reduzieren. Wenn jeder ein Bisschen tut, bewirken wir gemeinsam Gutes fürs Klima.“

 

 

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